Immer wieder auf meinem Nachttisch liegt der Jahrhundertroman Giuseppe Tomasi di Lampedusas „Der Leopard“ (Il Gattopardo). Mit seinem einzigen Werk hat er Weltliteratur geschaffen.

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Das Buch spricht mich auf verschiedenen Ebenen an. Zunächst gelingt es Lampedusa auf großartige Weise, seine sizilianische Heimat vor meinem inneren Auge lebendig werden zu lassen: die flirrende Hitze, der trockene Staub auf den Landstraßen, die verdunkelten Häuser, die etwas heruntergekommenen Palazzi und vor allem ihre Bewohner, ihre Gewohnheiten und Lebensweise.

Eine Insel, auf der die Zeit stillzustehen scheint: Sizilien im Frühjahr.
Eine Insel, auf der die Zeit stillzustehen scheint: Sizilien im Frühjahr. | Bild: PATRICK HERTZOG

Ich habe eine besondere Beziehung zu dieser oft eigensinnigen Insel, auf der die Zeit still zu stehen scheint. Damals wie heute. Aber auch Sizilien kann sich nicht der Veränderung entziehen. Dieser Konflikt wird am Beispiel des Fürsten von Salina beschrieben, der die Entwicklungen im Zuge der revolutionären Einigung Italiens erkennt, sich aber weder gegen den Prozess stellen noch mitmachen möchte. Salinas Neffe Tancredi, der sein Glück in den neuen Verhältnissen sucht, begründet seine Anpassung mit einer paradoxen Aussage: „Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, muss sich alles ändern.“ Eine geniale Verdichtung des Dilemmas Salinas und seiner Heimat.

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Beim wiederholten Lesen verwandelt sich der scheinbare Widerspruch in ein Staunen über die Erkenntnis Lampedusas. Auch ich stand schon einige Male vor der Herausforderung, aufgrund gewandelter Rahmenbedingungen grundlegende Veränderungen einzuleiten, gerade um ihrer Erhaltung willen. Aktuell denke ich an unseren Landwirtschaftsbetrieb, den ich auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt habe. Das macht Weltliteratur aus: sie vermag überzeitlich und immer wieder anders zu uns sprechen. Im Gegensatz zu Lampedusa bin ich aber davon überzeugt, dass meine Veränderungsbereitschaft nicht vergeblich ist.

G.T. di Lampedusa: „Der Leopard“, Piper Verlag, 400 Seiten, 24 Euro.
G.T. di Lampedusa: „Der Leopard“, Piper Verlag, 400 Seiten, 24 Euro. | Bild: Cover

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