Herr Schweiger, wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Dokumentarfilm über Bastian Schweinsteiger zu drehen?

Es war genau andersherum: Die Mitarbeiter von Bastian haben uns im Sommer vergangenen Jahres angefragt, ob wir uns vorstellen könnten, einen Film über ihn zu drehen. Da habe ich natürlich sofort zugesagt.

Warum war er daran interessiert?

Er sagte mal in einem gemeinsamen Interview, das wir einer Zeitung gegeben haben, dass er mich für den besten Filmemacher in Deutschland hält, was mir natürlich sehr geschmeichelt hat. (lacht) Und da ich ihn als Menschen sehr schätze und in seiner Geschichte unglaublich viel drinsteckt, war ich begeistert von der Idee, das zu machen.

Was fasziniert Sie an seiner Biografie?

Seine Laufbahn als Fußballprofi war von Entbehrung, harter Arbeit, herben Niederlagen und großen Erfolgen geprägt, da gibt es einfach alles. Er war 2012, als Bayern München das Finale in der Champions League verloren und er einen Elfmeter verschossen hat, an einem Tiefpunkt. Ein Jahr später hat er mit Bayern die Champions League gewonnen und 2014 wurde er mit der Nationalmannschaft Weltmeister.

Besser könnte man es nicht erfinden …

Genau, das ist das perfekte Drehbuch. Ich war auch immer schon ein großer Fan von Bastian, weil er einer ist, der für mich den Neuanfang des deutschen Fußballs bei der WM 2006 verkörpert. Damals beim Sommermärchen hat die Welt ja gesehen, dass die Deutschen auch Fußball spielen können und nicht nur die Panzer sind, die alles wegräumen. Bastian und auch Lukas Podolski waren damals die Gesichter dieses Neuanfangs. Das war toll, und 2006 habe auch ich mir ein Deutschlandfähnchen ans Auto gepinnt. (lacht)

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Sind Sie denn auch ein Bayern-Fan?

War ich schon immer. Ich habe schon als Kind in den 70er-Jahren für die Bayern geschwärmt, mein Lieblingsspieler war damals Karl-Heinz Rummenigge. Ich habe ja selber Fußball gespielt, und als mich der Trainer dann in der B-Jugend vom Linksaußen zum linken Verteidiger und dann zum Vorstopper gemacht hat, wurde Karl-Heinz Förster vom VfB Stuttgart mein großes Vorbild. Der war immer fair, hat aber alles weggegrätscht, großartig. (lacht)

Hatten Sie wie viele Jungen den Traum, selber mal Profi zu werden?

Nein, daran habe ich eigentlich nie gedacht. Ich kann mir vorstellen, dass mir das Spaß gemacht hätte, Fußballprofi zu sein, aber dazu hat es nicht gelangt.

Was halten Sie denn von den Geisterspielen, die derzeit in der Bundesliga absolviert werden?

Ich gucke mir das im Fernsehen an, es ist natürlich ganz was anderes als sonst. Du hörst ohne die Zuschauer im Stadion jeden Tritt gegen den Ball und jedes Kommando auf dem Platz, das erzeugt eine ganz komische Atmosphäre. Aber ich bin vor allem froh, dass überhaupt wieder Fußball gespielt wird. Mit Publikum ist es mir natürlich lieber, aber das geht momentan eben nicht.

Würden Sie Bastian Schweinsteiger denn als Freund bezeichnen?

Er ist vielleicht nicht so ein enger Freund wie die Freunde, mit denen ich aufgewachsen bin, aber ich würde ihn schon als Freund bezeichnen. Ich freue mich, wenn ich ihn sehe, und es wird immer lustig, wenn wir uns treffen. Er ist ein unglaublich empathischer und emotionaler Typ und sehr bescheiden. Er begegnet jedem Menschen auf Augenhöhe – ob das ein Busfahrer oder Uli Hoeneß ist, er behandelt alle gleich.

Zwei, die sich verstehen: Filmemacher Til Schweiger (links) und der ehemalige Fußballprofi Bastian Schweinsteiger sind befreundet.
Zwei, die sich verstehen: Filmemacher Til Schweiger (links) und der ehemalige Fußballprofi Bastian Schweinsteiger sind befreundet. | Bild: Nikolaj Georgiew / Amazon / Barefoot Films

Uli Hoeneß kommt wie Jogi Löw und viele andere Hochkaräter aus dem Fußball in der Doku zu Wort. War es schwer, sie vor die Kamera zu bekommen?

Nein, die haben alle sofort zugesagt. Die fühlen sich alle dem Bastian Schweinsteiger verbunden, da gab es für unseren Regisseur keine Probleme.

Wieso haben Sie nicht Regie geführt?

Weil ich gar nicht die Zeit dazu hatte, ich war stark in die Entwicklung einer neuen Serie und von zwei Kinofilmen involviert. Außerdem hatte ich ehrlich gesagt auch ein bisschen Bammel davor, einen Dokumentarfilm zu drehen, das ist ja ein ganz anderes Genre. Deshalb habe ich mir mit Robert Bohrer einen Regisseur besorgt, der sich da auskennt und der außerdem unheimlich viel von Fußball versteht. Ich glaube, es ist schwieriger, eine Dokumentation als einen Spielfilm zu drehen.

Wie läuft es bei Ihnen – hat die Corona-Krise Ihre Produktionsfirma erwischt?

Natürlich, wir hätten im April einen Kinofilm gedreht und im Sommer noch einen. Die Dreharbeiten mussten abgesagt werden und sind erst mal auf unbestimmte Zeit verschoben. Mal schauen, ob im Sommer wieder was geht.

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Haben Sie in der gewonnenen freien Zeit die Füße hochgelegt?

Nö, Füße hochlegen ist ja nicht so meins. Wir sind viel spazieren gegangen, haben viel gekocht und haben viele Gesellschaftsspiele gespielt. Außerdem habe ich mir Familienvideos von früher angeschaut und die alten Aufnahmen neu geschnitten. Der Höhepunkt des Tages war immer einkaufen gehen.

Mit Maske?

Nö, in der Zeit davor, als die Maske noch keine Pflicht war. Mit Maske macht es ja keinen Spaß mehr. (lacht)

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