Herr Schneider, Läden und Kultureinrichtungen schließen in ganz Deutschland. Bleiben Sparkassen und Banken in jedem Fall offen?

Die Sparkassen im Land bemühen sich nach Kräften, ihre Dienstleistungen für die Menschen und die Unternehmen im Land aufrechtzuerhalten. Ich kann allerdings nicht ausschließen, dass wir coronabedingt die eine oder andere Filiale zeitweise vom Netz nehmen müssen. Das ist dann aber der Gesundheitsvorsorge der Mitarbeiter geschuldet.

Das hört sich nicht gerade optimistisch an. Werden die Deutschen in der nächsten Zeit immer an ihr Bargeld kommen?

Ja, das ist auf jeden Fall gewährleistet. Das wichtigste für die Menschen in so einer Situation ist, dass die Bargeldversorgung gewährleistet ist. Wir werden uns da enorm anstrengen und ich bin sehr zuversichtlich, dass es gelingen wird. Die Bargeldabhebung an SB-Automaten ist von den Corona-Ereignissen ja beispielsweise völlig unbeeinträchtigt, genau wie online-Transaktionen. Falls je ein Automat oder Server ausfallen sollte, gibt es Notfallpläne, die greifen. Wir werden die Bargeldversorgung zu einhundert Prozent gewährleisten.

Bargeld geht durch viele Hände, bevor es erneuert wird. Sollte man überhaupt noch Münzen und Scheine verwenden?

Tatsächlich ist es aus Gründen des Infektionsrisikos besser auf Kartenzahlung umzusteigen. Allerdings kann Bargeld nach unserer Kenntnis auch verwendet werden, ohne das Infektionsrisiko stark zu steigern. Auch unter Fachleuten ist derzeit noch nicht endgültig geklärt, wie lange die Corona-Viren auf Flächen wie Geldscheinen überhaupt überleben. Klar ist aber nach jedem Kontakt, zu Gegenständen, die andere in den Fingern hatten: Hände waschen.

Wie steht es um Beratungsgespräche mit Kunden in den Sparkassen?

Wir können Beratungsgespräche in der bisherigen Art und Weise nicht mehr voll aufrechterhalten. Hier müssen wir aus Sicherheitsgründen teilweise Einschränkungen treffen. Diese können räumlicher Natur sein, dass man sich etwa nicht mehr am Tisch direkt gegenübersitzt, sondern das Gespräch etwa getrennt durch eine Glasscheibe führt. Entsprechende bauliche Voraussetzung gibt es in vielen unserer Filialen. Allerdings kann ich Kunden auch im eigenen gesundheitlichen Interesse nur empfehlen, nicht dringend nötige Termine zu verschieben.

Bargeld: Kleben Corona-Viren dran?
Bargeld: Kleben Corona-Viren dran? | Bild: dpa

Für Firmen, die in der Klemme stecken, ist der direkte Kontakt zur Hausbank aber derzeit besonders wichtig. Da geht es etwa um Kredite, um Löhne zahlen zu können…

Solche Beratungsdienstleistungen werden wir, wann immer es geht, anbieten. Die Versorgung der vielen Kleinunternehmen und Mittelständlern mit Krediten ist derzeit ein neuralgischer Punkt, von dem viel abhängt. Für diese Probleme müssen wir jetzt da sein, damit die Wirtschaft in der Breite nicht zusammenbricht.

Der Bund hat vergangene Woche ein umfangreiches Hilfspaket für die Wirtschaft angekündigt. Es zielt darauf ab, Finanzierungsengpässe bei Firmen durch einen leichteren Zugang zu Krediten und durch umfangreiche Staatsgarantien zu vermeiden. Ab wann können die Leistungen in Anspruch genommen werden?

Das ist noch nicht klar. Seit vergangenen Montag befasst sich auf Bundesebene insbesondere die KfW-Förderbank des Bundes mit dem Thema. Am Donnerstag führen wir diesbezüglich auf Landesebene in Stuttgart Gespräche. Wir plädieren eindringlich dafür, sich sehr schnell auf die konkrete Ausgestaltung der im Rettungsschirm des Bundes getroffenen Maßnahmen festzulegen. Die Sparkassen und Banken brauchen dringend Klarheit, unter welchen Bedingungen exakt beispielsweise Kredite ausgereicht werden können. Es gibt eine ganze Reihe von Branchen, die jetzt ganz schnell in gravierende Schwierigkeiten reinlaufen, etwa der Tourismus, der Messe-Bereich, die Gastronomie. Die Firmen dort brauchen besser gestern als heute Überbrückungskredite. Deswegen muss jetzt im Eiltempo gehandelt werden. Es reicht jetzt nicht, mit den konkreten Maßnahmen erst im Mai daherzukommen.

Bis wann müssen die Details erarbeitet sein, damit es für die deutsche Wirtschaft nicht eng wird?

