Bobby war ein prächtiger Berner Sennenhund. Im Alter von nur neun Jahren starb er. Und stellte sein Herrchen damit vor eine ungeahnte Herausforderung. "Wie kann ich meinem geliebten Tier würdevoll die letzte Ehre erweisen?", fragte sich Joachim Jegler im November 2008. Ihn im eigenen Garten zu vergraben war nicht möglich. Die Tierverwertung schloss er kategorisch aus. Ihm widerstrebte die Vorstellung, dass das Tier chemisch zersetzt wird. Auch deswegen, weil er sich einen Ort zum Trauern wünschte. Was also tun? Aus dieser Situation heraus entstand die Idee für "Meine Wolke" – einen Tierfriedhof.

Video: Heuser, Christoph

Zehn Jahre existiert das Areal mittlerweile am Rande eines Waldgebiets in Deggenhausertal, zwischen Urnau und Fuchstobel. In dieser Zeit hat Jegler nach eigener Schätzung 300 Tiere bestattet. "Jockel" ist gewissermaßen Laienbestatter. Von einer Zeremonie möchte er nicht reden, aber die Abläufe sind der besonderen Situation angepasst.

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Immer erreichbar, sogar an Heiligabend

Sein Telefon hat er immer einstecken. Nach einem erteilten Auftrag geht es ganz schnell. Meist noch am selben Tag setzt sich der 53-Jährige in den Bagger und hebt das Grab aus, anschließend bedeckt er den Boden mit Reisig – auch schon mal an Heiligabend. Kurze Zeit später erscheint die Kundschaft. Während die Trauernden daneben stehen, lässt er langsam den Sarg hinunter. "Wie bei den Menschen" – diesen Vergleich zieht Jegler immer wieder. "Manche wirken recht teilnahmslos, andere brechen beinahe zusammen."

Kunden wählen zwischen verschiedenen Grabformen. Etwa einem schlichten Grab mit Bodenplatte. Im Hintergrund sind die kürzlich hinzugekommenen Gräber zu sehen. Die aufgeschüttete Erde ist noch mit Tannenzweigen bedeckt.

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Das Premiumprodukt ist eine Einfassung inklusive beschriftetem Holzkreuz. Die Särge und Holzkreuze stellt der gelernte Schreiner eigenhändig her, er ist selbstständig im Holzbau. Die Beschriftungen im einheitlichen Stil macht seine Frau. Alles mit Akribie, das versteht sich von selbst: "Ein Tier ist nicht weniger wert als ein Mensch."

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Große Unterschiede in der Grabpflege

Die Grabpflege werde unterschiedlich ernst genommen. "Manche Menschen kommen anfangs beinahe täglich zu ihrem verstorbenen Tier, andere kommen nach der Bestattung nie wieder", sagt Jegler. "Wie bei den Menschen."

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Das Grab haben Kunden für ein Jahr sicher. Danach müssten diese gegebenenfalls verlängern. "Am Geld scheitert es nicht", betont er, ohne den Preis für eine Ruhestätte zu nennen, nur so viel: "Wirklich verdienen tue ich hiermit nicht." Dann zeigt Jegler auf das Grab eines Kaninchens, das mit viel Mühe gestaltet wurde. "Bis heute habe ich dafür keine Rechnung bezahlt bekommen, aber so lange es so schön aussieht, lasse ich es."

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Im Gegensatz zum Friedhof für Menschen: Freifläche statt Grabsteine

Nachdem der Roggenbeurener ein passendens Grundstück gefunden hatte, wurde es kompliziert. "Ich wusste gar nicht, dass es so viele Behörden gibt", sagt er und schüttelt lächelnd den Kopf. Doch der Aufwand lohnte sich, denn sein Angebot ist gefragt. Trotzdem sticht noch immer die großzügige Freifläche ins Auge.

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Vorwiegend Hunde und Katzen, aber auch Kleintiere werden auf dem Tierfriedhof beigesetzt. Meerschweinchen, Kaninchen und Hamster: "Es ist alles dabei, ich habe auch schon Ratten beigesetzt."

