Spaß wollte sie haben, im neuen Team. Und ein paar gute Rennen abliefern, sagte uns Finja Lipp im Frühjahr, kurz vor dem Saisonstart der Mountainbiker. Sechs Monate später blickt die 16-jährige Schülerin aus Rheinfelden fast ungläubig zurück. Souverän holte sie sich in der U17-Nachwuchsserie den Deutschen Meistertitel. Den Gesamtsieg beim Schwarzwälder Mountainbike Cup hatte sie bereits zwei Rennen vor dem Abschluss am 29. September in Neustadt sicher. Dass sie zudem baden-württembergische Meisterin ihrer Altersklasse wurde, fällt bei all den Erfolgen der Bikerin, die in der SG Rheinfelden groß geworden ist, schon kaum mehr auf.

Gold: Finja Lipp (Mitte) freut sich über ihren Titel bei den Deutschen Nachwuchsmeisterschaften in der Altersklasse U17 vor Sina van Thiel (links) vom RSC Kempten und Alexa Fuchs vom SV Reudern.
Gold: Finja Lipp (Mitte) freut sich über ihren Titel bei den Deutschen Nachwuchsmeisterschaften in der Altersklasse U17 vor Sina van Thiel (links) vom RSC Kempten und Alexa Fuchs vom SV Reudern. | Bild: Daniel Lip

Finja, du sagtest vor der Saison, dass du vor allem „Spaß“ haben willst und nun hast du alles abgeräumt, was eine U17-Fahrerin gewinnen kann. Hast du im April nur geflunkert?

Auf keinen Fall. Dass ich so eine Saison fahren würde, hätte ich selbst nicht geglaubt. Eigentlich bin ich selbst am meisten davon überrascht.

Wann hast du denn gemerkt, dass 2019 mehr drin ist, als nur mitzufahren?

Nach meinem Sieg im Cross Country beim Rennen in Gedern wurde mir klar, dass ich in dieser Saison gute Chancen habe, vorn dabei zu sein.

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Es folgte der Sieg in Wombach bei den Deutschen Meisterschaften, was aber nicht gleichbedeutend mit dem Titelgewinn war?

Nein, bei der U17 wird der Titel in einer Serie übers Jahr vergeben. Wir müssen unsere Leistungen im Cross Country, beim Eliminator-Sprint und auch im Slalom unter Beweis stellen.

Slalom ist nicht so dein Ding?

Nun, ich Hausach habe ich den Slalom gewonnen. Allerdings war ich in St. Ingbert einfach vorsichtig. Auf der gleichen Strecke, die eher einem Downhill gleicht, habe ich mir vor zwei Jahren das Schlüsselbein gebrochen. Weil es an der sehr steilen Unfallstelle immer noch keine B-Linie gibt, auf der man ausweichen kann, habe ich mich eben etwas zurückgehalten.

Landesmeisterin: Finja Lipp bejubelt ihren Sieg bei den Landesmeisterschaften in Böhringen.
Landesmeisterin: Finja Lipp bejubelt ihren Sieg bei den Landesmeisterschaften in Böhringen. | Bild: Orbea Serpentine Velosport

Unterm Strich hast du vier der zehn Wettbewerbe gewonnen, wurdest je einmal Zweite und Dritte und hattest am Ende 26 Punkte Vorsprung. Gab es keine ernsthafte Konkurrenz?

Das würde ich so nicht sagen. Auch wenn der Vorsprung am Ende deutlich war, haben mir Sina van Thiel aus Kempten, Alexa Fuchs aus Redern und Antonia Weeger aus Laichingen nichts geschenkt.

Finja Lipp (16) lebt mit ihren Eltern und Geschwistern Jella und Miron in Nollingen und besucht derzeit die 11. Klasse der Freien Evangelischen Schule Lörrach. Sie gehört zum Nachwuchs der SG Rheinfelden und fährt seit diesem Jahr für das Team „Orbea Serpentine Velosport“ aus Hilzingen. Ihr erstes Mountainbike-Rennen bestritt sie vor acht Jahren in Seon in der Schweiz. In der Saison 2019 wurde Finja Lipp Deutsche Meisterin der Altersklasse U17, holte den baden-württembergischen Titel und gewann die Gesamtwertung im Schwarzwälder Mountainbike Cup.
Finja Lipp (16) lebt mit ihren Eltern und Geschwistern Jella und Miron in Nollingen und besucht derzeit die 11. Klasse der Freien Evangelischen Schule Lörrach. Sie gehört zum Nachwuchs der SG Rheinfelden und fährt seit diesem Jahr für das Team „Orbea Serpentine Velosport“ aus Hilzingen. Ihr erstes Mountainbike-Rennen bestritt sie vor acht Jahren in Seon in der Schweiz. In der Saison 2019 wurde Finja Lipp Deutsche Meisterin der Altersklasse U17, holte den baden-württembergischen Titel und gewann die Gesamtwertung im Schwarzwälder Mountainbike Cup. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Wie läuft das eigentlich so unter 16-jährigen Teenagern? Eher Zickenkrieg oder beste Freundinnen?