Bis Ende der Woche sollten möglichst die zugesagten Kreditprogramme bis hinein in die Details der Ausführung und Umsetzung für die Banken stehen. Und wir brauchen bis Ende der Woche eine klare Aussage der Finanzaufsicht, dass jetzt pragmatisch gehandelt werden darf. Die Banken müssen jetzt aktiv werden, damit die Krise nicht zu einem Flächenbrand in der Unternehmerschaft führt. Und dafür müssen wir exakt wissen, was wir machen dürfen, und was nicht. Jeden Tag steigt die Zahl der Firmenkunden, die verzweifelt zu uns kommen.

Was muss der Bund konkret tun?

Es ist nötig, die bislang üblichen Mechanismen in der Kreditgewährung auszusetzen. Der normale Kreditprozess benötigt eine sehr umfangreiche Dokumentation und sehr viele Unterlagen, die die Unternehmen in der jetzigen Situation und unter dem anstehenden Zeitdruck oft nicht werden beibringen können. Das würde viel zu lange dauern. In der Zwischenzeit bestünde ein erhöhtes Risiko der Zahlungsunfähigkeit.

Die Sparkassen sind eine der wichtigsten Säulen des deutschen Bankensystems. 51 Häuser mit Hunderten Filialen und Automaten gibt es allein in Baden-Württemberg.
Die Sparkassen sind eine der wichtigsten Säulen des deutschen Bankensystems. 51 Häuser mit Hunderten Filialen und Automaten gibt es allein in Baden-Württemberg. | Bild: dpa

Beim Kapitalzugang kommt es zentral auf die Hausbanken an. Sie müssen den Firmen die Kredite ausreichen. Können sie garantieren, dass die Sparkassen ihrer Funktion als Finanzier des Mittelstandes in den kommenden Wochen nachkommen?

Wir wollen das mit aller Kraft. Das ist jetzt das Gebot der Stunde. Im Gegensatz zur Finanzkrise 2008 verfügen die Sparkassen und Banken über eine hohe Liquidität. Die Kapitalausstattung ist deutlich höher als 2007 und 2008. Das Banksystem ist viel stabiler und leistungsfähiger als damals. Wir haben aber in den letzten zehn Jahren eine ganze Reihe von Mausefallen im Bereich der Regulatorik aufgebaut, die jetzt klar krisenverstärkend wirken, wenn wir sie nicht entschärfen. Das muss jetzt sofort geschehen. Sonst können wir unsere hohe Liquidität nicht in Kredite für die Unternehmen ummünzen. Wir müssen ganz schnell einfache Standards zur Kreditvergabe und für Bürgschaften definieren. Die Banken und Sparkassen brauchen jetzt Beinfreiheit, selbst zu entscheiden, ohne gegen regulatorische Vorgaben und zu umfängliche Dokumentationspflichten zu verstoßen.

Was muss jetzt zusätzlich zum angekündigten Schutzschirm für Firmen und Beschäftigte geschehen?

Die Kreditprozesse müssen entbürokratisiert werden. Es kann nicht sein, das Banken und Sparkassen jetzt Kredite vergeben, um Firmen zu retten und später die Finanzaufsicht kommt und uns vorwirft, die gesetzlichen Vorschriften nicht bis ins letzte Detail eingehalten zu haben. Noch einmal: Wir haben jetzt keine Zeit, für die bisherige extrem bürokratischen Abläufe. Wir müssen jetzt handeln und Liquidität in die Wirtschaft geben.

Verzeichnen sie schon eine erhöhte Kreditnachfrage bei den Unternehmen im Südwesten?

Absolut. Es gibt eine sprunghaft ansteigende Zunahme. Immer mehr Kunden kommen wegen massiven Problemen, bei Löhnen, Mieten oder Umfinanzierungen zu uns. Da läuft jetzt alles ganz stark auf bei uns.

Klappt das Zusammenspiel zwischen staatlichen Förderbanken wie der L-Bank, Bürgschaftsbanken und Hausbanken?

Die Prozesse sind sehr eingespielt und auch krisenfähig. Wenn diese Woche von Seiten des Bundes und der Finanzaufsicht die nötigen Schritte eingeleitet werden, stehen wir bereit.

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Baden-Württemberg ist Autoland. Daimler, Volkswagen und Audi lassen die Produktion nun für Wochen ruhen. Andere könnten folgen. Wie stark wird sich das auf die Mittelständler im Südwesten niederschlagen?

Der Produktionsstillstand in der Autoindustrie ist eine sehr schwerwiegende Entscheidung. Und sie wird in Baden-Württemberg noch sehr viel schwerer wiegen als anderswo. Wenn das jetzt reihum geht und die Zulieferer sowie der automobilnahe Maschinenbau betroffen ist, wird das eine ernste, eine sehr ernste, Situation. Wir müssen das möglichst schnell überwinden. Sonst steht eine Pleitewelle an.

Viele Firmen haben in den vergangenen Jahren Mittelstands-Anleihen ausgegeben. Sie zu bedienen wird jetzt schwer. Droht hier Gefahr?

Ich sehe nicht die Gefahr, dass wir aufgrund des Anleihenmarkts im Mittelstand in eine Kreditklemme reinrauschen. Die Kreditwirtschaft hat ausreichend Kreditvergabekapazitäten.

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