Was soll ich heute nur anziehen? Dem Narren stellt sich diese Frage am Schmutzige Dunschdig nicht: Mittags das Häs, abends das weiße Nachthemd. Alles andere wäre fehl am Platz.

Zwar halten sich längst nicht mehr alle konsequent an diesen alten Brauch, denn wie so viele andere Fasnettraditionen weicht auch das Regelwerk des Hemdglunkerumzugs sachte auf. Und dennoch zog am Donnerstagabend wieder ein langer Zug hunderter Hemdglunker vom alten Rindviehmarktplatz zur Vorstadt, um dort ausgelassen zu feiern.

Immer wieder gipfelte in der „Germania“ die Stimmung in ausgelassenen Polonaisen, auch wenn ein Durchkommen schwierig war.
Immer wieder gipfelte in der „Germania“ die Stimmung in ausgelassenen Polonaisen, auch wenn ein Durchkommen schwierig war. | Bild: Martha Weishaar

Die Kleinsten lassen sich noch im Kinderwagen schaukeln und manch einer, dem bereits der Umzug vom Mittag in den Knochen steckt, würde sich einen ähnlichen Komfort wünschen. Aber man will ja keine Schwäche zeigen und schon gar nichts verpassen.

Dem Außenstehenden mag es kindisch erscheinen, wenn Erwachsene aus voller Kehle die alt bekannten Narrenverse brüllen und eins ums andere Mal schier ausflippen, sobald der Narrenmarsch erklingt. Da wird gegumpt, geschunkelt und gesungen, als ob zu befürchten wäre, man könnte am Ende noch zu kurz kommen.

Altersgrenzen werden in der Stadtmusik über die Fasnet aufgehoben. Schon die Jüngsten dürfen mitmachen.
Altersgrenzen werden in der Stadtmusik über die Fasnet aufgehoben. Schon die Jüngsten dürfen mitmachen. | Bild: Martha Weishaar

Wandermusiken sorgen in den Lokalen der Vorstadt für Hochstimmung, egal ob es die ad-hoc-Gruppe um Narrenvater Clemens Podeswa ist, oder ein harter Kern von Bläserjugend und Stadtmusik um Vizedirigent Clemens Büche. Livemusik in Germania und Braukessel schaukeln überdies die Wogen närrischer Glückseligkeit eins ums andere Mal hoch, was immer wieder in Polonaisen gipfelt, die in den voll besetzten Gasthäusern zeitweilig kaum ein Durchkommen finden.

Es bleiben zwei Betrachtungsweisen auf den Hemdglunker. Ja, es stimmt, dass längst nicht mehr die Massen an Narren durch die deutlich weniger gewordenen Lokale ziehen und auch auf den Straßen ist es ruhiger geworden. Aber ebenso stimmt, dass quer durch alle Altersstufen viele närrisch gesinnte Frauen, Männer und solche, die das mal werden wollen, glückselig miteinander feiern und fröhlich sein können. Nicht von ungefähr kommt es schließlich, dass zahlreiche „ausgewanderte“ Bonndorfer zur Fasnet in die Heimat zurückkommen, einer sogar aus Amerika. „Fasnet in Bonndorf isch halt eifach andersch“, meinte eine Närrin.