Von wegen Zicken... Obwohl wir Konkurrentinnen sind und jede gewinnen will, gehen wir zwischen Startschuss und Ziellinie absolut fair miteinander um. Und nach Zielschluss sind wir wirklich fast wie Freundinnen. Wir verstehen uns gut. Ich fände es deshalb auch cool, wenn die Mädels, die am Abschlussrennen des Schwarzwälder Mountainbike Cup in Neustadt teilnehmen – voraussichtlich Tina Kreiter aus Wehr, Karla Ruh aus Ehrenkirchen, Ellen Sansonnnens aus Warmbronn und ich – den Marathon über 20 Kilometer gemeinsam fahren würden.

Was waren eigentlich die entscheidenden Faktoren für deine so erfolgreiche Saison?

Ich war das ganze Jahr über fit, habe gut trainieren können und habe in Tobias Blum, der ja schon länger meinen Bruder Miron trainiert, einen sehr akribischen Trainer, der es verstanden hat, auf die von Trainer Rainer Beck in den vergangenen Jahren bei der SG Rheinfelden geschaffenen Grundlagen aufzubauen.

Video: Daniel Lipp

Was macht Tobias Blum anders?

Als Sportwissenschaftler hat er die modernen Möglichkeiten der Leistungsdiagnostik ausgenutzt. Seine Datenanalyse aus der Wattmessung am Rad während des Trainings und der Wettkämpfe hat meine individuellen Trainingspläne sehr beeinflusst.

Also stand nur noch Biken nach Computer-Vorgabe auf dem Plan?

Nein, das schon auch nicht. Aber ich kann einfach zielgerichtet an möglichen Defiziten arbeiten. Zudem trainiere ich ja auch immer noch ein, zwei Mal pro Woche mit den Bikern der SG Rheinfelden unter Rainer Beck, was mir ebenfalls viel hilft.

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Welche Rolle spielt das Projekt „Orbea Serpentine Velosport„?

Es war eine absolut richtige Entscheidung, dieses Team zu gründen. Nicht nur ich, auch Miron und die anderen Fahrer haben eine tolle Saison gefahren. In Sebastian Zels haben wir dort einen Teamchef und Mechaniker, der das Material stets im Griff hatte. Da gab es überhaupt keine Probleme.

Also war dein Abstecher im August zum Team „Freiburger Pilsener Merida“ kein Schnuppern bei der Konkurrenz?

Natürlich nicht. Marvin Sonntag und Paul Geigle kenne ich aus dem Landeskader und wir haben uns als Team zur U17-Europameisterschaft angemeldet. Das war ein super Erlebnis für mich im Aosta-Tal...

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... mit Ergebnissen, die sich sehen lassen können?

Ja, es lief ganz gut mit Platz sieben im Eliminator, Platz zwölf im Zeitfahren und Rang 15 im Cross Country. Dort wäre vielleicht mehr drin gewesen, aber ich hatte Magenprobleme, vermutlich wegen der Höhenlage auf 1800 Meter.

Die Saison ist nun so gut wie vorbei. Wie sieht dein Ausblick auf 2020 aus?

Ich werde künftig bei den U19-Juniorinnen fahren und hoffe, auch in dieser Altersklasse gute Ergebnisse einzufahren. Vielleicht schaffe ich auch den Sprung in die Nationalmannschaft, das entscheidet sich im Herbst. Rund um das Team wird sich nichts ändern.

Video: Daniel Lipp

Aber der Aufwand wird sicher noch größer?

Vor allem im Hinblick auf das Abitur im Frühjahr 2021. Die Schule unterstützt mich zwar hervorragend, wenn es darum geht, mal einen Tag eher frei zu bekommen. Aber durch den zerstückelten Stundenplan und die aufwändige Busfahrt nach Lörrach und zurück geht mir viel Zeit verloren, die mir dann fürs Training fehlt.

Schauen wir noch einen Blick weiter nach vorn. Sabine Spitz, Deutschlands erfolgreichste Mountainbikerin und letztlich deine Vereinskameradin, hört auf. Zwischen euch beiden liegen 32 Jahre Altersunterschied und es klafft eine sportliche Lücke. Wäre doch eine Perspektive, eines Tages so erfolgreich zu sein wie Sabine?

Da hätte ich nichts dagegen. Aber soweit denke ich heute noch nicht. Ich will mich weiter verbessern, erfolgreich sein, mein Abitur bestehen und mir eine berufliche Basis verschaffen – danach sehen wir weiter.