Peter Weiss war mit den Arbeiten an „Trotzki im Exil“ noch nicht ganz fertig, als er das Manuskript an den Regisseur Hanns Anselm Perten in der DDR schickte. Von Perten versprach Weiss sich am ehesten, dass er sich für das Stück einsetze, das sich dialektisch mit dem Kommunismus auseinandersetzte. Perten ließ durch einen Mitarbeiter eine Rede von Leonid Breschnew schicken, die der Generalsekretär auf dem kommunistischen Weltkongress gehalten hatte. Darin kritisierte Breschnew Meinungsverschiedenheiten in der kommunistischen Weltbewegung und rief auf zum Kampf „gegen jegliche Entstellung des Marxismus-Leninismus“.

Ausgerechnet im Lenin-Jahr 1970, in dem der 100. Geburtstag des Revolutionärs gefeiert werden sollte, kam Peter Weiss mit diesem Trotzki daher, der nach Mexiko ins Exil verbannt und dort im Auftrag Stalins ermordet worden war. Das kam einer „anti-sowjetischen Hetze“ gleich. Ein Bruch der Genossen in der DDR mit dem Dramatiker war die Folge. Von jetzt an stand Peter Weiss zwischen den Welten. Im Westen wurde er als Kommunist verachtet und im Osten als Gegner der Sowjetunion. Dabei wollte er nur zur Auseinandersetzung mit dem Sozialismus aufrufen, um der Weltrevolution näher zu kommen.

Am 8. November 1916 als Sohn eines konvertierten Juden in Potsdam-Babelsberg geboren, musste Weiss früh erfahren, was es heißt, nicht dazu zu gehören. Als die Nazis die Macht ergriffen, galt er, obwohl getauft und konfirmiert, als Halbjude. Im Zweiten Weltkrieg folgte er seinen Eltern ins schwedische Exil und blieb dort bis zum Tod 1982. Als er 1945 Bilder aus dem Vernichtungslager Auschwitz sah, spürte er die Schuld des Überlebenden, fühlte sich verpflichtet, als Künstler und Kommunist für eine bessere Welt zu kämpfen. Er malte Bilder, drehte Filme, schrieb Bücher.

Die autobiografischen Romane des Frühwerks sind psychodramatische Aufarbeitungen seines Lebens. „Der Schatten des Körpers des Kutschers“ war 1960 sein erstes Buch, das auf Deutsch erschien. Es folgten „Abschied von den Eltern“ (1961) und „Fluchtpunkt“ (1962). Mit „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats“ betrat er 1964 die politische Bühne und sah sich als Kämpfer für die kommunistische Weltrevolution. Im Theaterstück „Die Ermittlung“ bearbeitete er 1965 Protokolle des Frankfurter Auschwitz-Prozesses. „Das die Welt so aussieht, wie sie heute aussieht“, so Peter Weiss, sei auf das Versagen und das Desinteresse der Schriftsteller zurückzuführen.

Dass Peter Weiss nicht vergessen wird, dafür sorgen zwei neue Biographien. Während beim Historiker Werner Schmidt („Peter Weiss“, Suhrkamp) die gesellschaftspolitischen Diskurse der Zeit im Mittelpunkt stehen, hat Birgit Lahann („Peter Weiss – der heimatlose Weltbürger“, Dietz) seine Witwe besucht und sich von ihr die gemeinsame Geschichte des Paares erzählen lassen.