Bereits zum zweiten Mal war die Feier des Osterfestes in den Kirchen im oberen Bregtal massiv von der Corona-Pandemie beeinträchtigt. Im oberen Bregtal gab es öffentliche Gottesdienste nur in den katholischen Kirchen. Allen drei Konfessionen (katholisch, evangelisch und altkatholisch), waren aber auch im Internet präsent. Im vergangenen Jahr hatte Mitte März der Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie begonnen. Weit über das Osterfest hinaus waren in allen Kirchen öffentliche Gottesdienste untersagt. Damals habe man, so der altkatholische Pfarrer Joachim Sohn, nicht daran denken können, dass man auch ein Jahr später an Ostern wieder massiv durch Corona beeinträchtigt sei und in der altkatholischen und evangelischen Gemeinde sogar ganz auf Präsenzgottesdienste verzichtet.

Katholische Kirche

Die katholische Seelsorgeeinheit hatte sich diesmal entschieden, auch Präsenzgottesdienste anzubieten, diese aber wieder unter den entsprechenden Corona-Vorgaben. Vor allem war die Zahl der Besucher massiv eingeschränkt. Ein Beispiel ist hier die Osternacht in Vöhrenbach, an der 60 Gläubige teilnehmen durften. Andere Interessenten an diesem Gottesdienst mussten abgewiesen werden. In normalen Jahren, so Pfarrer Martin Schäuble, seien es in der Osternacht jedes Mal mehr als 350 Gottesdienstbesucher gewesen. Die katholische Seelsorgeeinheit hatte über das Osterfest sogar Verstärkung erhalten: wieder einmal war Salesianer-Pater Hans Siegmann, der letzte Direktor des Furtwanger Don-Bosco-Heims, im Bregtal zu Gast. Dadurch konnte dann am Samstagabend gleich in drei Gemeinden die Osternacht gefeiert werden: in Vöhrenbach, Gütenbach und Schönenbach.

Der katholische Geistliche Martin Schäuble entzündet in der Osternacht am Feuer vor der Vöhrenbacher Pfarrkirche die Osterkerze.
Der katholische Geistliche Martin Schäuble entzündet in der Osternacht am Feuer vor der Vöhrenbacher Pfarrkirche die Osterkerze. | Bild: Stefan Heimpel

Inzwischen ist es auch schon seit genau zehn Jahren in St. Cyriak in Furtwangen Tradition, die Osternacht im Morgengrauen zu feiern. Auch der neue Pfarrer Harald Bethäuser griff diese Idee von Pfarrer Paul Demmelmair auf. Dazu gab es am Ostersonntag und Ostermontag noch eine ganze Reihe weiterer Gottesdienste in den verschiedenen Pfarrgemeinden der Seelsorgeeinheit. Ergänzt wurde dies durch einen Internet-Livestream am Ostersonntag aus St. Cyriak und am Montag durch einen Videogottesdienst aus Hammereisenbach.

Sich selbst füllende Lichtquelle

In seiner Osterpredigt bezog sich Pfarrer Bethäuser auf den Isenheimer Altar: Der Auferstandene sei darauf eine Gestalt, die nicht von außen angestrahlt wird; er strahle von innen heraus, sei selbst die füllende Lichtquelle. Das Leben Jesu werde in der Auferstehung nicht zurück aufs alte Gleis gesetzt, es breche in der Auferstehung in völlig neue Bahnen hinein auf. Und durch die Taufe strahle österliches Leben durch uns hindurch und wir könnten es ausstrahlen.

Pandemie verändert Sichtweise

Pfarrer Schäuble machte deutlich, dass die Apostel und Jünger, wie es auch in der Bibel berichtet ist, nicht mit der Auferstehung Jesu rechneten, auch wenn er sie immer wieder angekündigt hatte. Und dieses neue Leben Jesu war etwas ganz anderes. Pfarrer Schäuble verglich dies mit den Menschen in der Pandemie: Das Leben kann nach dem Ende von Corona zwar sicher wieder regulär weitergehen, doch die Menschen seien dann durch die Pandemie geprägt und würden alles mit anderen Augen sehen.

Evangelische Kirche

Einen ungewöhnlichen Rahmen wählte Pfarrer Lutz Bauer für seinen Ostergottesdienst zu Beginn der Osternacht, an dem die Gläubigen allerdings nur über das Internet teilnehmen konnten. Der Gottesdienst rund um die Osterkerzen fand nämlich nicht in der Kirche statt, sondern an der Donauquelle am Kolmenhof: Lutz Bauer und Gabriele Sander-Bauer zogen mit den Osterkerzen für die Melanchthon-Kirche Furtwangen und die Christuskirche in Vöhrenbach zur Quelle und stellten sie in das Quellwasser, um dann, mit Gesang und Gebeten unterstützt durch Gemeindemitglieder, an den brennenden Osterkerzen die Auferstehung Christi zu feiern. Pfarrer Bauer bezog sich dann direkt auf das Wasser, das schon bei der Erzählung vom Auszug aus Ägypten eine große Rolle spielte. Nun sei man aber nicht an einem großen Meer, sondern an einem kleinen Rinnsal. Und wie der große Fluss beginne hier nun auch ein ganz neues österliches Jahr.

Pfarrer Lutz Bauer und Gabriele Sander-Bauer feiern mit Unterstützung von weiteren Gemeindemitgliedern den Ostergottesdienst für die evangelische Pfarrgemeinde an der Donauquelle beim Kolmenhof, wo die brennenden Osterkerzen im Quellwasser stehen. Dieser Gottesdienst ist online abrufbar.
Pfarrer Lutz Bauer und Gabriele Sander-Bauer feiern mit Unterstützung von weiteren Gemeindemitgliedern den Ostergottesdienst für die evangelische Pfarrgemeinde an der Donauquelle beim Kolmenhof, wo die brennenden Osterkerzen im Quellwasser stehen. Dieser Gottesdienst ist online abrufbar. | Bild: Evangelische Gemeinde

Ergänzt wurde diese Onlinefeier zur Osternacht durch weitere Angebote wie Beiträgen für die Kinder oder den ökumenischen Osterimpuls, der dieses Mal gemeinsam mit Pfarrer Joachim Sohn und Pfarrer Harald Bethäuser in der altkatholischen Kirche Christi Auferstehung aufgezeichnet wurde.

Altkatholische Kirche

In der altkatholischen Kirche Furtwangen und Gütenbach finden aufgrund der Pandemie schon seit längerem keine Präsenzgottesdienste statt. So fand auch hier die Osternacht, die ansonsten immer ökumenisch mit der evangelischen Kirchengemeinde gefeiert wurde, nun als kleine Online-Veranstaltung statt. Vor der altkatholischen Kirche in Furtwangen brannte das Osterfeuer. Dabei erinnerte Pfarrer Joachim Sohn vor allem auch daran, dass auch zwei Kinder der Gemeinde bereits seit dem vergangenen Jahr auf ihre feierliche Erstkommunion warten, die aber auf jeden Fall in diesem Jahr irgendwann einmal stattfinden soll. Nach der Segnung der Osterkerze wurde sie am Osterfeuer entzündet und Pfarrer Sohn sang nun wieder das Halleluja, das während der Fastenzeit verstummt war. Er gab dabei aber auch seiner Hoffnung Ausdruck, dass man irgendwann wieder mit der Gemeinde vor und in der Kirche feiern könne.