Man solle bloß keine entscheidenden Wendungen preisgeben, bat Regisseur Quentin Tarantino anlässlich der Weltpremiere seines neuen Werks beim Filmfestival in Cannes die anwesenden Kritiker. Doch eines sei an dieser Stelle trotzdem verraten: Ein Film über Charles Manson und dessen mordende Gefolgschaft ist „Once Upon A Time … In Hollywood“ entgegen mancher Erwartung nicht geworden.

Eigentlicher Protagonist dieser 1969 angesiedelten Geschichte ist vielmehr Rick Dalton (Leonardo DiCaprio), ein fiktiver Schauspieler, dessen verblassender Ruhm ihm noch TV-Gastrollen und Angebote für italienische Western einbringt.

Worum geht‘s?

Gemeinsam mit seinem Kumpel und Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) vertreibt er sich die Zeit zwischen den Engagements überwiegend mit der Einnahme jeder Menge Drinks – und träumt davon, vielleicht doch noch mal so angesagt zu sein wie seine neuen Nachbarn Roman Polanski und Sharon Tate (Margot Robbie).

Die australische Schauspielerin Margot Robbie (Mitte) spielt Sharon Tate.
Die australische Schauspielerin Margot Robbie (Mitte) spielt Sharon Tate. | Bild: Sony Pictures Entertainment

Dass Letztere in der Realität am 9. August 1969 hochschwanger von Anhängern des Sektenführers Manson ermordet wurde, auf dessen Ranch es auch Cliff zufällig verschlägt, hat man als Zuschauer natürlich dauerhaft im Kopf. Doch bis Tarantino in jener schicksalhaften Nacht ankommt, ist es ein weiter Weg.

Bis es zum märchenhaft-revisionistischen, erwartungsgemäß brutalen Ende dieser Geschichte kommt, dauert es mehr als zweieinhalb Stunden, und siehe da: Für einen Tarantino-Film ist diese Langstrecke hin und wieder etwas zäh.

Regisseur Quentin Tarantino bei der Premiere seines neuen Films in Berlin.
Regisseur Quentin Tarantino bei der Premiere seines neuen Films in Berlin. | Bild: Jens Kalaene / dpa

Weil es kaum Handlung gibt, die das Geschehen vorantreibt, besticht „Once Upon A Time … In Hollywood“ eher als Reihe atmosphärisch inszenierter und großartig gespielter Momente, die oft sehr komisch und manchmal zu lang sind – aber immer wunderbare, visuell prächtige Verneigungen vor dem Los Angeles der 60er-Jahre mitsamt der Filmindustrie und Popkultur jener Zeit.

Verglichen nicht zuletzt mit Tarantinos eigenen Filmen wirkt dieses neue Werk, auch in den Dialogen, ein bisschen schlichter, weniger raffiniert und erwartbarer als üblich. Aber reich an Höhepunkten ist es glücklicherweise trotzdem – nicht zuletzt auch dank toller Auftritte von Al Pacino, Lena Dunham, Mike Moh als Bruce Lee sowie einem bemerkenswerten Pitbull.

 

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