Filme über große Sportler entstehen in der Regel erst, wenn sie ihre Karriere beendet haben. Die Würdigungen erinnern daher mitunter an Geburtstagsreden für betagte Herrschaften: Der Blick geht stets zurück; und erzählt wird nur Gutes. Das ist bei „Schweinsteiger“ nicht anders, zumal die Hommage von Til Schweiger und dessen Firma Barefoot Films produziert worden ist – der Schauspieler ist ein guter Freund des Fußballstars.

Sollten frühere Mitspieler und Vorgesetzte in den Interviews tatsächlich ein negatives Wort über Bastian Schweinsteiger verloren haben, so ist es im Film zumindest nicht enthalten. Die Fans des einstigen „Schweini“ werden ohnehin gut damit leben können, dass Kollegen wie Oliver Kahn, Miroslav Klose oder Jérôme Boateng neben einigen Frotzeleien ausschließlich Respekt äußern.

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Für Schweinsteigers Trainer gilt das nicht minder: Louis van Gaal beorderte ihn vom Flügel ins zentrale defensive Mittelfeld und bereitete damit den Weg in die Weltklasse; für Jupp Heynckes war er vor allem in der Triple-Saison 2012/13 der verlängerte Arm auf dem Spielfeld; und Joachim Löw erklärt ihn gar zum „König auf dem Platz“.

Verstehen sich prima: Jupp Heynckes (links) und Bastian Schweinsteiger.
Verstehen sich prima: Jupp Heynckes (links) und Bastian Schweinsteiger. | Bild: dpa

Die 2011 vom Springer-Verlag losgetretene „Chefchen“-Affäre blendet der Film ebenso aus wie die Tatsache, dass Schweinsteigers Wechsel zu Manchester United (2015) keineswegs nur eine Herzensangelegenheit war; beim Effizienzfanatiker Pep Guardiola gab es für den alternden Star keinen Stammplatz mehr.

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Aber „Schw31ns7eiger“, wie der Titel in neckischer Anspielung auf die Rückennummern lautet, will seinen Helden ja vor allem feiern. Man muss nicht mal Fan des FC Bayern sein, um ständig in Wehmut und Rührung zu verfallen; dann jedoch erst recht.

Auch die Schattenseiten werden gezeigt

Regisseur Robert Bohrer erinnert an alle großen Erfolge des Champions-League-Siegers und Weltmeisters, blendet aber auch die Schattenseiten nicht aus – das verlorene „Finale dahoam“ sorgt nicht nur bei Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß heute noch für Kopfschütteln.

Und weil Schweinsteiger immer schon eine Menge weibliche Fans hatte, gibt‘s viel fürs Herz: Die Szenen mit Ehefrau Ana Ivanovic sind geprägt von einem sehr liebevollen Humor.

Bastian Schweinsteigerund seine Frau Ana Ivanovic
Bastian Schweinsteigerund seine Frau Ana Ivanovic | Bild: dpa

Interessant ist auch die Dramaturgie. Bohrer hält sich nicht chronologisch an den Lebensweg, sondern hüpft zwischen den Zeiten hin und her. Deshalb folgt zu Beginn auf das letzte Heimspiel mit Chicago Fire der Rückblick auf die Kindheit in Oberaudorf.

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Kurz drauf erinnert sich Hermann Gerland, wie er dem jungen „Schweini“ die Flausen ausgetrieben hat. Dann zeigt der Film die Ankunft am Chicagoer Flughafen, wo der vom Empfang durch eine große Menschenmenge überwältigte Star in der Aufregung tatsächlich seinen Papa vergessen hat. Das Konzept wirkt zwischendurch etwas sprunghaft, sorgt aber für Kurzweiligkeit. Davon abgesehen ist der Film oft bewegend und immer sympathisch; ein sehenswertes Denkmal für einen in Würde ergrauten Sportler, den sie in München noch lange als „Fußballgott“ verehren werden.

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