Der 8. Mai 1945 gilt offiziell als Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Für viele Menschen im Südwesten endete der Krieg jedoch schon Tage vorher, als ihre Wohnorte von den Alliierten eingenommen wurden. Zwischen Schwarzwald, Hochrhein und Bodensee war es teilweise zu heftigen Kampfhandlungen gekommen, viele Häuser lagen in Schutt und Asche. Wir haben für Sie Fotos aus der Region gesammelt und blicken zurück.

Fotografien zeigen das Kriegsende in Südbaden

Bevor der Zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 offiziell beendet war, wurden manche Städte und Dörfer durch US-Bombenangriffe und letzte Gefechte zwischen Wehrmacht und SS auf der einen sowie Franzosen auf der anderen Seite schwer getroffen. Wir haben für Sie Fotos aus der Region gesammelt.

Riesige Schutthaufen türmen sich in der Donaueschinger Zeppelinstraße auf. Ende 1945 war die Stadt mehrmals von schweren amerikanischen Bombern aus der Luft angegriffen worden.
Riesige Schutthaufen türmen sich in der Donaueschinger Zeppelinstraße auf. Ende 1945 war die Stadt mehrmals von schweren amerikanischen Bombern aus der Luft angegriffen worden. | Bild: Stadtarchiv Donaueschingen

Wie ein Villinger das Kriegsende als Gefangener in Frankreich erlebte

Im Südwesten wurde das Kriegsende in den letzten Märztagen 1945 durch die Rheinüberquerung der Franzosen und deren Vormarsch nach Osten und Süden eingeleitet. Am Freitag, 20. April, dem Geburtstag Hitlers, erreichten französische Panzer Villingen.

Unser Bild zeigt eine Militärparade in der Oberen Straße am französischen Nationalfeiertag am 14. Juli 1945 Villingen.
Unser Bild zeigt eine Militärparade in der Oberen Straße am französischen Nationalfeiertag am 14. Juli 1945 Villingen. | Bild: Stadtarchiv Villingen-Schenningen

Von all dem, was in seiner Heimatstadt geschah, bekam Martin Dürrhammer jedoch nichts mit. Der Villinger saß in dem nordfranzösischen Örtchen Attichy in Kriegsgefangenschaft und verrichtete tagein, tagaus seinen Arbeitsdienst. Wie der heute 97-Jährige die letzten Tage des Krieges erlebte, erzählt er hier.

Martin Dürrhammer ist 97 Jahre alt und gehört zu den letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges.
Martin Dürrhammer ist 97 Jahre alt und gehört zu den letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges. | Bild: Nathalie Göbel

In Furtwangen wurde, als die Franzosen anrückten, ein Mann zum Beschützer der Stadt. Und in Bad Dürrheim befanden sich statt der sonst üblichen Kurgäste 800 Verwundete in der Gemeinde.

Pfullendorfer waren erleichtert: „Gott sei Dank ist der Krieg zu Ende“

Am 22. April 1945 marschierten französische Truppen in Pfullendorf ein. Die letzten Tage des Krieges haben sich bis heute in das Gedächtnis der Zeitzeugen eingebrannt. Sie erinnern sich an fahnenflüchtige Soldaten, die sich in einer alten Scheune versteckten und an die Angst, die Franzosen würden nach der Übernahme der Stadt einfach alle Kinder mitnehmen. Und nicht zuletzt erinnern sie sich an den Moment, als die ersten Panzer durch ihre Stadt rollten: „Das erste Gefühl, das wir in diesem Augenblick hatten, war: Gott sei Dank, ist der Krieg zu Ende.“

Zeitzeugen erinnern sich im Gespräch mit dem SÜDKURIER an das Kriegsende in ihrer Heimatstadt Pfullendorf.
Zeitzeugen erinnern sich im Gespräch mit dem SÜDKURIER an das Kriegsende in ihrer Heimatstadt Pfullendorf. | Bild: Karlheinz Fahlbusch/Robert Reschke

„Wann wird die Brücke explodieren?“ – Worum sich die Konstanzer sorgten

Der 26. April, ein regnerischer Donnerstag im Jahr 1945, markierte für Konstanz das Ende des Zweiten Weltkriegs. An diesem Tag erreichten französische Truppen die Stadt am Bodensee. Der Konstanzer Stadtarchivar Jürgen Klöckler hat für uns zusammengefasst, was an diesem Tag passierte.

