Herr Wirz, eine Bio-Tomate aus Sizilien, die im Winter im deutschen Verkaufsregal liegt – was ist daran klimafreundlich?

Das ist die landläufige Meinung. Je länger der Weg, umso mehr CO2 wird in die Luft geblasen. Das ist zwar logisch, praktisch stimmt das so nie. Man muss jedes Produkt einzeln betrachten, um eine vernünftige Aussage zur Klimabilanz zu machen.

Was heißt das?

Um eine CO2-Bilanz für Lebensmittel zu machen, muss die ganze Kette betrachtet werden. Anbau, Lagerung, Transport und die Verpackung. Deswegen kann man nicht pauschal sagen, dass kurze Transportwege gut für das Klima sind. Es hängt auch immer vom Zeitpunkt ab.

Axel Wirz vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau sagt: "Saisonal ist immer besser als nicht saisonal. Regional ist besser als überregional. Bio ist dazu meistens besser als konventionell. Und saisonal frisch ist hundertmal besser als saisonal aus dem Glashaus."
Axel Wirz vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau sagt: "Saisonal ist immer besser als nicht saisonal. Regional ist besser als überregional. Bio ist dazu meistens besser als konventionell. Und saisonal frisch ist hundertmal besser als saisonal aus dem Glashaus." | Bild: FiBL

Wie soll ich das als Verbraucher erkennen?

Es sind alte Weisheiten. Saisonal ist immer besser als nicht saisonal. Regional ist besser als überregional. Das hängt aber, wie am Apfelbeispiel erklärt, vom Zeitpunkt ab. Bio ist dazu meistens besser als konventionell. Und saisonal frisch ist hundertmal besser als saisonal aus dem Glashaus.

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Apropos Glashaus. Auf der Reichenau werden in Gewächshäusern Bio-Gurken angebaut. Welchen CO2-Fußabdruck hinterlässt das?

(lacht) Einen relativ großen. Je mehr ich heize, je mehr Energie ich für Produktion oder Lagerung brauche, umso schlechter ist meine CO2-Bilanz. Man kann es auch ganz einfach sagen: Tomaten im Winter, ob konventionell oder bio, haben nichts mit Klimafreundlichkeit zu tun. Das kann man aber keinem Konsumenten zumuten oder erklären, weil keiner auf die Lebensmittel verzichten will.

Wenn wir schon bei Bio-Gurken sind. Warum sind alle im Supermarkt eingeschweißt?

Das hat der Handel so festgelegt, die Bio-Branche hätte es gerne umgekehrt geregelt. Die Gurken werden eingeschweißt, damit es keinen Betrug gibt. Es soll dadurch einzig und alleine zwischen Bio-Gurken und der konventionellen Ware unterschieden werden.

Auf welche Lebensmittel müsste ich für die Umwelt verzichten?

Grundsätzlich haben tierische Produkte immer eine höhere CO2-Bilanz als pflanzliche. Die höchsten Werte haben Butter, Rindfleisch und Milch. Da ist es egal, ob Bio oder nicht, wobei Bio immer eine etwas geringere Treibhaus-
gas-Emission hat.

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Welche Unterschiede gibt es noch?

Um ein Bioprodukt mit einem konventionellen vergleichen zu können, reicht der CO2-Ausstoß als Wert nicht aus. Man muss die gesamte Nachhaltigkeit betrachten, um die Leistungen der ökologischen Landwirtschaft zu erfassen. In welcher Art und Weise wird das Feld beackert? Welche Dünger- und Pflanzenschutzmittel werden eingesetzt? Wie wird dadurch die Artenvielfalt beeinflusst? Bei tierischen Produkten geht es viel um das Wohl des Tieres.

Erreicht der Bio-Boom nicht irgendwann sein Ende?

Nein, der Markt ist noch lange nicht gesättigt. Immer mehr Betriebe in der Landwirtschaft stellen auf die ökologische Wirtschaftsweise um. Außerdem hat die Bio-Branche die Regionalität verpennt und steigt dort jetzt verstärkt mit der Vermarktung ein.