Fußball-Bezirksliga: – Sergius Moor hat sich seinen Einstand als Vorsitzender des FC Schlüchttal etwas entspannter vorgestellt. „Am vergangenen Donnerstag wurde ich von den Mitgliedern ins Amt gewählt und jetzt habe ich erst einmal diese unschöne Sache zu klären“, gibt sich der 30-Jährige zuversichtlich, dass er die Vorkommnisse rund um das mit 6:0 gewonnene Meisterschaftsspiel gegen Bosporus FC Friedlingen zügig zu den Akten legen kann: „Wir haben eine offizielle Entschuldigung formuliert und werden diese schnellstmöglich an Riza Bilici versenden.“

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Beim Spiel am 26. September auf dem Sportplatz in Riedern war es im Verlauf der Partie zwischen Riza Bilici, Sportchef des Bosporus FC Friedlingen, und einem einheimischen Zuschauer zu einem heftigen Wortgefecht gekommen. Bilici hatte an der Linie als Assistent des Unparteiischen gewirkt und fühlte sich rassistisch beleidigt. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel, schlug vor, dass Bilici mit dem Linienrichter des FC Schlüchttal die Seiten wechselt, um die Situation nicht eskalieren zu lassen.

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Dieter Albicker, Moors Vorgänger im Amt, betont, dass er sich in seiner Funktion als Vorsitzender auf dem Sportplatz den betreffenden Zuschauer zur Brust genommen hatte: „Ich sagte ihm klar und deutlich, dass es so etwas bei uns nicht gibt. Im Wiederholungsfall habe er mit Sportplatzverbot zu rechnen.“

Dieter Albicker, bisheriger Vorsitzender des FC Schlüchttal: „Ich habe dem Zuschauer, der kein Mitglied des Vereins ist, klar und deutlich gesagt, dass es so etwas bei uns nicht gibt. Im Wiederholungsfall habe er mit Sportplatzverbot zu rechnen.“
Dieter Albicker, bisheriger Vorsitzender des FC Schlüchttal: „Ich habe dem Zuschauer, der kein Mitglied des Vereins ist, klar und deutlich gesagt, dass es so etwas bei uns nicht gibt. Im Wiederholungsfall habe er mit Sportplatzverbot zu rechnen.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

Allerdings, betont Albicker, seien im Eifer des Gefechts auch von der Gegenseite Worte gewählt worden, die nicht zur Deeskalation beigetragen hätten. Der Versuch von Albicker und Sportchef Oliver Eichkorn, unmittelbar nach dem Spiel um Entschuldigung zu bitten, sei fehlgeschlagen, weiß Moor: „Was ich angesichts der Gemütslage von Riza Bilici auch irgendwo verstehen kann. Er soll sehr aufgebracht gewesen sein.“

Das sagte Trainer Deniz Aytac (BFC Friedlingen) nach dem Spiel

Trainer Deniz Aytac (BFC Friedlingen) nach dem Spiel in Riedern: „Was sich Riza Bilici, der nach der Pause als Linienrichter agierte, anhören musste, geht einfach nicht.“
Trainer Deniz Aytac (BFC Friedlingen) nach dem Spiel in Riedern: „Was sich Riza Bilici, der nach der Pause als Linienrichter agierte, anhören musste, geht einfach nicht.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

In der Zwischenzeit wandte sich der Weiler Verein per offenem Brief an DFB, SBFV und FC Schlüchttal. Bosporus FC Friedlingen zitiert auf seiner offiziellen Facebookseite seinen Sportchef unter der Überschrift „Kein Fussball den Faschisten!!!“. Bilici sage: „Wir müssen unsere Stimme gegen jeden Einzelnen erheben, der rassistische Beleidigungen äußert. Denn wenn wir das nicht tun, werden aus einem Einzelnen schnell mehrere, die es ihm gleichtun.“ Wer rassistische Äußerungen höre und schweigend hinnehme, handle rassistisch.

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Sergius Moor bestätigt den Eingang des offenes Briefes: „Er liegt uns seit diesem Wochenende vor.“ Als erste Amtshandlung möchte er das Thema schleunigst beenden: „Ich war damals beim Spiel nicht vor Ort. Aber was dort vorgefallen ist, wird von uns nicht bestritten, sondern wirklich bedauert.“ Der Verein bitte offiziell um Entschuldigung und werde noch einmal mit dem betreffenden Zuschauer – der kein Mitglied des FC Schlüchttal sei – reden: „Ihm sollte mittlerweile klar geworden sein, dass diese Provokation falsch war. Zeigt er sich einsichtig, gibt es eine zweite Chance für ihn. Wenn nicht, werden wir reagieren.“

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Moor selbst stammt aus Kasachstan, lebt seit dem achten Lebensjahr hier. Seit 2019 ist er Vorsitzender des FC Birkendorf, jetzt auch beim FC Schlüchttal, bei dem er im Tor der 2. Mannschaft steht: „Für mich ist es ein deutliches Zeichen für die Offenheit der Vereine, wenn Menschen mit Migrationshintergrund in solche Ämter gewählt werden.“ Wichtig sei ihm, dass beim FC Schlüchttal „jeder Mensch seinen Platz findet.“ Nicht zuletzt zeige sich das in Aktivspieler Brian Okoro, der aus Afrika stamme.

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