Rasmik Arakeljan ist gerade 25 Jahre alt und hat mit dem Wolfsjungen einen Cranberry-Sauerkirsch-Likör kreiert, der sich sehr gut verkauft. Mutige Entscheidungen, gute Freunde und harte Arbeit haben ihm zu diesem Erfolg verholfen. Wie ein typischer Versicherungsvertreter sieht Rasmik Arakeljan nicht aus. Dafür zieren zu viele auffällige Tattoos die Arme des sympathischen jungen Mannes. Ins Bild des Vollblutgastronomen, der nach einer knochenharten Zwölf-Stunden-Schicht erst so richtig aufblüht, passt er schon viel eher. Beides hat der 25-Jährige aus Warmbach ausprobiert, und es hat ihn zu dem geführt, was er nun tut. Es war vor drei Jahren, Arakeljan hatte gerade das Fachabitur in der Tasche, als er sich die Frage stellte: „Welcher Job macht mir so viel Spaß, dass ich ihn auch machen würde, wenn ich kein Geld dafür bekäme?“ Die Antwort schien zunächst naheliegend, denn schon früh hatte er seine Leidenschaft für die Gastronomie entdeckt. „Ich habe mit 14 in den Sommerferien im Irodion in Rheinfelden Teller gewaschen. Danach habe ich viele Gelegenheitsjobs im Service angenommen.“

Gastrostelle auf der MS Europa 2

Eine Ausbildung in diesem Bereich konnte sich der Freigeist aber nicht vorstellen – stattdessen bewarb er sich kurzerhand für eine Gastrostelle auf dem Sechs-Sterne-Luxuskreuzfahrtschiff MS Europa 2 – und wurde genommen. „Es war die schönste Zeit meines Lebens“, erinnert er sich. Sie hat ihn so geprägt, dass er sich das Logo der MS Europa, ein stilisiertes Schiff, auf seinen Arm tätowieren ließ. Fünf Monate lang riss er eine 14-Stunden-Schicht nach der anderen, lernte das intensive Leben auf dem Wasser kennen und lieben. „In eineinhalb Stunden, die man dort verbringt, erlebt man mehr als in sechs Monaten an Land.“

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Besonders wichtig war ihm die Zeit, die er nach Schichtende, also mitten in der Nacht, mit seinen Kollegen an der Crewbar verbrachte. Dort fand er Freunde fürs Leben, und dort wurde auch der Grundstein für seine spätere Likörproduktion gelegt. „Eines Abends, wir lagen vor den Bermudas, hat mir eine Kollegin einen Drink in die Hand gedrückt, sie nannte ihn Tschambolaya“, erinnert sich Arakeljan. Es war ein Mix aus Wodka, Cranberry, Maracuja und Limette – diesen Geschmack vergaß er nicht mehr.

Suche nach Traumjob geht weiter

Im Januar 2018 lief sein Vertrag auf dem Schiff aus, und Arakeljan setzte die Suche nach seinem Traumjob fort. Er probierte etwas ganz anderes aus und besorgte sich ein Praktikum bei einer großen Versicherungsgesellschaft, bei der er zwar einige Zeit blieb, sich aber nie wirklich mit dieser Arbeit anfreunden konnte. Da erinnerte er sich an einen jungen Start-Up-Gründer, den er auf dem Schiff kennengelernt hatte. Er stellt in Berlin Pfefferminzlikör her. „Ich hatte die Idee, den deutschlandweiten Vertrieb für den Likör zu übernehmen“, sagt Arakeljan. Wie immer fackelte er nicht lange und saß einen Anruf später im Flieger. Doch die beiden konnten sich nicht einigen. Abends flog Arakeljan unverrichteter Dinge zurück. Die Enttäuschung über die verlorene Chance habe ihn „zerfressen“. „Welcher Job macht mir so viel Spaß, dass ich ihn auch machen würde, wenn ich kein Geld dafür bekäme?“

Suche nach dem eigenen Pfefferminzlikör

Sein guter Freund Dominic Ziemann wollte ihn aufheitern und fragte, warum er nicht einfach seinen eigenen Likör mache. Also recherchierte Arakeljan, führte einige Telefonate und landete beim Produktionsleiter der Brennerei Schladerer in Staufen. „Ich habe ihm erzählt, dass ich meinen eigenen Pfefferminzlikör machen möchte und dachte, dass er bestimmt wieder auflegt.“ Doch im Gegenteil: Der Produktionsleiter erzählte, dass die Brennerei gerade ein ähnliches Produkt aufgelegt habe und Arakeljan darauf aufbauen könne. Also fuhr dieser nach Staufen und probierte sich durch Pfefferminzliköre. „Das war aber nicht das, was ich wollte.“ Wieder daheim holte er Ziemann und seinen besten Freund Ricardo Russo ins Boot. Die drei ließen sich immer wieder Samples von Schladerer schicken und suchten nach der besten Mischung aus Fruchtdestillat und Pfefferminz – und das, obwohl Ziemann und Russo eigentlich gar keinen Alkohol trinken. Da man durch Probieren aber kein Geld verdient, besorgte sich Arakeljan nebenbei einen Job in einem Restaurant in Basel, wo er bis heute 100 Prozent arbeitet. In seiner Freizeit tüftelte er weiter. Irgendwann erinnerte er sich an den Tschambolaya auf dem Schiff zurück und begann, den Samples auch Fruchtliköre beizumischen.

Wolfsjunge als Name für Produkt

Und so fand er endlich den für ihn perfekten Mix aus Alkohol, Cranberry, Sauerkirsche und Pfefferminz. Der Name für sein Produkt war dann schnell gefunden. „In meiner Zeit auf dem Schiff war ich eines morgens in Thailand aufgewacht und wollte mir einen Wolf tattowieren lassen. Ich finde dieses Tier faszinierend.“ Eine Grafikagentur in Auggen erstellte auf Grundlage des Tattoos das „Wolfsjungen“-Logo mit dem Wolfskopf. Obwohl er selbst Zweifel hatte und sein Vater ihm riet, sich die Flausen aus dem Kopf zu schlagen, nahm Arakeljan einen Kredit auf und investierte um die 25.000 Euro, um mit seinen Mitstreitern den Wolfsjungen zu produzieren. Im August 2019 wurde die erste Charge mit 960 Flaschen produziert. Arakeljan steckte viel Geld in Werbung, ließ ein Video für Instagram drehen und verteilte Flyer in Bars und Restaurants – mit Erfolg. Obwohl der Wolfsjunge nur online sowie in zwei kleinen Betrieben verkauft wird, ist die erste Charge bis heute fast ausverkauft, eine zweite wird produziert.

Geschäft bereits profitabel

35 Gastrobetrieben zwischen Waldshut und Freiburg schenken den Likör aus. „Ich bin extrem zufrieden“, sagt Arakeljan. Das Geschäft sei schon jetzt profitabel, nächstes Jahr möchte er sich mit den Mitbegründern überlegen, wie es weitergeht. Dass es weitergeht, ist für Arakeljan klar. „Ich habe die Antwort auf die Frage, die ich mir nach dem Abi gestellt habe, gefunden.“