Mit Rückblicken auf die Narrentreffender Vergangenheit trösten wir uns über die fasnetfreie Zeit hinweg.

Narrentreffen 2002

Weisch no, 2002 in Radolfzell, ein Narrentreffen mit Bestnoten. Wir waren zu Gast bei der Narrizella Ratoldi, der Radolfzeller Narrenzunft, und zogen in großen und kleinen Gruppen durch die Lokale der Altstadt. Zum ersten Male war Heribert Schwarz, Narrenfreund aus Singen und neuestes Mitglied der Pflumeschlucker, dabei. Dank seiner Vor-Ort-Kenntnisse gelangten wir auch in Lokalitäten, die etwas abseits lagen. „Schwarzwaldmarie“ und „Die Fischerin vom Bodensee“ waren neben dem Narrenmarsch die Oldies, die hier am häufigsten von unseren Musikern intoniert und von uns mit Gesang begleitet wurden.

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Dann große Aufregung: Polizei wohin man blickte und die sich verbreitende Nachricht, dass die Freinacht mit sofortiger Wirkung aufgehoben sei. Ratlosigkeit! Wohl oder übel bestellten wir Taxis oder versuchten uns als Anhalter, um nach Ludwigshafen, zu unserem Hotel, zu gelangen. Die erste Enttäuschung waren alsbald verdaut, vor allem, als uns der Wirt anbot, die abgebrochene Freinacht in einem großzügig angelegten Pavillon im Garten – mangels Personal – in Eigenregie bis zum Frühstück fortzuführen.

Im Laufe des Vormittags erfuhren wir, dass eine Rockergruppe aus dem Stuttgarter Raum geplant hatte, das Narrentreffen „aufzumischen“. Dazu kam es glücklicherweise nicht. Radolfzells Umzug am Tag danach verlief reibungslos.

Narrentreffen 2004

Weisch no, 2004, Großes Narrentreffen in Singen. Vom alljährlich stattfindenden Hohentwielfest begeistert, freute ich mich darauf ganz besonders. Mit Musikern vorneweg „gumpten“ wir als etwa zehnköpfige Pflumeschluckergruppe durch die Lokalitäten. Dabei kam es immer wieder zum Kennenlernen weniger bekannter Narren. Die Heimkehr nach Hilzingen, zur Übernachtung im Hotel „Kellhof“, wurde für mich und den Singener Pflumeschlucker Heribert zum Albtraum. Weil wir den letzten Bus verpasst hatten, eigentlich unbegreiflich, war guter Rat teuer. Das „bisschen Fußweg“ vom Bahnhof Singen nach Hilzingen meistern wir ohne Taxi zu Fuß, so hatten wir uns geeinigt. Zudem liebäugelten wir mit der Option, auf etwa halber Wegstrecke Heriberts Ehefrau „Nela“ als Nottaxifahrerin gewinnen zu können. Leider überhörte sie das Klingeln an der Haustüre, also marschierten wir im Takte der Pflumeschluckerschellen auf dem Fußweg entlang der Hauptstraße nach Hilzingen.

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Singen hatte für uns als Narrengruppe eine Vielzahl weiterer nächtlicher Ereignisse parat. Tags darauf machte uns Narrenräten eine mitunter unruhige Fahrt auf dem Stammen wegen enger Kurve zu schaffen. Das Fotografieren vom fahrenden Fuhrwerk aus kann sehr gefährlich sein. Dies weiß seit 2004 unser damaliger Zunftschreiber und Tierarzt Uli. Zum Glück ging auch für ihn alles gut aus.

Narrentreffen 2010

Weisch no, 2010 in Haslach im Kinzigtal. Eine Zunft aus der Landschaft Schwarzwald war Zielort eines Narrentreffens. Es war von Anfang an nicht einfach, im Narrendorf Gesangstouren durch die Lokalitäten zu begehen. Wir fuhren früher als üblich in das vorab bezogene Quartier nach Fischerbach zurück. Dort hatte der Kirchenchor, so meine ich mich zu erinnern, das Ende seiner Generalversammlung eben eingeläutet. Aus der Gemengelage Pflumeschlucker, Musiker, Kirchenchor entwickelte sich eine Fastnachtsfeier, die an Vielfalt und Spontanität kaum zu überbieten war. Nach kurzer Zeit bereits waren Bonndorfer und Fischerbacher fröhlich vereint, mit Herz und Seele. Und nach dieser Nacht war alles davor in Haslach vergessen.

