Pfingsten war für die Motorradfahrer ein schwarzes Wochenende. Mehrere tödliche Unfälle verzeichnen die Polizeiakten, zwei Männer kamen ums Leben. Auf einer Kreisstraße bei Todtnauberg (Kreis Lörrach) starb ein Motorradfahrer (20), der auf die Gegenfahrbahn geraten war. Und auf einer Landstraße bei Waldshut war ein 73-Jähriger ebenfalls auf die Gegenspur geraten, auch er starb. Diese Ereignisse stellen Zweiradfahrer wie auch andere Verkehrsteilnehmer vor die Frage: Stehen diese Todesfahrten für einen Trend? Oder wurde feiertagsbedingt einfach mehr gefahren mit der Folge, dass auch mehr passiert?

Völlig zerstört wurde dieses Motorrad Anfang Juni nach dem Zusammenprall mit einem Auto im Kreis Waldshut. Der Fahrer überlebte schwerverletzt.
Völlig zerstört wurde dieses Motorrad Anfang Juni nach dem Zusammenprall mit einem Auto im Kreis Waldshut. Der Fahrer überlebte schwerverletzt. | Bild: Peter Umstetter

Die Statistik für Baden-Württemberg sagt: In den letzten drei Jahren stieg die Zahl tödlicher Unfälle stark an. Sind 2016 noch 60 Motorradnutzer (Fahrer oder Sozius) auf den Straßen gestorben, so kletterte die Zahl im Jahr 2017 auf 101 Biker. 2018 waren es dann 99 Menschen, die auf zwei Rädern ließen. Über die Gründe will Markus Sauter, Pressesprecher der Polizeidirektion Konstanz nicht spekulieren. Er will auch keine Schuld zuweisen. Er gibt nur zu bedenken: Jeder dritte Verkehrstote ist ein Motorradfahrer.

Zwei von drei Unfällen selbst verschuldet

Breit diskutiert wird immer wieder die Schuldfrage. Nach der Statistik des Polizeipräsidiums Konstanz (zuständig für die Landkreise Konstanz, Ravensburg, Sigmaringen sowie den Bodenseekreis) werden zwei von drei schweren Unfällen (also zwei Drittel) von Bikern verursacht. Ein Drittel geht auf andere Verkehrsteilnehmer zurück, etwa wenn ein Autofahrer ein Motorrad übersieht oder ihm die Vorfahrt nimmt, weil er die Geschwindigkeit des Motorrads falsch einschätzt.

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Zwei Altersgruppen stechen besonders heraus, weil sie überproportional stark in der Todesstatistik vertreten sind. Einmal junge Fahrer (also bis 30 Jahre). Und dann das Jahrzehnt zwischen 50 und 59 Jahren. Jeder fünfte tödlich endende Motorradunfall trifft Männer oder Frauen in diesem reifen Jahrgang – ein Alter, das man sonst als gesetzt oder abgeklärt bezeichnet.

Ein tödlicher Motorradunfall ereignete sich Anfang Juni zwischen Hochsal und Laufenburg.
Ein tödlicher Motorradunfall ereignete sich Anfang Juni zwischen Hochsal und Laufenburg. | Bild: Peter Umstetter

Wiedereinsteiger gefährdet

Polizeisprecher Markus Sauter sagt, häufig seien das Fahrer, die nach einer längeren Lenkpause wieder auf ein Zweirad setzen. „Sie erfüllen sich einen Traum“, sagt Sauter. Oft erwerben sie dafür eine neue Maschine, die deutlich schneller läuft als das Fahrzeug, auf dem sie das Fahren lernten.

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Viele Situationen seien nicht vorhersehbar, räumen Experten ein. Doch gibt es einige Faustregeln. „Die Geschwindigkeit sollte angepasst sein,“ sagt Willi Schmidberger, der bei der Polizei für Verkehrsprävention und Verkehrserziehung zuständig ist. Er berichtet: „Überhöhte Geschwindigkeit zählt zu den häufigsten Ursachen für schwere Unfälle.“

Auf alles achten

Sein zweiter Tipp: Man müsse Autofahrer und überhaupt das gesamte Umfeld verschärft im Auge haben. Man müsse gewissermaßen für den wackligen Radfahrer am rechten Rand und den zaudernden Piloten mit Abbiegeabsicht mitdenken.

Die Saison für die Freiluftfahrer bis Oktober. Pressesprecher Sauter weiß einen guten Rat für den Anfang: „Im Frühjahr ist es sinnvoll, sich auf das Handling der Maschine einzustellen.“