Am 29. Oktober verkündete Anadolu Radolfzell, dass Yasin Colak und Kim Bochtler als Trainer zurückgetreten seien. Es war bereits der sechste Trainerwechsel in dieser noch jungen Saison, was wir in einem Kommentar zur Lage in der Fußball-Bezirksliga zum Thema machten. Außerdem verwiesen wir auf die Statistik, da Anadolu in der Fairplay-Tabelle mit Abstand den letzten Platz einnimmt. Das sei sicher eine Baustelle, die der oder die Nachfolger von Yasin Colak und Kim Bochtler zu bearbeiten hätten. Warum? Weil Gelbe Karten schnell zu Ampelkarten führen, weil Platzverweise die eigene Mannschaft schwächen.

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Eigentlich keine große Sache. Fußballgrundwissen. Oder doch nicht? Bei Anadolu Radolfzell kamen die Zeilen nicht gut an. Am vergangenen Wochenende verweigerte der Verein dann ohne Ankündigung jede Information zum Spiel gegen die SG Reichenau/Waldsiedlung. Die Gäste halfen aus, sodass wir doch noch einige Zeilen zum Reichenauer 3:0-Erfolg veröffentlichen konnten.

Verein will keine Informationen mehr weitergeben

Ein Missverständnis? Nein, der Protest soll weitergehen. Der Vorsitzende Kerim Yilmaz stört sich weiter über den Kommentar, vor allem am Verweis auf die Fairnesstabelle, sieht außerdem in der Formulierung die Behauptung, dass die Trainer aus diesem Grunde aufgehört hätten, was natürlich nicht so sei. Auch dass unsere Mitarbeiter sich mit der Kamera zuletzt meist hinter dem Anadolu-Tor positioniert hätten, sei nicht in Ordnung und kein schönes Zeichen für die Spieler. Auf unsere Nachfrage, wer denn nun die Nachfolge von Yasin Colak und Kim Bochtler antrete, werde der Verein sich nicht in der heimischen Presse äußern. Auch Spielberichte zu den Heimspielen bis zur Winterpause werde Anadolu nicht liefern.

Tolle Fußballer in einem zuletzt sehr erfolgreichen Verein

Anadolu Radolfzell hat vor wenigen Wochen erst den Bezirkspokal gewonnen. Der Club hat tolle Fußballer in seinen Reihen, immer wieder konnten wir in den vergangenen Jahren sehenswerte Treffer in unseren Videos festhalten. Diese Saison läuft es dagegen nicht, der Verein ist nach 13 Spieltagen Drittletzter in der Tabelle. Da kann die Stimmung schon mal angespannt sein, da ist mancher Kicker schnell dünnhäutig.
Bezirksliga-Fußballer sind Amateure. Hier wird aus Spaß am Fußball gekickt, der Umgang mit Medien ist sicher anders als in der Bundesliga. Die ganz wilden Patzer, die einen Spieler bloßstellen würden, haben wir daher auch noch nie veröffentlicht. Wo sich unsere Fotografen postieren, hängt von vielen Faktoren ab. Auf manchen Sportplätzen geht nur eine Seite, weil man sonst gegen die Sonne filmen müsste, was die Qualität der Bilder deutlich mindert. Und wenn der Tabellenführer beim Schlusslicht spielt, stellt man sich auch nicht hinter das Tor, vor dem potenziell wenig passieren wird.

Bild: Salzmann, Dirk

Wir verstehen uns durchaus als Partner der Vereine. Der Fußball hat eine gesellschaftliche Bedeutung, was in vielen Clubs ehrenamtlich geleistet wird, ist überragend. Wir sind aber auch ein kritischer Beobachter, lassen uns weder von Personen noch Vereinen diktieren, über was oder wen berichtet wird. Und wenn wir Missstände erkennen, werden die auch benannt. Pressefreiheit fängt im Kleinen an, in vielen Ländern ist sie keine Selbstverständlichkeit. Wer Presse nur dann erträgt, wenn sie das schreibt, was man lesen will, der rückt ab von unserer Verfassung und nähert sich Einstellungen von despotischen Staaten an.

Spielberichte wird es weiterhin geben

Vielleicht überdenkt der Verein seine Haltung noch einmal. Und Spielberichte wird es weiterhin geben, im Zweifelsfall werden wir beim Gegner nachfragen. Wegschauen geht nicht. Nicht bei den großen Themen unserer Tage, aber auch nicht bei den kleinen Sorgen auf den Sportplätzen unserer Region.

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Fußball soll verbinden. Soll ein Miteinander schaffen, geprägt von Respekt und Sportsgeist. Gute und weniger gute Zeiten gehören dabei zum Sport dazu. Und wer sich nach Siegen gerne in der Presse sieht, sollte auch dann, wenn es mal nicht läuft, dazu stehen. Gerne mit Widerworten. Wer aber einfach auf stumm schaltet, stellt sich selbst ins Abseits. Und das hat im Fußball noch keinem geholfen.