Die Hälfte der Zeit beim Projekt „museum4punkt0“ ist um. Zeit für das Team des Fastnachtsmuseums Narrenschopf, die vergangenen eineinhalb Jahre Revue passieren zu lassen. Zusammen mit mehreren Museen bundesweit geht es beim Projekt, das auf drei Jahre angelegt ist, darum, digitale Angebote für Besucher zu entwickeln.

Im Bad Dürrheimer Museum stand in den vergangenen Monaten die Entwicklung von Filmen im Vordergrund, die Fastnachtsumzüge oder den Herstellungsprozess von fastnachtlichen Figuren zeigen und Besuchern künftig als 360-Grad-Aufnahmen in sogenannten VR-Brillen, also Virtual-Reality-Brillen, gezeigt werden sollen. Das Prozedere wirkt simpel: Der Besucher zieht eine Brille auf, und es scheint, als könnte er live bei der Schömberger Polonaise oder der Elzacher Fastnacht dabei sein. Doch dahinter steckt viel technisches Know-how. Der SÜDKURIER hat sich hinter den Kulissen angeschaut, wie die Videos in die Brille kommen.

Artur Fuss verbringt viel Zeit damit, die Aufnahmen zu einem Film zusammenzufügen.
Artur Fuss verbringt viel Zeit damit, die Aufnahmen zu einem Film zusammenzufügen. | Bild: Stauder, Anna-Lena

Filmen und Schneiden

Die Filme sind in der Fastnachtssaison mit sechs verschiedenen Kameras abgedreht worden. Hinter der Kamera standen Jan Brunnenkant und Artur Fuss. Die beiden jungen Männer kennen sich mit dem Handwerkszeug gut aus, haben sie doch Digitale Medien an der Hochschule in Furtwangen studiert. Im Vorfeld mussten sie mit den Fastnachtszünften vor Ort besprechen, wo sie ihre Stative aufbauen können, um gute Bilder einzufangen, den Ablauf der Veranstaltungen aber auch nicht zu stören. In der nächsten Saison wollen sie noch einmal losziehen, um Veranstaltungen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht mit der Linse einzufangen. Bis April 2020 dauert das Projekt noch an.

Video: Stauder, Anna-Lena

Bald soll die Testphase beginnen und Zuschauer sollen die VR-Brillen aufprobieren können. An mehreren Orten im Museum sollen VR-Stationen aufgebaut werden. Anders, als zuerst angedacht, brauchen Zuschauer kein eigenes Smartphone für die Benutzung der Brille. Das Narrenschopf-Team hat an einer Komplettlösung gearbeitet. Das heißt: In der Brille sind Prozessor, Akku, Kopfhörer und Linse integriert. Nur auf eine spezielle Software wartet man noch, die es ermöglicht, dass das Gerät auch ohne Fernbedienung genutzt werden kann.

Aufnahmen aus Schramberg, Schömberg, Stockach, Elzach und Munderkingen sind von den beiden auch schon komplett fertig bearbeitet worden. Das Filmen selbst war noch ihre leichteste Aufgabe. Die Herausforderung wartete danach am Computer auf sie, als es hieß, das Material zu sichten und zu einem Beitrag zusammenzuschneiden.

Video: Stauder, Anna-Lena

Überlappungen vermeiden

Dafür sitzen die zwei wissenschaftlichen Mitarbeiter im Büro im Untergeschoss des Narrenschopfes. Ein spezielles Programm ermöglicht es ihnen, Bild- und Tonaufnahmen separat voneinander zu bearbeiten. Da es sich um 360-Grad-Aufnahmen handelt, ist die Bearbeitung besonders schwierig, erklärt Artur Fuß, während er an seinem Bildschirm an verschiedenen Ansichten feilt. Denn Überlappungen der einzelnen Bilder müssen vermieden werden. Werner Mezger, der für die inhaltliche Konzeption des Projektes verantwortlich ist, hat größtenteils die Sprecher-Texte geliefert, um auch Hintergrund zu den verschiedenen Veranstaltungen zu geben. In der zweiten Oktoberhälfte will das Team die Testphase starten.

SÜDKURIER-Redakteurin Anna-Lena Stauder hat schon einmal ausprobiert, wie es sich anfühlt, mit einer VR-Brille eine Fastnachtsveranstaltung als 360-Grad-Aufnahme zu erleben. Sie hat sich die Schömberger Polonaise ausgesucht. Im Narrenschopf-Büro wirkt die Situation etwas skurill, kann doch nur sie die Farbenpracht bestaunen. Sie schildert, was sie dabei erlebt.

Video: Stauder, Anna-Lena