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Kunden bekommt Tierbestatter nur selten zu Gesicht

So verhält es sich auch bei der Tierbestattung Bodensee. Jürgen Reichle betreibt diese seit acht Jahren und hat seinen Sitz in Ittendorf, direkt an der Hauptstraße. Auch er hat schon alle gängigen Haustiere kremiert. "In dem meisten Fällen läuft das direkt über den Tierarzt ab", sagt der Markdorfer. "In über 95 Prozent der Fälle hole ich das Tier in der Praxis ab und bringe dort die Asche wieder hin", so Reichle. In diesem Fall holen die Tierhalter die Asche direkt beim Tierarzt ab. "Viele Kunden bekomme ich gar nicht zu Gesicht."

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Aber nicht, weil der Tierbestatter das nicht möchte. Das tote Tier kann auch direkt bei ihm abgegeben werden. Reichle bietet der Kundschaft einen weitläufigen Besprechungsraum.

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Wo soll die Asche hinein?

Dort werden die Formalitäten abgeklärt, sofern dies nicht am Telefon erfolgt. Die Frage nach Einzel- oder Gruppeneinäscherung muss geklärt werden. Die Kosten für die Einzeleinäscherung richtet sich nach dem Gewicht des Tieres, für ein Kleintier etwa 100 Euro, für einen großen Hund können es fast 1000 Euro werden. Auch muss geklärt werden, wo die Asche hineinkommen soll. Reichle legt einen Katalog vor und präsentiert die Auswahl. Die günstigste Variante ist ein Säckchen. Eine schlichte Urne ist für einen niedrigen dreistelligen Betrag zu haben. Auch möglich: ein Diamant für 2 500 Euro.

Im hinteren Bereich des Gebäudes befindet sich der Trauerraum. "Ich hätte anfangs nicht gedacht, wie Menschen darunter leiden können", berichtet der Tierbestatter, "manche brauchen diesen Trauerraum". Dort wird das Tier aufgebahrt. Davor stehen drei Stühle, deren Bezüge sind violett – die Farbe der Trauer. "Für manche ist der Verlust des Haustieres genauso schlimm, wie der eines Menschen", sagt Reichle. Und er muss es wissen.

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Eingeäschert wird im Schwarzwald

Schließlich war er vor seiner Selbstständigkeit ein "Humanbestatter", wie er es selbst nennt. Nach dem Tod seines eigenen Hundes, den er im Garten vergrub, fragte er sich: "Was machen eigentlich die Menschen, die diese Möglichkeit nicht haben?" Heute habe Reichle Kundschaft im gesamten Bodenseekreis und darüber hinaus.

In Ittendorf findet allerdings keine Kremierung statt. Deshalb werden die Tiere in das Tierkrematorium in Schramberg im Schwarzwald gebracht.

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Zuschauen ist ausdrücklich erlaubt

"Manche haben Angst, die Asche eines fremdem Tieres zu bekommen", beschreibt Reichle. Allerdings könne jeder bei der Einäscherung zusehen, „das ist kein Problem“.

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Dafür wurde sogar extra ein Bereich eingerichtet, wo das Prozedere hinter einer Scheibe mitverfolgt werden kann.

Im Tierkrematorium Schwarzwald in Schramberg endet die Reise für manch ein Haustier. Die Asche kann auf verschiedenste Weise aufbewahrt werden.
Im Tierkrematorium Schwarzwald in Schramberg endet die Reise für manch ein Haustier. Die Asche kann auf verschiedenste Weise aufbewahrt werden. | Bild: Heuser, Christoph

Das Interesse an dem Angebot des Tierbestatters ist groß. „Es lief zu Beginn schleppend an“, gibt Reichle zu. Mittlerweile habe er etwa 600 Aufträge pro Jahr, "Tendenz steigend". Denn: "Es gibt auch bei einem Tier ein Bedürfnis nach einer Bestattung, es ist ein vollwertiges Familienmitglied."

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Darf ich mein totes Tier im eigenen Garten vergraben?

Bild: Landratsamt

Welche Tiere darf ich im Garten vergraben?

