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Fußball-Bezirksliga: – Da kann der Matchplan noch so gut sein. Wenn das Quäntchen Glück fehlt, dann nutzt alles nichts. Oft fehlte dem FC Wallbach in den ersten Spielen der neuen Saison unter dem neuen Trainer Andreas Braunagel dieses Quäntchen. Beim 3:1 gegen den FC Zell schlug das Pendel aber dann doch in seine Richtung um: „Ich bin mit der Mannschaft immer noch in der Probierphase. Dieses Mal habe ich Christian Albiez raus und Tom Heyde rein genommen“, lächelte der Coach verschmitzt.

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Beide Spieler waren am Ende die Matchwinner einer Partie, deren Gewinn der FC Wallbach mit dem größeren Willen für sich entschieden hat. Dort, wo heutzutage mediengerecht von Mentalität gefaselt wird, krempelten die Gastgeber die Ärmel hoch und beendeten auf den Tag genau fünf Monate nach dem 2:1 gegen den FC RW Weilheim ihren Fluch auf heimischem Terrain. Erstmals seit jenem ähnlich verregneten 27. April wurde wieder ein Heimspiel gewonnen. Saisonübergreifend holten die Wallbacher danach gerade mal einen Punkt – beim 0:0 gegen den FC Wehr am letzten Spieltag – aus fünf Heimspielen.

Glücklich: Tom Heyde erzielte seine ersten Tore für den FC Wallbach
Glücklich: Tom Heyde erzielte seine ersten Tore für den FC Wallbach | Bild: Scheibengruber, Matthias
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Tom Heyde, der wegen seines Studiums in Karlsruhe selten genug im Kader auftaucht und in fünf Spielzeiten lediglich 19 Einsätze aufweist, bekam nach seinen Trainingsleistungen erstmals seit langer Zeit die Chance von Anfang an. Und der 23-Jährige nutzte sie, schien „heiß wie Frittenfett“ zu sein.

Danke Bruder: Tom Heyde (links) klatscht seinen zwei Jahre älteren Bruder Mike ab, der ihm beide Tore aufgelegt hatte.
Danke Bruder: Tom Heyde (links) klatscht seinen zwei Jahre älteren Bruder Mike ab, der ihm beide Tore aufgelegt hatte. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Nach einer guten halben Stunde legte spielte sein zwei Jahre älterer Bruder Mike den Ball scharf vors Tor, Daniel Philipp und Tim Wießmer touchierten das Leder entscheident, so dass Tom Heyde den Ball nur noch am verdutzten Christian Rapp vorbei ins Netz schieben musste. Angedeutet hatte sich dieser Treffer schon wenige Minuten zuvor, als Sebastian Rupp eine Flanke (17.) ins Netz köpfelte, dabei aber im Abseits gestanden hat.

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„Die Führung haben wir uns redlich verdient“, befand Andreas Braunagel, denn in der Tat war seine Elf nach einer eher verhaltenen Anfangs-Viertelstunde die aktivere Mannschaft. Erspielte sich Feldvorteile, wenn auch beim Gast der Ball flüssiger durch die Reihen zu laufen schien. Was dem FC Zell fehlte, war die Bissigkeit in der Offensive. Dass die Gäste dennoch zum 1:1-Ausgleich (36.) kamen, war dem aufmerksamen Sarjo Fatty zu verdanken, der aus der Distanz einfach mal flach abzog.

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Doch schon im Gegenzug waren die Wallbacher wieder am Drücker. Dem guten Reflex von Christian Rapp beim Schuss von Dan Stengritt war es zu verdanken, dass die Teams mit einem 1:1 in die Pause gingen.

„Wir haben trotz der fehlenden Punkte mehr Selbstvertrauen, weil die Mechanismen immer besser greifen“, verwies Andreas Braunagel auf den Lernprozess: „Jedes Spiel, jeder Fehler wird mit der Mannschaft intensiv besprochen. Wir reifen und bleiben in so einem Spiel dann am Drücker, statt uns durch ein Gegentor aus der Bahn werfen zu lassen.“

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So zwangen die Gastgeber dem FC Zell immer mehr ihr Spiel auf, forderten zwei Minuten nach der Pause vergeblich einen Strafstoß, als Christian Rapp erst den heran stürmenden Mike Heyde und dann erst den Ball getroffen hatte. Schiedsrichter Gerrit Peukert sah die Szene aus der rückwärtigen Perspektive und winkte entschlossen ab.

