Lange Jahre ging es seit der Finanzkrise in der deutschen Industrie nur aufwärts. Bereits im letzten Jahr schwächte sich die Konjunktur spürbar ab. Nun stürzt Corona viele Unternehmen in eine echte Misere. Und immer mehr Arbeitnehmer bekommen die Bedrängnis am eigenen Leib zu spüren – sei es durch Kurzarbeit oder sogar Entlassungen. Wie sich die Corona-Krise konkret auswirkt, stellen wir Ihnen anhand von drei Unternehmen aus der Region vor:

Blick in die Werkshalle von IMS Gear.
Blick in die Werkshalle von IMS Gear. | Bild: Ims Gear
  • IMS Gear: Beim Autozulieferer, der in Donaueschingen 1150 Mitarbeiter beschäftigt, lief es schon 2019 nicht optimal. „Wir mussten einen Umsatzeinbruch von 80 Millionen Euro verkraften“, sagt IMS Gear-Vorstand Bernd Schilling. Statt der ursprünglich angepeilten 580 Millionen Euro erwirtschaftete das Unternehmen nur einen Erlös von 500 Millionen Euro. Der Handelskonflikt zwischen den USA, China und Europa sowie der technologische Wandel habe für eine Abkühlung der Konjunktur in der Autobranche gesorgt. Corona stürzt das Unternehmen, das Komponenten für Sitze, Lenkungen und Bremsen herstellt, in eine noch tiefere Krise. „Die Corona-Krise hat IMS Gear mit voller Wucht getroffen. Die Umsätze sind im ersten Quartal und insbesondere im April 2020 stark eingebrochen“, sagt IMS Gear-Vorstand Dieter Lebzelter. Schon seit Ende März befindet sich ein Großteil der Belegschaft in Kurzarbeit. Doch das allein reicht nicht, um die Corona-Krise abzufedern. Das Unternehmen mit Standorten in Donaueschingen, Villingen-Schwenningen, Eisenbach und Trossingen will 35 Millionen Euro einsparen, davon 25 Millionen Euro beim Personal. Bis zu 350 Arbeitsplätze sollen in Deutschland abgebaut werden. Details zum Personalabbau hat das Unternehmen, das weltweit 3300 Mitarbeiter beschäftigt, noch nicht bekannt gegeben. Offen ist zum Beispiel, ob es betriebsbedingte Kündigungen geben wird und in welchem Zeitraum die 350 Stellen abgebaut werden sollen. Betriebsratschef Wolfgang Harter fordert, soziale Härten weitest­gehend zu vermeiden oder zumindest abzufedern. Für 2020 rechnet IMS Gear mit einem Umsatz von „höchstens“ 430 Millionen Euro und einem „hohen Jahresverlust“.
Das Firmengebäude von BCS in Radolfzell.
Das Firmengebäude von BCS in Radolfzell. | Bild: Jarausch, Gerald
  • BCS: Die derzeit 788 Mitarbeiter des Autozulieferers aus Radolfzell haben turbulente Jahre hinter sich. Lange Jahre gehörte das Werk zum US-Konzern TRW. 2015 kaufte ZF Friedrichshafen den Konkurrenten aus Amerika und nannte die Sparte in ZF TRW um. Nur zwei Jahre später wechselte der Besitzer erneut. Das Werk, in dem Schalter und Cockpit-Bedienelemente hergestellt werden, ging an den in Hongkong ansässigen Kabelhersteller Luxshare. Seitdem firmiert die Sparte unter dem Kürzel BCS (Body Control Systems). Ähnlich wie bei IMS Gear lief es bei BCS auch schon vor der Corona-Krise nicht wirklich rund. Laut IG Metall sollte der Personalbestand bis 2025 ohnehin auf 490 Beschäftigte sinken. Die durch die Pandemie ausgelöste Krise beschleunigt laut Gewerkschaft diese Pläne. Jetzt solle die Anzahl der Beschäftigten auf 340 schmelzen – und das schon bis August 2023. Die Geschäftsführung bestätigt diese Zahlen offiziell nicht. Doch zumindest der Tendenz nach dürften diese nicht aus der Luft gegriffen sein. „Wir bestätigen, dass Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat, der IG Metall und BCS stattfinden. Deren Gegenstand sind Maßnahmen, die den Standort Radolfzell betreffen – stark beeinflusst von der signifikanten Abschwächung des Automobilmarktes und weiter verschärft durch Covid-19“, so die BCS-Geschäftsführung.
Mitarbeiter von Rolls-Royce Power Systems montieren im Werk 1 ein MTU-Bahn-Power-Pack.
Mitarbeiter von Rolls-Royce Power Systems montieren im Werk 1 ein MTU-Bahn-Power-Pack. | Bild: Felix Kästle
  • RRPS: Kahlschlag beim Triebwerksbauer Rolls-Royce, der Konzernmutter von Rolls-Royce Power Systems (RRPS): Der britische Konzern plant die Streichung von mindestens 9000 Stellen wegen des Einbruchs des Luftverkehrs während der Corona-Pandemie. Die Jobstreichungen betreffen vor allem den Bereich Civil Aerospace (zivile Luftfahrt), der schwerpunktmäßig in Großbritannien beheimatet ist. Aber auch der Geschäftsbereich Rolls-Royce Power Systems (RRPS) mit Sitz in Friedrichshafen sei in Verhandlungen über Kosteneinsparungen beim Personal, wie ein Sprecher des Großmotorenbauers dem SÜDKURIER bestätigte. So werde derzeit das Instrument der Kurzarbeit mit dem Betriebsrat erörtert. Entlassungen bei RRPS schloss der Sprecher mit Verweis auf den noch bis 2023 laufenden Vertrag zur Beschäftigungssicherung aber aus. Gleichwohl müssen auch am Standort Friedrichshafen, wo RRPS 5600 Mitarbeiter beschäftigt, Kosten gespart werden. „Alles was nicht unbedingt notwendig ist, wird gestrichen oder verschoben“. Bereits jetzt hat RRPS einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende beschlossen.
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