Völlig allein, in einer Rakete, in den Tiefen des Alls – kaum ein Ort vermittelt wohl mehr das Gefühl von Verlorenheit und Isolation. Und an kaum einem Ort wird man mehr auf sich selbst zurückgeworfen. Das war im Kino erst vor einigen Monaten in „First Man“ zu spüren, in dem Ryan Gosling als Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat.

Auch Brad Pitt kommt als Astronaut Roy McBride in James Grays „Ad Astra – Zu den Sternen“ fern vom blauen Planeten ins Grübeln, während er in der nicht allzu fernen Zukunft als Astronaut auf wichtiger Mission ist.

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Sein Ziel: die Menschheit vor dem Untergang bewahren. Dafür soll er zum Neptun reisen und dort Kontakt aufnehmen zu seinem verschollenen Vater Clifford (Tommy Lee Jones). Der brillante Astronaut und Forscher soll sich dort versteckt halten. Durch seine Experimente werden elektromagnetische Stürme ausgelöst, die die Stabilität des ganzen Sonnensystems bedrohen.

Trotz der unendlichen Weite ist „Ad Astra“ vor allem die Zustandsbeschreibung eines einzelnen Mannes, die sich im Kern auf ein denkbar intimes Drama konzentriert. Schließlich wird das Geschehen zum permanent majestätischen Filmmusik-Wabern nicht nur von existenziellen Gedanken begleitet.

Schwierige Vater-Sohn-Beziehung

Es taucht auch ein wiederkehrendes Motiv aus Grays Werk auf: die schwierige Vater-Sohn-Beziehung, an der sich Roy abarbeitet. Vollends emotional daran andocken lässt sich allerdings kaum.

Auch darüber hinaus macht es einem „Ad Astra“ nicht leicht: US-Regisseur Gray inszeniert den Film über weite Strecken als so etwas wie eine zeitzerdehnte Space-Meditation. In der betont ruhigen Grundstimmung erinnert die Atmosphäre an den bildgewaltigen Klassiker „Solaris“.

Starke Bilder auf der Leinwand

„Ad Astra“ ist allerdings deutlich weniger komplex und lässt in die Grübelei nicht nur immer mal wieder kurze Action-Momente hineinrauschen. Gray füllt die ganze Breite der Leinwand mit großen, oft starken Bildern. Die sind zwar keine innovative visuelle Annäherung an das Genre, machen aber eindrucksvoll die Dimensionen von Erde und Neptun deutlich.

Viele Großaufnahmen gehören auch Pitt. Dass er auf dieser Mission einen gefühlskontrollierten Astronauten spielen muss, kommt ihm schauspielerisch entgegen. „Ad Astra“ zu tragen, will ihm jedoch nicht wirklich gelingen, während sich die ungewöhnliche Science-Fiction zwischen zwei nicht gleichermaßen überzeugenden Extremen bewegt.

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