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Ähnlich war Peukerts Reaktion nach dem vermeintlich zweiten Tor durch Tom Heyde in der 50. Minute. Christof Bank hatte geflankt, Heyde drückte den Ball über die Linie. Peukert hatte dabei allerdings ein Handspiel des Torschützen registriert und entschied auf Freistoß.

Besser machte es der zwischenzeitlich für den an der Schulter verletzten Christof Bank eingewechselte Christian Albiez. Nur drei Minuten später erreichte ihn ein Steilpass, Albiez fackelte nicht und traf aus gut 20 Metern zum 2:1 (65.): „Eine sehr gute Reaktion auf meine Maßnahme, ihn aus der Startelf zu nehmen“, war Andreas Braunagel nicht nur ob der erneuten Führung zufrieden. Denn jetzt war der FC Zell angezählt, was die Hausherren eiskalt zum 3:1 (70.) ausnutzten. Mike Heyde sah erneut seinen gut postierten Bruder und verhalf ihm so zum Doppel-Pack.

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„Wir haben sie aufgebaut und es ihnen bei den Toren leicht gemacht“, hakte Michael Schwald die verpasste Chance, zumindest bis Samstag die Tabellenspitze zu übernehmen, erst einmal ab: „Sie waren gnadenlos, haben zielstrebiger gespielt. Und wir haben unsere Möglichkeiten nicht genutzt.“

Gehalten: Ramon Winkler wehrt beim Stand von 3:1 den Strafstoß von Daniel Philipp ab und verhindert so eine Schlussoffensive des FC Zell.
Gehalten: Ramon Winkler wehrt beim Stand von 3:1 den Strafstoß von Daniel Philipp ab und verhindert so eine Schlussoffensive des FC Zell. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Die beste Chance, in der Schlussphase nochmals eine Aufholjagd starten und – wie schon in den beiden Vorjahren – zumindest einen Punkt mit ins Wiesental zu nehmen, verpasste Daniel Philipp nur drei Minuten nach dem 1:3. Sergio Cammarano war im Strafraum von Matthias Wenk weggegrätscht worden, Peukert blieb keine andere Wahl. Allerdings schoss Philipp den Foulelfmeter zu schwach, so dass Ramon Winkler den Ball locker nach rechts abwehren konnte.

Verletzte: Hier hatte es Christof Bank (am Boden) an der Schulter erwischt, später brauchte auch Schiedsrichter Gerrit Peukert eine Behandlung, weil er sich beim Strafstoß von Daniel Philipp am Knie verletzt hatte.
Verletzte: Hier hatte es Christof Bank (am Boden) an der Schulter erwischt, später brauchte auch Schiedsrichter Gerrit Peukert eine Behandlung, weil er sich beim Strafstoß von Daniel Philipp am Knie verletzt hatte. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Kurioserweise verletzte sich ausgerechnet in dieser Szene der Unparteiische: „Der abgewehrte Ball kam auf mich zu, ich wollte mit einem Schritt zur Seite ausweichen. Dabei schoss mir der Schmerz in mein lädiertes Knie. Eine intensive Behandlung durch den Zeller Betreuer Jan Loschnat verhinderter Schlimmeres, wenn nicht gar den Abbruch der Partie.

Wieder dabei: Nach fast zweijähriger Verletzungspause ist Dario Muto beim FC Zell wieder im Kader
Wieder dabei: Nach fast zweijähriger Verletzungspause ist Dario Muto beim FC Zell wieder im Kader | Bild: Scheibengruber, Matthias
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Als wäre es ein Signal gewesen, ließen beide Mannschaften in der letzten Viertelstunde die Zügel etwas schleifen. Die Wallbacher im Gefühl des sicheren Sieges und die Gäste in der Erkenntnis, dass an diesem Abend auf dem für sie ungewohnt kleinen Kunstrasenplatz nichts mehr zu holen sein wird.

FC Wallbach – FC Zell 3:1 (1:1). – Tore: 1:0 (30.) T. Heyde; 1:1 (36.) Fatty; 2:1 (65.) Albiez; 3:1 (70.) T. Heyde. – SR: Gerrit Peukert (Rheinfelden). – Z.: 120. – Bes.: Winkler (FCW/73.) hält FE von Philipp.

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