Der 31. Juli ist ein Freitag. Es ist Siegfried Oßwalds letzter Tag im Dienst. Vom 1. August an befindet sich der 61-Jährige dann im Ruhestand. Dabei ist zu viel Ruhe gar nicht das Ding des scheidenden Leiters des Rheinfelder Polizeireviers. Allerdings gibt es auch einige Aspekte an der Polizeiarbeit, die er nicht vermissen wird.

Am 1. August 2008 übernahm Oßwald die Revierleitung von Günter Lien­hard. Wer ihm nun nachfolgen wird, steht noch nicht fest. „Nach meinem Kenntnisstand tagt am 30. Juli der Personalrat“, sagt Oßwald. Erst dann weiß man mehr.

Ein vielseitiger Beruf

Polizist zu werden, war dem aus Kandern stammenden Mann nicht in die Wiege gelegt. Vielmehr ging ein zwei Jahre älterer Nachbarssohn auf die Polizeischule in Lahr und hatte ihm an den Wochenenden von der Ausbildung und den Möglichkeiten im Staatsdienst erzählt. „Das klang vielfältig“, sagt Oßwald und fügt hinzu: „Das gefiel mir.“

Fünf Sterne prangen auf Siegfried Oßwalds Schulterklappen. „Das bedeutet, ich bin Erster Polizeihauptkommissar“, erklärt er seinen Dienstrang. Als solcher hat er eine Menge erlebt in der großen Kreisstadt. Als besonders bemerkenswert fällt ihm zuerst die große Ermittlung samt Razzia in der Friedrichstraße im vergangenen Jahr ein. „Das war lange angelegt und sehr arbeitsintensiv“, sagt er. „Ich bin froh, dass wir das vom Revier angeschoben haben und die Kripo auch mit eingestiegen ist.“ Ansonsten erinnert er sich an große Brandereignisse. „Eines meiner ersten Erlebnisse in Rheinfelden war auf dem Trottoirfest, als es an einem Stand eine Gasexplosion mit einem Schwerverletzten gab“, sagt er.

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Ob ITZ-Brand oder das Großfeuer bei Voigt-Plastic – Oßwald war stets dabei. Wenn Menschen betroffen waren, fiel es manchmal schwer, nach Feierabend abzuschalten, etwa nach dem Familiendrama 2012, als ein Vater seinen sechsjährigen Sohn tötete und sich danach selbst umbringen wollte. Oder bei Unfällen mit tödlichem Ausgang.

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Gibt es heute mehr Straftaten als früher? Oßwald verneint. „Auf Basis der Kriminalstatistik haben wir sogar eine deutliche Verbesserung.“ Dass manche einen subjektiv anderen Eindruck hätten, liege an den neuen Medien, die offensiver, reißerischer und schneller bei den Leuten ankämen.

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Während Oßwald Schwörstadt trotz einiger Ausreißer als eher ruhig sieht, hat Grenzach-Wyhlen, wohl auch durch die direkte Nachbarschaft zu Basel, immer rund ein Drittel aller Straftaten im Revierbereich zu verzeichnen. Ein besonders belastender Vorfall, an den er sich erinnert, geschah dort. Eine geistig verwirrte Frau übergoss sich und einen Polizisten mit Benzin. Die Frau starb später, der Kollege wurde schwer verletzt. „Das war auch einer der ärgerlichsten Vorfälle, weil es vermeidbar gewesen wäre“, sagt er. Dass der Krankheitsverlauf der Frau nicht zu einer sicheren Unterbringung geführt habe, ärgert ihn auch heute noch.

Kein Rassismus

Und auch andere Themen regen den sonst so ruhig wirkenden Mann auf. Rassismus-Vorwürfe von der Politik und aus der Gesellschaft lassen ihn nicht kalt. „Fakt ist natürlich, dass wir lagebildorientiert Straftaten bekämpfen müssen“, erklärt er. Wenn ein Lagebild belege, dass bestimmte Personengruppen bestimmte Straftaten begehen, wie etwa bei einigen Wohnungseinbruchsserien in der Vergangenheit, dann müsste die Polizei diese Personengruppen auch kontrollieren können. „Das hat mit Rassismus nichts zu tun, das ist lageorientiert“, sagte er.

Nicht einverstanden mit der Personalpolitik

Aber auch polizeiintern findet er kritische Worte. „Ich werde die immer wiederkehrenden personellen Talsohlenprogramme der Polizei nicht vermissen“, meint er. Das Rheinfelder Revier hat 57 Haushaltsstellen, 48 sind im Moment abr nur besetzt. Die Verteilungskämpfe um die knappen Haushaltsmittel lässt er ebenso gerne hinter sich wie die Langsamkeit, mit der die Mühlen der Bürokratie manchmal mahlen. „Ich habe es in den zwölf Jahren nicht geschafft, neue Fenster für das Revier zu bekommen“, gibt er ein Beispiel.

Vor allem dankbar

Aber Oßwald geht vor allem dankbar. Dankbar für die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten, für die mit den Partnern der Stadt und der Gemeinden. Eine große offizielle Abschiedsfeier war geplant, musste aber wegen Corona abgesagt werden. Stattdessen kommt der Polizeipräsident am 31. Juli vorbei, um ihm die Urkunde zum Ruhestand zu überreichen. Mit den Kollegen ist noch eine Feier im Herbst geplant.

Wie beginnt für Oßwald der Ruhestand?

Eine Reise nach Kanada mit Kollegen wird wohl coronabedingt nicht stattfinden können. „Dann bleibe ich eben in Adelhausen und helfe meiner Tochter beim Hausbau“, sagt er. Ansonsten will er sich um seinen Wald kümmern, um die Obstbäume und Zeit mit seiner Frau verbringen. Dazu steht wieder mehr Sport auf dem Programm. „Und ich werde schauen, dass ich gesund bleibe.“

„Ich gehöre nicht zu den Lautesten“

Den Termin bei Siegfried Oßwald hat diese Zeitung genutzt, um ihm vier Fragen zu stellen, die etwas abseits des Protokolls liegen. Der scheidende Polizeirevierleiter nahm es mit Humor.

Herr Oßwald, haben Sie schon einmal etwas geklaut?

Eher etwas durch Leihen erworben, weil ich die Rückgabe vergessen habe.

Wie steht es mit Strafzetteln wegen zu schnellen Fahrens oder Falschparkens?

Schnelles Fahren kann ich bejahen. Das ist mir im letzten Jahr mal passiert. Das habe ich ordentlich bei der Stadt Rheinfelden bezahlen müssen. Als junger Kerl habe ich mal in Weil am Rhein vergessen, eine Parkscheibe in die Windschutzscheibe zu legen. Es war berechtigt, dass ich einen Strafzettel bezahlen musste. Ich kann eben nicht andere Leute für etwas beanstanden und halte mich selbst nicht daran. Da tue ich mich schwer.

Welches Kleidungsstück an Ihrer Uniform nervt Sie am meisten?

Manche junge Kollegen mögen die Mütze nicht. Aber ich habe mit der aktuellen Uniform keine Probleme. Bei der früheren Uniform gab es einen unpraktischen Regenmantel. Der hat mich immer genervt.

Jubeln Sie lieber im Stadion oder schieben Sie lieber Dienst vor dem Stadion?

Weder noch. Man findet mich eher mal in der Ringerhalle, aber auch da gehöre ich nicht zu den Lautesten.

Hätten Sie gerne Polizeitiere gehabt?

Ende der 80er Jahre gab es in Rheinfelden einen Kollegen mit Diensthund. Wenn wir heute einen Hund brauchen, können wir die Kollegen anfordern.