Dirk Flotow ist die Niedergeschlagenheit anzumerken. Seit einem Viertel Jahrhundert ist der Fotograf und Videofilmer aus Deißlingen im Schwarzwald im Geschäft. Er ist ein Spezialist für Sportaufnahmen. Insbesondere Reitveranstaltungen nimmt er ins Visier. Und jetzt ist alles weg. „In Deutschland und dem benachbarten Ausland sind seit Tagen alle Veranstaltungen gestrichen“, sagt er. Mindestens für einen Monat, wahrscheinlich noch viel länger seien keine Events mehr geplant. „Wahrscheinlich habe ich bis tief in den Sommer einfach nichts, womit ich Geld verdienen könnte“, sagt er.

Sportveranstaltungen abgesagt, Einnahmen gleich Null

Was das für ihn und seine Frau Heike (60), die in dem Kleinbetrieb das Büro macht, bedeutet, ist leicht erklärt: „Einnahmen gleich Null“, sagt Flotow. Die Kosten, etwa für das 20 Quadratmeter große Büro in Deißlingen, laufen indes weiter. Wenn kein Geld hereinkommt, halten wir das vielleicht bis Ende Mai durch, sagt der 57-jährige Film- und Fotoprofi.

So wie dem Inhaber des Multimedia-Studios Flotow geht es bundesweit Millionen Arbeitnehmern. Sie stehen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand, weil die Corona-Krise ihr Geschäft wegfegt. Sie alle arbeiten in Kleinfirmen mit maximal zehn Angestellten oder sind gar ganz ihr eigener Herr.

Von der „Ich-AG“ zur Solo-Selbstständigkeit

Solo-Selbständigkeit hat die Arbeitsmarktwissenschaft diese Art der Beschäftigung getauft, die in den letzten 30 Jahren stark angestiegen ist. Rund 2,3 Millionen Soloselbstständige gibt es bundesweit. Rund fünf Prozent aller Erwerbstätigen arbeiten auf eigene Rechnung, überdurchschnittliche viele davon sind Frauen. Im Kammerbezirk der IHK Schwarzwald-Baar Heuberg sind 20 Prozent der Firmen Kleinstbetriebe oder Soloselbstständige. Dei Beschäftigten verdienen sich etwa als Frisör, Viseagist, Musiker, Journalist, Erntehelfer, Pfleger, Putzkraft, Webseitenentwickler, Fließenleger oder eben Fotograf.

Wenig Kapital bei Kleinfirmen

Die Soloselbstständigkeit galt der Politik einmal als Allheilmittel für einen zu stark regulierten Arbeitsmarkt. Im Zuge der Hartz-IV-Reformen wurde daher die „Ich-AG“ aus der Taufe gehoben und Existenzgründer mit einem Zuschuss vom Staat belohnt. Im Bereich des Handwerks brachte die zeitgleich abgeschaffte Meisterpflicht einen Schub für die Solo-Selbstständigkeit.

Wie kommen Soloselbstständige und Kleinfirmen in der Region an Hilfen des Staates. Wir haben einige Anlaufstellen zusammengestellt:

Wen fahren Taxifahrer, wenn Ausgangssperren drohen?
Wen fahren Taxifahrer, wenn Ausgangssperren drohen? | Bild: dpa

Ziel des neuen Arbeitsmarktinstruments war es, Quereinsteigern und Arbeitslosen einen leichten Neuanfang im Berufsleben zu ermöglichen. Auf eine weitgehende Versicherungspflicht für die Selbstständigen verzichtete der Gesetzgeber damals.

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Heute sind die „Solos“ zwar pflege- und krankenversichert, für Arbeitslosigkeit und Rente sorgen aber nur wenige vor. Das hängt auch damit zusammen, dass sie im Durchschnitt weniger verdienen als Selbstständige mit Mitarbeitern und die Kapitaldecke ihrer Kleinst-Unternehmen oft sehr dünn ist. Die Beiträge zur Sozialversicherung werden da schnell zur Last. In Krisen wie der derzeitigen sind es daher die Ein-Mann-Unternehmen, denen oft als ersten die Puste ausgeht. „Wenn nicht schnell Hilfen bewilligt werden, wird die Lage dramatisch“, sagt Christian Beck von der Villinger IHK. Auf Kurzarbeitergeld, das Angestellten über die Runden hilft, haben Soloselbstständige nämlich kein Anrecht.

Floristen müssen ihre Läden schließen – manche verschenken die Blumen.
Floristen müssen ihre Läden schließen – manche verschenken die Blumen. | Bild: getty

Der Bund hat das erkannt und will nun gegensteuern. Geplant sind direkte Zuschüsse und Darlehen für Kleinfirmen und die Solos. Insgesamt geht es um ein Volumen von über 40 Milliarden Euro, wie am Donnerstag aus Regierungskreisen verlautete. Details sind noch offen, im Gespräch sind aber Zuschüsse von 9000 bis 10.000 Euro für Firmen bis 5 Beschäftigte und bis zu 15.000 Euro für Firmen bis zehn Beschäftigte – für eine Dauer von bis zu 3 Monaten. Ergänzend springt auch Baden-Württemberg seinen Kleinfirmen mit Geld und Krediten zur Seite. Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz sagte, man wolle einen tragfähigen Rettungsschirm aufspannen. Voraussetzung für die Zahlung sei, dass sie nachweislich Umsatzeinbußen durch die Coronakrise hätten und in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht seien. Schon in wenigen Tagen sollen die Hilfen fließen.

Baden-Württemberg legt nach

Die Pläne des Stuttgarter Wirtschaftsministeriums sehen einen 3,5-Milliarden Euro schweren Härtefallfonds vor. Zudem soll beim Landesförderinstitut L-Bank ein Beteiligungsfonds mit einem Volumen von einer Milliarde Euro aufgelegt werden. Mit 0,5 Milliarden Euro soll das Bürgschaftsprogramm ausgeweitet werden. Und mehr Geld soll in Telefonberatung fließen.

Fotograf Flotow und seine Frau hoffen, dass die Politik sich schnell zusammenrauft. „Sonst wird es eng“, sagt der Kleinunternehmer.

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