Oberliga: Nicht nur seines Alters wegen fällt der Torhüter des 1. FC Rielasingen-Arlen aus dem Rahmen. Einen Tag vor Heilig Abend wird Christian Mendes 47 Jahre alt. Wer ihn aber durch den Strafraum hechten sieht – etwa bei einem gefühlvollen und platzierten Schuss seines heutigen Mitspielers Nedzad Plavci im südbadischen Pokalfinale in diesem Sommer -, der glaubt eher an einen Fehler beim Standesamt. Auch der Rest der Biografie des gebürtigen Brasilianers, der heute Österreicher ist und in Lustenau wohnt, ist alles andere als normal.

1972 in Rio geboren, war Fußball für ihn Spaß am Strand, erst mit 19 Jahren begann er leistungsorientiert zu trainieren und schaffte es in Brasilien kurzzeitig sogar in die höchste Spielklasse, ehe er 1998 ein neues Kapitel aufschlug und zum FC Lustenau wechselte. Nach mehreren Stationen in Vorarlberg und der Schweiz wollte er 2016 einen weiteren Schritt machen: Er unterschrieb beim FC Singen als Trainer.

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„Es war nicht geplant, dass ich im Tor stehe. Aber dann hat sich der Torhüter verletzt und ich musste!“, erzählt Mendes von seiner Entwicklung zum Spielertrainer. „Ich war noch fit und habe die Vorbereitung mitgemacht, sodass das keine große Umstellung war.“

Und er überzeugte im Tor. Zwar konnte weder Torhüter noch Trainer Mendes den Singener Abstieg aus der Verbandsliga verhindern, aber er war dem Villinger Talentscout Martin Braun aufgefallen. Der FC 08 Villingen, gerade aus der Oberliga abgestiegen, verpflichtete den damals 43-Jährigen. „Da haben viele Dinge zusammengepasst“, blickt Mendes auf den Wechsel zurück.

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Und obwohl die Trennung vor wenigen Monaten nicht ganz rund verlief, betont er: „In Villingen hatte ich drei schöne Jahre. Es ergaben sich viele Freundschaften zu Spielern, zu denen ich auch heute Kontakt habe. Vielleicht gehen wir am Samstag nach dem Spiel (Rielasingen empfängt um 14 Uhr den FC 08) noch gemeinsam etwas essen. Die Freundschaft bleibt, der Rest ist wohl fast normal im Fußball. So etwas passiert.“

Zumal sich auch gleich wieder eine neue Tür öffnete. Beim 1. FC Rielasingen-Arlen fällt Stammtorhüter Denis Klose längerfristig aus, der Oberliga-Neuling suchte Ersatz und wurde fündig. „In Rielasingen habe ich die Möglichkeit, mit fast 47 Jahren noch Oberliga zu spielen – das macht mich schon stolz. Denn ich bin jetzt sozusagen in der Nachspielzeit meiner Karriere. Und ich versuche, hier meine Erfahrung weiterzugeben“, so Mendes.

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Auf dem Feld geschieht dies, indem er versucht, seinen jungen Vorderleuten zu helfen. Denn der Defensivverbund ist ein wenig das Sorgenkind des Oberliga-Aufsteigers. Alle Patzer seiner Vorderleute kann auch der Routinier im Tor nicht ausbügeln, sodass die Elf von Trainer Michael Schilling aktuell nicht da steht, wo sie stehen könnte.

Obwohl er vom Alter her locker der Vater einiger Rielasinger Akteure sein könnte, versucht Mendes sich in der Kabine anzupassen: „Ich hoffe, dass ich dort nicht wie 46 wirke. Aber bei einigen Themen fehlt mir doch ein wenig die Geduld.“ Diese hat er hingegen, wenn ihn jüngere Spieler nach seinem Rezept fragen, wie man in diesem Alter noch auf so hohem Niveau spielen kann. Allerdings sind seine Antworten nicht so leicht umsetzbar: Sondereinheiten in den Spielpausen, gute Ernährung, Disziplin auch in Sachen Alkohol.

Ein schönes Spiel gegen die Freunde aus dem Schwarzwald

Nun geht es wieder gegen seinen Ex-Club. Er erinnert sich an eine ganze Reihe von Duellen der beiden Teams, stets war es knapp. Daher erwartet er: „Wir schießen ein Tor mehr als Villingen!“ Ein besonderes Spiel ist es für ihn nicht, er betrachtet es eher als „schönes“ Spiel, bei dem man auf Freunde trifft.

Und vom Heilungsverlauf bei Denis Klose hängt es wohl ab, ob er in der Rückrunde mit dann 47 Jahren weiter im Tor steht. Wie auch immer: Der brasilianische Österreicher, der Lustenau als Heimat sieht, will dem Fußball weiter verbunden bleiben.