Wer am Frühstückstisch sitzt und in sein Brötchen beißt, der sollte aufpassen, dass er sich nicht an der Wurst verschluckt. Es geht um Parmaschinken, der dafür bekannt ist, mit viel Tradition in einem italienischen Städtchen hergestellt zu werden. Das Kult-Produkt trägt das EU-Siegel „Geschützte Ursprungsbezeichnung“, das die geografische Herkunft von regionalen Köstlichkeiten vor Lebensmittel-Piraten schützen soll. Eine Idee aus Fernost hebelt jedoch alles aus.

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Chinesische Produzenten setzten das Markenrecht außer Kraft. Der Trick ist so weit hergeholt wie genial. Weil die Chinesen wissen, dass Parmaschinken nur aus Parma kommen darf, haben sie einfach eine kleine Siedlung mit dem gleichen Namen gebaut. Schinken, der dort hergestellt wird, kommt folglich aus Parma und kann so benannt werden. Dass der chinesische Parmaschinken bei uns in der Wursttheke landet, ist unwahrscheinlich. Für einen echten Parmaschinken müsste das Fleisch aus Provinzen in Nord- und Mittelitalien kommen – so schreibt es das strenge EU-Siegel vor.

Das Wort "Regional" ist dehnbar

Auch in Deutschland gibt es einen Schinken, der als regionale Spezialität vor Kopier-Produzenten geschützt werden soll. Der Schwarzwälder Schinken trägt das nicht ganz so strenge EU-Siegel „geschützte geografische Angabe“ und steht in einer Reihe mit Thüringer Rostbratwurst oder Lübecker Marzipan. Es ist unwahrscheinlich, dass in China bald ein Schwarzwald samt Schinkenproduktion entsteht. Das ist jedoch gar nicht nötig, denn das Siegel bietet selbst heimischen Produzenten genügend Freiheit, um am Wort „Regional“ zu kratzen.

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Der Schinken muss für seinen Namensschutz im Schwarzwald erzeugt, verarbeitet oder hergestellt werden. Ist nur ein Kriterium erfüllt, gibt es das EU-Siegel. Das Fleisch der Schweine kann somit von überall kommen. Ein Großteil stammt aus dem Norden Deutschlands. Der Schutzverband der Schwarzwälder Schinkenhersteller begründet: „Es gibt kaum Schweine in der Region.“ Die Qualität des Fleisches sei das entscheidende Kriterium. Auf dem Etikett sei die Herkunft meist nicht sichtbar, kritisiert der Verbraucherschutz.

Serrano-Schinken mit dänischen Schweinen

Und es klebt noch ein drittes EU-Siegel auf einem berühmten Schinken. Wer Serrano-Schinken kauft, bekommt eine „garantiert traditionelle Spezialität“. Damit ist einzig das traditionelle Verfahren der Herstellung geschützt. So klingt der Parmaschinken aus China gar nicht mehr so skurril: Wer sein Brötchen mit Serrano-Schinken belegt, isst vielleicht ein dänisches Schwein aus deutscher Produktion – hergestellt nach spanischer Tradition.

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