Es ist um die Mittagszeit, als das Gespräch mit einem gerade mal 18-jährigen Tischtennisprofi beginnt. Zwei Stunden später wird dessen zweites Training mit der deutschen Nationalmannschaft an diesem Tag auf dem Trainingsgelände in Düsseldorf starten.

Seit Jahresbeginn lebt dort Kay Stumper, der in Karlsruhe geboren und in Singen aufgewachsen ist. Auch mit dem deutschen Rekordmeister Borussia Düsseldorf, von dem Stumpers Karriere intensiv verfolgt wird, arbeitet er zusammen.

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Kay Stumpers Liebe zum Tischtennis begann im Alter von drei Jahren. 2011 redete der gerade mal Achtjährige davon, einmal Weltmeister werden zu wollen. Kein Wunder, heißen seine Eltern doch Rudi Stumper und Bao Di.

„Wer nicht ganz früh anfängt, holt diese Zeit nicht wieder rein“, erklärt der mittlerweile 62-jährige Vater, von dem der kleine Kay meist trainiert wurde. Rudi Stumper und Bao Di haben sich bei der Ausbildung ihres Sohnes aber nicht nur auf ihre eigenen Fähigkeiten als Trainer verlassen.

Jedes Jahr nach China

Jedes Jahr reisten sie mit Kay, der zweisprachig aufgewachsen ist, nach China, dem Geburtsland der Mutter. Dort habe Kay im Leistungszentrum in Peking trainiert, wo etwa Ma Long und Zhang Jike ausgebildet wurden, berichtet der Vater und fügt stolz hinzu: „Er hat die besten gleichaltrigen Chinesen geschlagen.“

Stumper Senior war unter anderem Spieler und Trainer bei den Tischtennisfreunden aus Ochsenhausen und hievte das Team damals Anfang der 1990er Jahre in die Bundesliga. Danach begann die große Zeit der TTF mit vielen nationalen Titeln.

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„Das war eine schöne Zeit, weil wir eine sehr junge Mannschaft aufgebaut haben und als Quasi-Dorfclub von der Bezirksliga in die Bundesliga durchmarschiert sind. 800 Zuschauer in einer vollgepfropften Halle waren damals keine Seltenheit“, erinnert sich Rudi Stumper und fährt fort: „Tischtennis hatte noch einen ganz anderen Stellenwert.“

Zu dieser Zeit war Kay Stumper noch gar nicht geboren. Halbschwester Laura stand im Fokus und schaffte es bis ins deutsche Nationalteam. Dort, wo der heute 18-jährige Kay auch schon angekommen ist. In der Bundesliga spielt er seit zwei Jahren beim TTC Neu-Ulm.

Zuhause im Leistungszentrum

„Da ist auch schon noch Luft nach oben. Vor allem hätte ich gern mehr Spielzeit“, sagt Kay selbstbewusst. Das entscheidet aber der Trainer Dmtrij Mazunov, der mit Ochsenhausen seine größten Erfolge feierte. Stand heute wird Kay Stumper auch in der kommenden Saison für den TTC spielen, endgültig fix sein wird das aber erst zum Stichtag 31. Mai.

Trainieren wird er aber nicht in Neu-Ulm, sondern eben seit Januar in Düsseldorf im dortigen Leistungszentrum. „Dieser Schritt war wichtig für meine Karriere. Ich will ja vorankommen“, sagt der Vollprofi, der in der Rheinmetropole in einer eigenen Wohnung lebt.

Triumph beim Düsseldorf Masters

Dort feierte Kay Stumper in diesen Tagen wieder mal einen Erfolg. Er gewann die dritte Ausgabe des Düsseldorf Masters 2021. Nach Triumphen der Weltklasseakteure Anton Källberg (Schweden/Borussia Düsseldorf) und Dimitrij Ovtcharov bei den beiden ersten Turnieren setzte sich der 18 Jahre alte Sieger des Europe Youth Top 10 auf dem Center Court in Düsseldorf durch.

„Ich war zufrieden mit meiner Performance“, kommentierte Kay Stumper. Doch das reicht Kay Stumper nicht. Er ist sehr ehrgeizig. Kurzfristige Ziele sind die Jugend-Europameisterschaften im Juli in Kroatien und die Jugend-WM im Dezember in Portugal. „Dort möchte ich sehr gut abschneiden.“

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Langfristig hat er aber ein größeres Ziel vor Augen: Er will ein perfekter Spieler werden. „Ich kann mich in allen Bereichen natürlich noch verbessern“, sagt Stumper, dessen Stärken im Aufschlag/Rückschlag-Spiel liegen. „Und im außergewöhnlichen Ballgefühl“, wie Papa Stumper noch hinzufügt. Ein echtes Vorbild habe er nicht, meint Kay Stumper, auch nicht Deutschlands Tischtennisikone Timo Boll, gegen den er schon ein Match gespielt hat. Seine Eltern spielten aber immer eine große Rolle für ihn und seine Passion Tischtennis – und tun es immer noch.

Die Mittagspause ist zu Ende. Kay Stumper kann sich jetzt wieder ungestört seiner großen Leidenschaft widmen, die auch sein Beruf ist.