"Im Garten dürfen grundsätzlich kleine Vögel, Hamster, Meerschweinchen, Katzen und Hunde, unabhängig von deren Größe, vergraben werden", sagt Schwarz. Bei noch größeren Tieren ist dies allerdings nicht gestattet. Hühner dürfen nicht bestattet werden, da sie Nutztiere sind und nach dem Tod als tierische Nebenprodukte gelten. Vergraben darf man nur auf eigenem Grund und Boden. Dabei muss man darauf achten, dass er nicht in einem Wasserschutzgebiet und nicht in unmittelbarer Nähe zu einem öffentlichen Platz oder Weg liegt. Zwei Meter Abstand gelten dabei in aller Regel als angemessen. "Die Grube muss so tief ausgehoben werden, dass über dem Tierkörper mindestens 50 Zentimeter Erde liegen", erklärt der Sprecher.

Welche Ausnahmen gelten dabei?

Eine Ausnahme sind genehmigte Tierfriedhöfe oder Tierfriedwälder, auf denen in der Regel Katzen und Hunde begraben werden. "Aber auch hier gibt es eine Größenbeschränkung", sagt Schwarz. Ponys und Pferde dürfen auch hier nicht bestattet werden. In der Zone I , II und IIIA von Wasserschutzgebieten ist das Anlegen von Tierfriedhöfen und Tierfriedwäldern allerdings ebenfalls verboten.

Darf ich Kleintiere im Hausmüll entsorgen?

Im Hausmüll dürften kleine Vögel, Hamster und Meerschweinchen entsorgt werden.

Was kann ich mit größeren (Haus-)Tieren anstellen?

"Einige Städte und Gemeinden haben Sammelstellen für tote Haustiere, beispielsweise die Stadt Friedrichshafen an der Kläranlage", sagt Robert Schwarz. Man sollte sich also bei seinem Rathaus kundig machen, ob es in der Nähe solch ein Angebot gibt. Eine weitere Option ist, das Tier beim Tierarzt zu lassen. Dieser kümmert sich um die Abholung durch eine Tierkörperbeseitigungsanlage.

Kastration dient nicht dem Schutz vor unkontrollierter Vermehrung

Bild: Ingrid Huber

Kann man Kleintiere alleine halten?

"Mit Ausnahme von Hamstern sollte kein Kleintier alleine gehalten werden", rät Bernauer. Nimmt man darauf Rücksicht, muss im nächsten Schritt einer unkontrollierten Vermehrung vorgebeugt werden. Die Kleintiere sind meist schon sehr schnell geschlechtsreif werden, Meerschweinchen bereits nach drei bis vier Wochen.

Wie kann man unkontrollierte Vermehrung verhindern?

Die Kastration ist nach Einschätzung der Tierärztin einer Sterilisation vorzuziehen. Bei der Sterilisation werden Eileiter beziehungsweise Samenleiter durchtrennt oder abgebunden. Die hormongesteuerten Verhaltensweisen bleiben dadurch bestehen. Anders ist es bei der Kastration, wo die Fortpflanzungorgane (Hoden oder Eierstöcke) entfernt werden. Besonders bedeutsam kann dies bei der Haltung mehrerer Tiere sein. Die Tierärztin weiß: "Die Kastration verhindert durch verhinderte Hormonausschüttung auch Rangkämpfe oder den Deckackt als solchen."

Sollten sämtliche in der Gruppe gehaltenen Tiere kastriert werden?

Zur Verhinderung der Vermehrung werden meist die Männchen kastriert. Der Eingriff bei den männlichen Tieren ist auch mit einer kleineren Operation als bei den weibliche Tieren verbunden. Allerdings kann auch bei Weibchen eine Kastration sinnvoll sein, so neigen weibliche Meerschweinchen zu Eierstockzysten und weibliche Kaninchen zu Scheinträchtigkeiten und Gebärmuttererkrankungen.

Welche Kosten kommen auf mich zu?

Die Tarife werden gemäß der Gebührenordnung für Tierärzte berechnet. Dort ist der Gebührensatz für jeden Eingriff, abhängig von der Tierart, festgesetzt. Der Tierarzt kann den ein- bis dreifachen Satz berechnen. Dies ist vom Einzelfall abhängig und richtet sich nach individuellen Besonderheiten bei der Operation. Die Tierärzte müssen sich allerdings in diesem Rahmen bewegen. "Eine Preiskalkulation bezieht sich auf den individuellen Einzellfall, jedoch können die zu erwartenden Kosten im Vorfeld mit dem Tierarzt abgesprochen werden", sagt Bernauer.