Französische Soldaten marschieren 1945 in Konstanz ein. Auf diesem Bild ziehen sie vom Sternenplatz durch die Theodor-Heuss-Straße.
Französische Soldaten marschieren 1945 in Konstanz ein. Auf diesem Bild ziehen sie vom Sternenplatz durch die Theodor-Heuss-Straße. | Bild: SK-Archiv

Die meisten der heute noch lebenden Zeitzeugen waren damals Kinder – so wie Hans Peter Hillebrand aus Konstanz, der sich noch heute gut daran erinnert, wie er als Neunjähriger das Kriegsende erlebte. Er beschreibt, wie sich in Konstanz das Gerücht verbreitete, dass die Rheinbrücke vor dem Einmarsch der Franzosen gesprengt werden sollte. Und er blickt zurück auf den Moment, als auf den fast menschenleeren Straßen plötzlich die Panzer rollten.

Franzosen fahren durch Konstanz. Das Gebäude im Hintergrund beherbergt heute die beliebte Eisdiele Pampanin.
Franzosen fahren durch Konstanz. Das Gebäude im Hintergrund beherbergt heute die beliebte Eisdiele Pampanin. | Bild: Stadtarchiv Konstanz [Dep. Burchardt ECPA]

Als die Franzosen Singen, Stockach und Radolfzell erreichten

Bereits zwei Tage zuvor, am 24. April 1945, hatten die französischen Truppen den Hohentwiel erreicht und die Stadt Singen nahezu kampflos eingenommen. Auch in Stockach hatten die örtlichen NS-Führer vor dem Einmarsch der Franzosen die Flucht ergriffen und so eine weitgehend kampflose Übernahme der Stadt ermöglicht. Am Tag darauf, dem 25. April des letzten Kriegsjahres, wurde nach dramatischen Ereignissen auf dem Münsterturm in Radolfzell die weiße Flagge gehisst. Viel hatte nicht gefehlt, dann wäre die Stadt zu einem Schutt- und Aschehaufen bombardiert worden.

Mehrfach wurden die Panzersperren rund um Singen auf- und wieder abgebaut. Als die französischen Truppen anrückten, waren die Wege glücklicherweise frei.
Mehrfach wurden die Panzersperren rund um Singen auf- und wieder abgebaut. Als die französischen Truppen anrückten, waren die Wege glücklicherweise frei. | Bild: Stadtarchiv Singen

Weiße Laken hingen am Hochrhein aus den Fenstern

Auch in Stühlingen endete der Krieg schon einige Tage vor dem 8. Mai: Bereits am 26. April war die Stadt kampflos von französischen Panzertruppen besetzt worden. Tags zuvor hingen aus vielen Häusern Bettlaken als weiße Fahnen – ein Zeichen der Kapitulation. Und auch in Waldshut-Tiengen verlief der Einmarsch der Franzosen ohne Zerstörung und Blutvergießen. Das umsichtige Handeln, vor allem des damaligen Landrats, vermied Kämpfe und verbrannte Erde.

Das Bild zeigt zwei Soldaten im offenen Kraftwagen mit aufmontiertem Maschinengewehr in Waldshut vor der „Alten Post“, der Rats-Apotheke und dem daneben stehenden Haus, an dem eine weiße Fahne weht.
Das Bild zeigt zwei Soldaten im offenen Kraftwagen mit aufmontiertem Maschinengewehr in Waldshut vor der „Alten Post“, der Rats-Apotheke und dem daneben stehenden Haus, an dem eine weiße Fahne weht. | Bild: Archiv Alb-Bote

Friedrichshafen glich einer Trümmerwüste

Neun Tage vor dem offiziellen Kriegsende, also am 29. April 1945, kam die französische Armee nach Friedrichshafen. Wegen des starken Bombardements glich die Stadt damals einer einzigen Trümmerwüste. Historische Aufnahmen aus dem Stadtarchiv Friedrichshafen zeigen das Ausmaß der Zerstörung.

Teile der zerstörten Stadt Friedrichshafen blieben nach dem Bombardement noch jahrelang als unveränderte Trümmerlandschaft liegen.
Teile der zerstörten Stadt Friedrichshafen blieben nach dem Bombardement noch jahrelang als unveränderte Trümmerlandschaft liegen. | Bild: Schall / SK-Archiv

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