Den Bregenzer Festspielen geht es gut. Bei der Pressekonferenz sieht man nur zufriedene Gesichter, Festspielpräsident Hans-Peter Metzler spricht von einer „beneidenswerten Situation“, in der man sich befinde, und von einem traumhaften Abschluss der Saison 2019.

Seit „Carmen“ läuft die Sache rund. Mit Verdis „Rigoletto“ in diesem Sommer kann man drei ausverkaufte Spielzeiten in Folge auf dem See verbuchen. Und es sieht so aus, als ginge es so weiter: Die 203 000 Tickets für „Rigoletto“ im Sommer 2020 sind bereits zu 50 Prozent verkauft. Eine Zusatzvorstellung wurde ins Programm genommen, aber bei 28 Vorstellungen soll Schluss sein. Weiter ausdehnen möchte man die Saison nicht, erklärt der kaufmännische Direktor Michael Diem. Und die Montage bleiben weiterhin spielfrei – das Gesetz schreibt auch für den großen Apparat der Mitwirkenden hinter der Bühne einen freien Tag pro Woche vor.

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Wahnsinn also, dieser Erfolg. Und unter das Motto „Wahn und Besessenheit“ möchte die Intendantin Elisabeth Sobotka sogar gleich die gesamte Saison 2020 stellen. Alle Figuren der gespielten Stücke verbände ein Wahn – im guten wie im schlechten Sinne, sagt sie.

Der besessene Kaiser Nero

Ein Wahnsinniger ist allen voran Nero, der in Arrigo Boitos Oper als zwielichtige Gestalt auftritt. Das Stück wird die Festspiele am 22. Juli eröffnen. Boito ist als Librettist bekannt geworden, unter anderem von Verdis „Otello“ und „Falstaff“. Mit seiner eigenen Oper über den römischen Kaiser hat er 50 Jahre gerungen. Ein Besessener also auch er. Das Stück wurde 1924 posthum an der Mailänder Scala als teuerste Produktion in deren Geschichte uraufgeführt. Echte Pferde auf der Bühne soll es in Bregenz nicht geben, die Ambitionen liegen eher im künstlerischen Bereich – so Regisseur Olivier Tambosi. Er sprudelt über vor Begeisterung für Boito, so dass klar wird: Auch hier wird ein Besessener am Werk sein.

Ein weiterer Wahnsinniger ist Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas – besessen vom Kampf um Gerechtigkeit. Als Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin hat das Stück am 28. Juli auf der Werkstattbühne Premiere. Andreas Kriegenburg führt Regie.

Kooperation mit dem Kunsthaus

Außer Besessenheit gibt es einiges an kreativer Kooperation: Für das Musiktheater „Wind“ arbeitet das Opern-atelier der Festspiele nicht nur mit der Orgelbaufirma Rieger zusammen, sondern auch mit dem Kunsthaus Bregenz. Die Künstlerin Flaka Haliti wird den Raum schaffen, in dem die Musik des aus dem Bregenzerwald stammenden Alexander Moosbrugger erklingt.

Ein weiteres Auftragswerk ging an die slowenische Komponistin Lubica Cekovska. „Impresario Dotcom“ katapultiert eine Komödie von Carlo Goldoni in die Gegenwart und spielt mit Klischees über die Opernwelt. Besessene gibt es ganz sicher auch hier.

Die Bregenzer Festspiele finden vom 22. Juli bis 23. August 2020 statt. Infos und Tickets auf http://www.bregenzerfestspiele.com