Die Geschichte der Pandora ist ein Schlüssel zur Antike und zu ihrem Nachdenken über die Menschen. Mithilfe der Pandora wollten sich die beleidigten Götter rächen – an ihrer Spitze der Chef im Olymp, Zeus. Er ließ eine künstliche Figur anfertigen, die wie ein lebendes Wesen wirkte, da alle anderen Götter ihr die schönsten Reize verliehen. Ein früher weiblicher Roboter also. Daraufhin wurde Pandora von den Göttern auf die Erde geschickt mit einem Kästchen, das mit hässlichen Eigenschaften gefüllt war: Neid, Hass, Kälte und vieles mehr. Die Menschen freuten sich über das schöne Geschöpf und öffneten die Büchse. So kam das Schlechte in die Welt. Die Sterblichen, die bisher ohne jeden Streit lebten, fingen an zu streiten.

Ganz unten in der Büchse der Pandora lag die Hoffnung. Doch Pandora schloss die Büchse rasch, sodass die Hoffnung nicht entfliehen konnte. Sie blieb den Menschen verwehrt, jeder Optimismus war ihnen verschlossen. Seitdem steht Pandoras Mythos für die Hoffnungslosigkeit der antiken Welt. Ein blindes Schicksal treibt die Herrscher und die Beherrschten der Antike umher. Und wenn es das Schicksal will, ist ein König wie Odysseus zehn Jahre unterwegs, um zurück in seine Heimat Ithaka zu kommen.

Pandoras verheerende Wundertüte ist bis heute wichtig. Sie bildet den Gegenentwurf zu Ostern. Man könnte auch sagen: Ostern ist die Antwort der frühen Christen auf den düsteren Fatalismus der griechischen Welt am Mittelmeer. Diese Welt war von Römern beherrscht – und von griechischer Kunst und griechischen Geschichten durchdrungen. Pandoras trostlose Story war bekannt, sie wurde erzählt und besprochen.

Die ersten Christen durchbrachen diese Tristesse. Da sie noch keine Kirchen gebaut hatten, trafen sie sich in ihren Häusern. Dort verbreiteten sie eine Lehre, die das Hoffen an die Stelle des blinden Schicksals setzte. Hoffnung also. Der Schriftsteller Arnold Stadler sagte es kürzlich in einem Interview: „Ich will vom Glauben nichts haben – außer der Hoffnung, die mich weiterträgt.“

Die neuen, anmaßend erscheinenden Lehren leuchteten erstmals in der römischen Provinz Judäa auf (später hieß sie Syria). Aus römischer Sicht war Judäa völlig hinter den Bergen, eine unruhige Provinz mit schwierigen Untertanen, den Juden. Von dort sollte das Licht der Welt kommen? Aus der Sicht des stolzen Rom war das kein Thema, eher eine Zumutung. Doch es sollte anders kommen.

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Der römische Bürger und Jude Paulus war der Motor dieser Umwälzung. Mit der Auferstehung von Jesus ändert sich alles, sagt Paulus. Jesus nimmt jeden Anhänger mit nach oben. Sie werden sich von der Bahre erheben, auf der sie tot lagen. Jedem Menschen ist diese Verheißung auf den Kopf zugesagt, schreibt Paulus. Jesus war der Erste, seine Anhänger werden ihm folgen.

Damit wird dem Gläubigen etwas geschenkt, was Pandora nicht geben durfte – die Hoffnung. Wenn nicht in diesem Leben, dann in seinem zweiten Leben nach dem Tod. Paulus sagt es klar in seinem 1. Korintherbrief: „Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden. Dann sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren.“ Die Auferstehung ist für die antiken Christen der Dreh- und Angelpunkt ihrer Religion. Ohne sie wäre das christliche Leben eine sozialkaritative Bewegung. Und die Kirchen sinnlos.

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist das Fundament des Christentums. Dieser Glaube ist so alt wie der Gegenglaube: dass Jesus nach der Kreuzigung tot war und tot blieb. Oder dass er von Räubern aus dem Grab genommen wurde, um das leere Grab dann als Beweis für seine Erweckung nehmen zu können. Die Juden der Zeit Jesu haben so gedacht, weil sie Jesus und seiner Bewegung verfeindet waren und den Jesus-Leuten nicht trauten. Ebenso wenig die Römer, die mehr an Pandora als an Paulus glaubten – und wiederum den umtriebigen Judäern und ihren Gottesbeweisen nicht trauten.

Nach der Abnahme vom Kreuz wird Jesus von Frauen gesalbt und dann beigesetzt.
Nach der Abnahme vom Kreuz wird Jesus von Frauen gesalbt und dann beigesetzt. | Bild: imago stock&people

Auch Paulus hat von Vorneherein als Verteidiger der Auferstehung gepredigt. Und er beharrt darauf: Jesus ist nicht nur in einem symbolischen Sinne auferstanden, wie es bereits in Platons Schule gelehrt wurde. Platon sprach von der Wanderung der unsterblichen Seele in ein anderes Reich, während der tote Körper als leere Hülle zurückbliebt. Paulus und die Kirchenlehrer nach ihm meinten die Erweckung im konkreten und leiblichen Sinne: Der ganze Mensch kehrt ins Leben zurück, in seiner Vitalität, im Geist und auch als Seele. Auch die Auferstehung der Toten ist körperlich, nicht nur als Wiederkehr eines Lichtfunkens oder Astralleibs.

Der Zweifel an einem zweiten Leben ist bis heute geblieben. Er wird vielfach gedreht und gewendet. Im Interview mit Johannes Fried wird der Zweifel aus Sicht historischer Quellen unterfüttert. Bis heute ist der Zweifel ein zuverlässiger Begleiter des Ostermorgens. Ein Pfeiler der Kirchenkritik. Auch der Atheismus hat seine Gewissheiten. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer schrieb, dass dieser Zweifel sein darf. Er sagte: „Ein Gott, den es gibt, gibt es nicht.“

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