Noch vor wenigen Wochen kehrte beim des Einzelhandel in der Raumschaft Triberg ein klein wenig Normalität ein. Die Corona-Inzidenz schienen zu sinken. Click and Meet hieß für den Einzelhandel das Zauberwort. Mittlerweile sieht das wieder ganz anders aus. Der Grund: Nach Ostern haben sich die Corona-Zahlen wieder stark verschlechtert.

Im Haus der 1000 Uhren (links) und im Modenstadel (rechts) in Triberg beschäftigen sich die Angestellten mit Renovierungsarbeiten.
Im Haus der 1000 Uhren (links) und im Modenstadel (rechts) in Triberg beschäftigen sich die Angestellten mit Renovierungsarbeiten. | Bild: Kommert Hans-Jürgen
  • Thomas Weisser: Verhalten optimistisch sei er zuvor noch gewesen, äußerte sich dazu Thomas Weisser vom Haus der 1000 Uhren. Da Tourismus derzeit auch in Triberg kaum ein Thema sei, hatte er seine Geschäfte ohnehin nur am Freitag, Samstag und Sonntag geöffnet. Der Samstag sei vor Ostern noch erfreulich gut verlaufen. „Wir müssen uns einfach mit der Tatsache auseinandersetzen, dass wir in einer Pandemie leben, daher muss man das Beste aus der Situation machen“, zeigte er sich pragmatisch. Derzeit sieht er die Lage eher skeptisch. Click and Pick oder Click and Collect gehe in seiner Branche eher nicht. Er habe in der Hauptsache geöffnet, damit die Mitarbeiter in Beschäftigung sind – ob sich das gerechnet habe oder nicht. Das sei zwar durch Renovierungen und Umbauten eine Weile möglich gewesen, aber ewig gehe das nicht. Relativ gut sei das Online-Geschäft gelaufen. Ein gutes Grundrauschen, sagt Weisser. „Wir brauchen jetzt noch eine gewisse Kraftanstrengung. In Richtung Frühsommer sind hoffentlich die meisten Menschen geimpft, dann könnte es aufwärts gehen. Das wäre sicher auch für das Gastgewerbe dringend nötig, ebenso für die Veranstaltungsbranche, die machen wohl eine sehr schlimme Zeit durch. Ich denke, wir dürfen die Zuversicht nicht verlieren.“
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  • Susanne Dold: „Das Ostergeschäft lief verhältnismäßig gut, denn da die Postagentur regelmäßig offen hatte, durften wir die Termine zum Einkauf immer spontan vor Ort vergeben. Das nahmen die Kunden gerne in Anspruch, was uns total freute“, sagte Susanne Dold von Sport Hör in Schonach. Die heimischen Kunden unterstützten die Geschäfte vor Ort sehr gut und zögen einen Einkauf im Dorf dem Internet vor. „Wir konnten trotz des ewigen Lockdowns sehr gute und positive Erfahrung machen, sehen aber auch durch die vielen Retouren-Pakete der Post die andere Seite. Es wird sehr viel bestellt“, sagte sie. Da Sport Hör auch Outdoor-Artikel verkaufe, sei es nicht so schlecht, als würde nur Mode oder Fitnessbekleidung angeboten. Denn da Fitnessstudios nicht öffnen dürften, falle diese Sparte im Laden total aus. Dafür aber laufe Kindermode super. „Doch sehr viele Kunden blicken mit der jetzigen Situation nicht mehr richtig durch, was man darf und wo man was darf, das hören wir leider jeden Tag“, ärgerte sie sich. „Aus unserer Sicht ist ein Einkauf mit Click and Meet eigentlich eine perfekte Chance, relativ unbeschadet durch die schwierige Zeit zu kommen. Da aber die Inzidenzzahlen nun wieder weit über 100 sind, wird es wieder ganz mies.“ Denn Click and Collect nähmen die wenigsten Kunden in Anspruch. Sie wollten einfach im Laden bummeln und nicht die Ware nach Hause geliefert bekommen. „Doch auch wir arbeiten an unserem Online-Shop und hoffen, diesen in den nächsten Wochen fertiggestellt zu bekommen. Ohne einen solchen als zweite Einnahmequelle wird es in Zukunft leider extrem schwierig werden“, ist sich Dold sicher.
Axel Kaltenbach von Zweisam Mode in Schonach ruft die Bevölkerung zur Solidarität auf.
Axel Kaltenbach von Zweisam Mode in Schonach ruft die Bevölkerung zur Solidarität auf. | Bild: Kommert Hans-Jürgen
  • Axel Kaltenbach: Als die Inzidenz unter 50 gelegen habe, sei das Geschäft recht zufriedenstellend verlaufen. Mit Click and Meet habe es bereits kleinere Probleme gegeben, sagte Axel Kaltenbach, Geschäftsführer von Zweisam Mode. Durch den rasanten Anstieg der Zahlen in den vergangenen Tagen trete nun die Notbremse in Kraft, was wohl alle hart treffe. Er hoffe auf eine möglichst schnell eintretende Normalität. „Wir rufen alle Einwohner der Raumschaft Triberg auf, Click and Collect anzunehmen und den Kopf nicht in den Sand zu stecken“, sagte Kaltenbach. Er rief zur Solidarität auf, die Lage sei grenzwertig.
Der Maleficis-Chef Claus Kraft hält Click and Collekt für „total unrealistischen Blödsinn“.
Der Maleficis-Chef Claus Kraft hält Click and Collekt für „total unrealistischen Blödsinn“. | Bild: Kommert Hans-Jürgen
  • Claus Kraft: „Wir haben unser Ladengeschäft erst im Oktober 2020 eröffnet und mussten coronabedingt im Dezember wieder schließen“, schilderte Claus Kraft, Inhaber des Schönwälder Fachgeschäfts für Esoterik und Okkultismus, Maleficis, in der Hauptstraße. Die Neueröffnung vor Ostern sei ziemlich schleppend verlaufen, da das Geschäft durch die Zeit der Schließung bei den Kunden wieder aus dem Kopf gewesen sei. Er habe erneut viel in Werbung investieren müssen. „Corona-Maßnahmen wie Click and Collect oder Click and Meet sind für den Einzelhandel total unrealistischer Blödsinn, das hat bei uns nur eine Person wahrgenommen“, ärgerte er sich. In den Supermärkten würden sich die Menschen gegenseitig auf die Füße stehen. Doch der kleine Einzelhändler mit vier Kunden pro Tag müsse Kopfstände vollbringen. Kraft hält eine Ansteckungsgefahr für nicht gegeben, da er konsequent die Hygiene-Regeln beachte. Als Zukunftsprognose sieht er, dass nochmals die Hälfte der verbliebenen Einzelhändler schließen müssten, sollte sich die Situation nicht verbessern. „Uns wird es zwar nicht treffen, da wir glücklicherweise im eigenen Haus keine Mietkosten haben, aber die Einkünfte fallen halt weg und das Ersparte schmilzt wie Schnee in der Sonne“, so sein Fazit. Er habe zusätzlich das Glück, ein UPS-Access-Point zu sein. „Aber mal ehrlich, wir dürfen Pakete annehmen und ausgeben, wenn aber der Kunde ein Räucherstäbchen haben will, sollen wir ihm im Lockdown sagen, dass wir ihm das nicht verkaufen dürfen. Solche Dinge zeugen einfach von einer schlecht durchdachten Corona-Politik“, ist Kraft überzeugt.