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Fußball-Bezirksliga: – Die Protagonisten waren sich nicht einig, welches die entscheidende Minute in dieser hochinteressanten Partie gewesen ist. Beim 4:1-Sieg des SV Herten gegen Aufsteiger Bosporus FC Friedlingen gab es nämlich drei Momente, in denen das Spiel eine Wende hätte er fahren können. Und das war nicht – in diesem Punkt herrschte Einigkeit – die 43. Minute, in der sich Marco Romano nach einem „Ausheber“ in bester Ringer-Manier die „Rote Karte“ für seine Notbremse gegen Isa Mulaj abholte.

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Erstmals in diesem Spiel kochten die Emotionen nach 23 Minuten hoch. Der SV Herten führte zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient durch den quirligen Romano Males. Der 19-jährige Neuzugang hatte sich auf dem linken Flügel durch gesetzt und überwand Michael Lippert zum 1:0 (20.). Drei Minuten später sprang die komplette Besatzung der Bosporus-Ersatzbank wie auf Kommando in die Höhe. Isa Mulaj hatte abgezogen, Jonas Schulz war geschlagen, doch auf der Linie wehrte Marco Romano den Ball ab – mit den Händen vor der Brust.

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„Klares Handspiel“, skandierte der BFC-Tross, Trainer Riza Bilici und viele Zuschauer warteten vergeblich auf den Pfiff von Schiedsrichter Markus Metzger (Bad Säckingen), dem scheinbar die Sicht verdeckt gewesen war. Nach Spielende klärte der Unparteiische auf: „Er hat die Hände zwar vor der Brust, aber er vergrößert seine Körperfläche nicht. Deshalb war es aus meiner Sicht kein absichtliches Handspiel, das zum Platzverweis oder einem Strafstoß hätte führen müssen.“

Aufregung: Trainer Riza Bilici konnte nicht fassen, dass Schiedsrichter Markus Metzger das Handspiel von Marco Romano in der 23. Minute nicht mit „Rot“ und Strafstoß ahndete.
Aufregung: Trainer Riza Bilici konnte nicht fassen, dass Schiedsrichter Markus Metzger das Handspiel von Marco Romano in der 23. Minute nicht mit „Rot“ und Strafstoß ahndete. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Bilici konnte mit dieser Erklärung nichts anfangen: „Diesen Strafstoß müssen wir kriegen. Dann können wir das 1:1 machen und dann kann das Spiel ganz anders laufen“, wetterte er nach Spielschluss: „Wir haben verdient verloren und ich gratuliere Musa Musliu zum ersten Saisonsieg. Aber diese Szene ärgert mich maßlos.“

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Dass Romano 20 Minuten später dann doch vorzeitig vom Platz musste, blieb hingegen ohne Diskussionen: „Das war höchst unglücklich“, nahm ihn sein Trainer in Schutz: „Er wird schlecht angespielt, bekommt den Ball nicht unter Kontrolle und dann macht es sein Gegenspieler einfach clever“, so Musliu. Deniz Kutlutürk spitzelte Romano den Ball vom Fuß, war eigentlich durch, als ihn der Hertener im griechisch-römischen Stil von den Beinen hob.

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Zudem diesem Zeitpunkt war das Spiel eigentlich schon entschieden. Tunahan Kocer hatte – nach feiner Vorarbeit von Romano Males – das 2:0 (39.) für den SV Herten besorgt und vom Gast kam bis auf den abgewehrten Mulaj-Schuss im ersten Abschnitt erstaunlich wenig: „Pajtim Ademaj hat uns heute gefehlt. Er ist ein sehr wichtiger Spieler, der die Mannschaft mitreißen kann, wenn es nicht läuft“, so Ali Kassem nach der Partie: „Der Trainer hat uns richtig gut heiß gemacht, aber umgesetzt haben wir vor der Pause ziemlich wenig.“

Ali Kassem (BFC Friedlingen): „Wenn man die Chancen nicht nutzt, darf man sich nicht wundern.“
Ali Kassem (BFC Friedlingen): „Wenn man die Chancen nicht nutzt, darf man sich nicht wundern.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias
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Das schien nach der Pause besser zu klappen, die Friedlinger übernahmen die Initiative und drückten auf das Anschlusstor. Für Musa Musliu wenig überraschend: „Wir haben uns zurückgezogen, wollten auf Konter lauern – hat doch geklappt“, schmunzelte er. Im Gegensatz zum zweifachen Torschützen Romano Males war für Musliu die 59. Spielminute nicht entscheidend. Nach einem Schuss von Ysen Krasniqi war der Ball an den Ellbogen von Alessandro Mastrangelo geprallt. Markus Metzger zeigte auf den Punkt, ließ keine Debatte zu. Der kurz zuvor eingewechselte Egzon Ademaj hatte nun die Chance, den Gast wieder ins Spiel zu bringen. Doch der BFC-Schütze schoss den Elfer weit übers Tor in den Hertener Nachthimmel.

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„Machen wir das 1:2, sind wir wieder dran“, befand Ali Kassem: „Man muss seine Chancen eben nutzen.“ Damit dürfte er auch den Freistoß von Egzon Ademaj gemeint haben, den Jonas Schulz in der 68. Minute prima entschärfte.

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In der Schlussphase ging die Taktik des SV Herten dann endgültig auf, nachdem sich der Borsporus FC Friedlingen an seinem Unvermögen, mehr aus der Überzahl zu machen, abgearbeitet hatte. Massimiliano Di Feo (85.) schickte Romano Males steil. Der eilte dem vermeintlichen 3:0 entgegen, zielte aber übers Tor. Zwei Minuten später machte es Romano besser, verwertete die Feos Zuspiel zum Treffer, der Musa Musliu erlöste: „Erst dann war der Sack zu.“

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Dass Enrico Boudjemaa im Gegenzug das 1:3 (88.) gelang, schien zunächst niemanden nervös zu machen. Bis Markus Metzger satte vier Nachspielminuten ankündigte. Boudjemaa hatte dann das 2:3 auf dem Fuß, zielte aber zu hoch.

Romano Males (SV Herten): „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Sie haben alle 100 Prozent gegeben.“
Romano Males (SV Herten): „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Sie haben alle 100 Prozent gegeben.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias
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Dann waren nur noch Sekunden zu spielen. Der eingewechselte Simon Kleiner wurde am Strafraum von Adrian Fischer gestoppt. Beide Akteure fielen, es entwickelte sich ein Rangeln und Schubsen. Markus Metzger bewahrte Ruhe, zückte zwei Mal „Gelb“ – und zeigte auf den Elfmeterpunkt.

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Der kurz zuvor eingewechselte Phil Sailer legte sich den Ball zurecht, zielt genau und ließ die Latte wackeln. Den Nachschuss von Simon Kleiner wehrte Michael Lippert zu kurz ab. Phil Sailer setzte nach und ließ sich die Chance zu seinem ersten Tor in der Bezirksliga mit dem 4:1-Endstand nicht entgehen.

SV Herten – Bosporus FC Friedlingen 4:1 (2:0). – Tore: 1:0 (20.) Males; 2:0 (39.) Kocer; 3:0 (87.) Males; 3:1 (88.) Boudjemaa; 4:1 (90.+5) Sailer. – SR: Markus Metzger (Bad Säckingen). – Z.: 260. – Bes.: Rot für Romano (SVH/43.) wg. Notbremse; Ademaj (BFC/59.) verschießt HE; Sailer (90.+5/SVH) verschießt FE.

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