Quartierbezug im Hotel in Ludwigshafen beim Narrentreffen in Radolfzell.
Quartierbezug im Hotel in Ludwigshafen beim Narrentreffen in Radolfzell. | Bild: Erhard Morath

Ein Zimmer, das wir zu wenig gebucht hatten, spielte keine Rolle. Auf halber Länge des Flures hatten wir ein Notbett und ein Nachttischchen aufgestellt. Dieses „Zimmer“ war begrenzt von zwei Vorhängen, die von der Flurdecke hingen. Die Szenen, die sich um dieses Bett rankten, waren kabarettreif, einmalig, unwiederholbar. Der Haslacher Narrenumzug am Tag danach bescherte Narren und Zuschauern eine Mixtur aus Schneefall und Regen. Wie schön wär‘s jetzt als Pflumeschlucker, dachte ich als Narrenrat auf dem Stammen frierend.

Narrentreffen Offenburg

Weisch no, Offenburg 1988 und 1994. Offenburg ist sicherlich ein Narrennescht erster Güte. Dies lässt sich festmachen an der Herzlichkeit, mit der Wirte, Besucher, Zunftobere und Hästräger, den Einheimischen und Gästen gegenübertreten. Bekannt sind die Offenburger Hexen, aber auch die Althistorische Offenburger Narrenzunft spielt in der Stadt eine tragende Rolle.

Eine von vielen Episoden, die mir zu Offenburg einfällt, ist der ungewohnt hohe Konsum von Wodka und Whisky während einer Freinacht. Das meiste davon hatte ich nicht bestellt und als Gratisgetränk erhalten. Am Tag darauf – welche Ehre – durfte ich mit zum üblichen Zunftmeisterempfang. Dort erkannte ich den Urheber der hochprozentigen Tischrunden. Es war der russische Botschafter, der als einer der Ehrengäste am Offenburger Narrentreffen teilnahm und zweifellos am Abend zuvor „gut unterwegs“ gewesen war. Dass der Freiheitskämpfer Friedrich Hecker in Offenburg eine Rolle gespielt hatte, auch dies war im Zuge eines Narrentreffens zu erfahren. Sage noch einer, Fastnacht bildet nicht.

Narrentreffen 2003

Weisch no, beim Narrentreffen in Donaueschingen anno 2003. Für zwei Tage besuchten wir unsere Häsverwandten, die Weißnarren der Frohsinn Donaueschingen und übernachteten im Flughafenhotel. Hoppla, Flughafen? Doch, doch, dem war so, wir reisten natürlich wie üblich mit Bussen an und bezogen Quartier beim Flughafen. Eine Verköstigung, dies war von Anfang an jedem klar kommuniziert worden, war im Hotel nicht möglich. Die Busse kutschierten uns ins Zentrum, dort wiederholte sich das immer gleiche und trotzdem wunderschöne Spiel einer närrischen Narrenfreinacht ab. Nach dem unser Haufen sich auf überschaubare Portionen reduziert hatte, steuerten diese mit Musik auf die sich bietenden Buden, Beizen, Cafés und Wirtshäusern zu. Es war schwer was los. Im Freien, aber auch im Warmen herrschte sardinenhafte Narrendichte.

In einem Weinhaus kam‘s mit einer Gruppe „halbstarker Neonarren“ zu Meinungsverschiedenheiten. Ehe das Ganze eskalieren konnte, bezahlten wir unser Zeug und machten uns aus dem Staub und ernteten dafür von den Wirtsleuten viel Lob. Am Ende der Thekentour strandeten viele im Fürstlichen Bräustüble. Da war‘s prächtig und weil auch weitläufig, fanden wir alsbald Gelegenheit, unsere Füße mal kurzzeitig hochzulegen. Unaufhörlich heizten unsere Musiker mit Ziehorgel, Klarinette, Gitarren und Schlagwerk ein. Seltsamerweise hatten es dieses mal viele versäumt, sich um ein ordentliches Abendessen zu kümmern, denn dabei bestand die Gefahr, den Anschluss an die weiterziehende Gruppe zu verlieren. Und in der Nacht dann, im Flughafenhotel, gab‘s zwar genügend zu trinken, aber keinerlei Happen. Händeringend suchte Charly, unser Best-Ager und Gitarrenspieler, ziemlich hungrig nach Mitstreitern, um irgendwo eine Fastfoodbude ausfindig zu machen. Mit einem angeheuerten Taxi begleitete ich ihn zurück nach Donaueschingen. Manchmal ist es wie verhext, denn es dauerte eine ganze, lange Weile, bis wir beim Bahnhof in den Genuss einer lauwarmen, letzten Endes, trotzdem köstlichen Brühwurst kamen. Über den Preis vereinbarten wir, Stillschweigen zu bewahren. Vom großen Umzug am Sonntag sind mir deren Eintrittsbändel in Form von Papierkrawatten „hängen“ geblieben. (Über weitere Narrentreffen-Erinnerungen berichten wir noch).