Selten hatte ein neuer Trainer so viel Zeit, seinen Verein zu beschnuppern, wie Erkan Kanli. Der 41-Jährige wurde im Winter vom FC Tiengen 08 verpflichtet, übernahm damals das abgeschlagene Schlusslicht, stand einzig beim 0:6 im Derby gegen den VfB Waldshut an der Seitenlinie, danach wurde der Spielbetrieb wegen der weltweiten Corona-Pandemie eingestellt: „Wenn man bei Corona überhaupt von etwas Gutem reden kann, dann war es die Möglichkeit, die Menschen hier im Verein besser kennen zu lernen – diese Möglichkeit haben wir genutzt“, blickt der Trainer auf die fußballfreien Monate zurück.

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Das Kennenlernen nahm über die Monate hinaus aber kein Ende. In die Vorbereitung auf die neue Saison startete Kanli mit einem runderneuerten Kader: „Dank unserer guten Jugendarbeit haben wir fünf viel versprechende Talente im Team. Dazu kommen externe Neuzugänge, die uns helfen werden“, ist der Trainer voller Hoffnung, dass das Abstiegsgespenst in diesem Jahr keinen Unterschlupf am Langenstein findet: „Aber man darf das nicht unterschätzen und glauben, dass es durch die vielen neuen Spieler einfacher wird.“

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Entsprechend hat Kanli seinen Kader in den vergangenen Wochen gefordert und mit Arbeit eingedeckt: „Die meisten Spieler kamen allerdings gut vorbereitet aus der Corona-Pause. Man hat einfach gespürt, dass sie heiß auf den Ball sind“, so Kanli, dessen Mannschaft ein Durchschnittsalter von knapp 22 Jahren aufweist.

Wieder an Bord: Als Kapitän kehrt der einstige Torjäger Nexhdet Gusturanaj zum FC Tiengen 08 zurück. Nach seinem Weggang vor sieben Jahren spielte der 30-Jährige beim SV Berau, VfB Waldshut und FC Klingnau.
Wieder an Bord: Als Kapitän kehrt der einstige Torjäger Nexhdet Gusturanaj zum FC Tiengen 08 zurück. Nach seinem Weggang vor sieben Jahren spielte der 30-Jährige beim SV Berau, VfB Waldshut und FC Klingnau. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Da ist er ganz froh, in Nexhdet Gusturanaj, der bereits von 2009 bis 2013 das Trikot des FC Tiengen 08 trug, einen Spieler zu haben, der seither viel Erfahrung gesammelt hat. Diese wird der 30-Jährige künftig nicht nur als Stürmer vor dem gegnerischen Kasten einbringen, sondern nach außen sichtbar mit der Kapitänsbinde: „Ich habe viel Gutes über ihn gehört und denke, dass er der richtige Mann für unsere jungen Spieler ist“, so Kanli.

Neuer Co-Trainer: Dimitri Maul, Vater des aus dem Nachwuchs aufgerückten Nikita Maul, steht Trainer Erkan Kanli künftig zur Seite.
Neuer Co-Trainer: Dimitri Maul, Vater des aus dem Nachwuchs aufgerückten Nikita Maul, steht Trainer Erkan Kanli künftig zur Seite. | Bild: Scheibengruber, Matthias

FC Tiengen 08

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Viel erwartet sich der Trainer auch von Louis Gnädinger, der seine Ausbildung beim Schweizer Top-Verein FC Schaffhausen genossen hat: „Leider plagen ihn im Moment noch Probleme mit dem Rücken, wegen der wir vorsichtig sein müssen“, bremst Erkan Kanli den Tatendrang des 21-jährigen Torhüters: „Bisher hat er einmal trainiert – und durchblicken lassen, welches Talent in ihm schlummert.“

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Blick nach vorn: Sportchef Jasmin Rastoder hat den Kader des Schlusslichts FC Tiengen 08 mit zwölf neuen Spielern quantitativ und qualitativ aufgestockt.
Blick nach vorn: Sportchef Jasmin Rastoder hat den Kader des Schlusslichts FC Tiengen 08 mit zwölf neuen Spielern quantitativ und qualitativ aufgestockt. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Dass der FC Tiengen 08 letztlich nur dank der Corona-Pause in der Bezirksliga bleiben durfte und nicht aus der Landesliga in die Kreisliga A durchgereicht wurde, haben die Verantwortlichen abgehakt. Der Blick von Sportchef Jasmin Rastoder geht nach vorn und nicht auf die mageren sieben Punkte, die in 17 Spielen eingefahren wurden.

Professionell: Vor einer Sponsoren-Wand findet beim FC Tiengen 08 künftig die virtuelle Medienarbeit statt. Hier wird Präsident Armin Leichenauer (links) von Martin Dörflinger interviewt.
Professionell: Vor einer Sponsoren-Wand findet beim FC Tiengen 08 künftig die virtuelle Medienarbeit statt. Hier wird Präsident Armin Leichenauer (links) von Martin Dörflinger interviewt. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Auch im Umfeld des FC Tiengen 08 hat sich in der Corona-Pause etwas getan. Martin Dörflinger, umtriebiger „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“, hat für den Verein einen Youtube-Kanal eingerichtet. Hier erfahren Interessierte immer wieder Neues aus dem Verein, vor allem in Interviews mit dem Trainer oder dem Präsidenten Armin Leichenauer. Damit soll auch den Sponsoren entgegen gekommen werden: „Sie haben uns während Corona die Treue gehalten. Wir wollen nun mit unserem Engagement etwas zurück geben“, verweist Präsident Armin Leichenauer auf die neu geschaffene Sponsorenwand, vor der diese Gespräche gedreht werden.

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