Markdorf – Im Saunakübel hereingefahren werden, Udo Jürgens' "Mit 66 Jahren" singen dürfen und ansonsten noch einmal eine ganz große Show veranstalten: Man könnte es schlechter erwischen als Dietmar Bitzenhofer, Moderator des "Dreckkübelgschwätzes" der Historischen Narrenzunft, bei seinem Abschieds-Kübel nach 17 Jahren auf der Bühne. Fast 300 Fasnet-Fans, so viele wie seit Jahren nicht, waren am Dienstagabend zum Abschluss der Markdorfer Saalfasnet in die Stadthalle geströmt.

Der Rächer der rechtlosen Bürger: Pfarrer Ulrich Hund als Robin Hood in der Bütt.
Der Rächer der rechtlosen Bürger: Pfarrer Ulrich Hund als Robin Hood in der Bütt. | Bild: Andreas Lang

Der Pfarrer als Robin Hood

Vielleicht auch wegen des Themas, das sich wie kaum eines in den vergangenen Jahren so gut für den "Kübel" eignete: Der Bischofsschloss-Bürgerentscheid und seine Folgen bekamen ihr Fett, oder besser den "Dreck" ab. Pfarrer Ulrich Hund, wie stets der "Eröffnungs-Act", hatte sich als Robin Hood verkleidet, als "Rächer der Rechtlosen und zu kurz Gekommenen", denn: "Schlossherr ist in dieser Stadt ja out", wie er treffend anmerkte. Er kämpfe für jene, die eine Bürgerbeteiligung vermissen und von der Stadtpolitik nicht mitgenommen werden.

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Doch frage er sich, weshalb die Info-Veranstaltungen der Stadt zur Hälfte leer blieben? "Allerhand, dass man sich informieren muss. Es muss doch auch so gehen, dass man einfach nur dagegen sein darf!", entrüstete er sich. "Nehmt Abschied, Leut', vom Bischofsschloss, die Verwaltung zieht nicht rein", sang er und der Saal sang inbrünstig mit.

Sang gekonnt a cappella: Die "Resonanzkatastroph" auf der Kübel-Bühne am Dienstagabend.
Sang gekonnt a cappella: Die "Resonanzkatastroph" auf der Kübel-Bühne am Dienstagabend. | Bild: Andreas Lang

"Resonanzkatastroph" a cappella

Gesungen hat auch die "Resonanzkatastroph" und zwar gekonnt a cappella. Zur Melodie von "Only you" von den Flying Pickets sangen sie von "Bitze", dem "die Knie schlottern" und der sich die Ruhe verdient habe. Der habe zwar "gern mal Ideen umgesetzt, die er mit keinem besprochen hat", aber als Büttel, Moderator und Zunftmeister immer einen "Riesenjob" gemacht.

Servierte eine "Bunte Platte": Rosi Altstädter, zurück nach einjähriger Pause.
Servierte eine "Bunte Platte": Rosi Altstädter, zurück nach einjähriger Pause. | Bild: Andreas Lang

Markdorfer Jubiläumsmarsch

Während Rosi Altstädter zum Motto "Bunte Platte" die Stadt nach dem Bürgerentscheid aus einem "Albtraum" erwachen sah und sich wieder Einigkeit und "gutes Gelingen" wünschte, durfte hernach der von ihr initiierte und von der Stadtkapelle begleitete Jubiläumsmarsch wieder für Harmonie sorgen.

Sein letzter "Kübel" und in dem wurde er auch in den Saal gefahren: Dreckkübel-Moderator Dietmar Bitzenhofer gab nach 17 Jahren seinen Abschied als Dompteur der Markdorfer Büttenredner. Wer's im nächsten Jahr machen wird, steht offiziell jedenfalls noch nicht fest.
Sein letzter "Kübel" und in dem wurde er auch in den Saal gefahren: Dreckkübel-Moderator Dietmar Bitzenhofer gab nach 17 Jahren seinen Abschied als Dompteur der Markdorfer Büttenredner. Wer's im nächsten Jahr machen wird, steht offiziell jedenfalls noch nicht fest. | Bild: Andreas Lang

Bernd Gerbers Auftritt in 2007

Bitzenhofer wiederum blickte nochmals auf den "Kübel" 2007 zurück, als der seinerzeitige Bürgermeister Bernd Gerber einen Gastauftritt hatte, ersteigert von Albert Weber und ihm selbst bei der SÜDKURIER-Auktion "Zum Ersten, zum Zweiten... Markdorf!" Auf der Leinwand flimmerte Gerbers Auftritt, den Bitzenhofer kommentierte: "Ersteigert worden ist er für 15 Minuten, geredet hat er 36 Minuten."

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Gerber hatte hernach seine beiden Ersteigerer zu einem Auftritt als Gesangsduo bei einer Vernissage der Markdorfer Malerinnen und Maler verdonnert. Obwohl Albert Weber schlechter gesungen habe als er selbst und er selbst auch nicht singen könne, sei bei der Vernissage niemand gegangen – bis auf eine Person und die sei aus Überlingen gewesen. "Das erklärt so einiges", meinte Bitzenhofer.

Ehre, wem Ehre gebührt: Ehrenzunftmeister und VSAN-Vizepräsident Otto Gäng (rechts) würdigte Dietmar Bitzenhofer (links) und Heinz Schwenninger (Mitte) für ihre langjährigen Verdienste um die Historische Narrenzunft Markdorf.
Ehre, wem Ehre gebührt: Ehrenzunftmeister und VSAN-Vizepräsident Otto Gäng (rechts) würdigte Dietmar Bitzenhofer (links) und Heinz Schwenninger (Mitte) für ihre langjährigen Verdienste um die Historische Narrenzunft Markdorf. | Bild: Andreas Lang

Otto Gäng ehrt Bitzenhofer und Ex-Narrenbolizei Heinz Schwenninger

Ehrenzunftmeister und VSAN-Vizepräsident Otto Gäng ehrte mit Bitzenhofer in seinem Amt als Zunftbüttel und der langjährigen Narrenbolizei Heinz Schwenninger hernach "zwei Originale der Markdorfer Fasnet, die in einem Jahr aufhörten". Seinerzeit habe er sie verpflichtet. "Dass beide manchmal nicht einfach waren, habe ich in den 18 Jahren dann auch gemerkt", setzte er die Pointe (über den zweiten Teil berichten wir morgen).