Zügig verlief die Hauptversammlung der BLHV-Ortsgruppe Dachsberg, in deren Anschluss der Natura 2000-Beauftragte des Landratsamtes, Markus Lazarte, den Anwesenden einen Überblick über die Mähwiesenkartierung gab und Fragen zu diesem Thema beantwortete. In der regen Diskussion rief Lazarte dazu auf, sich auf der Homepage der LUBW (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg) die dort hinterlegten Beschreibungen der einzelnen kartierten Flächen anzuschauen und bei Unstimmigkeiten ihn zu kontaktieren. Die Anregung des Vorstands der BLHV-Ortsgruppe, Willi Büchele, diesen Beschreibungen Bewirtschaftungsangaben hinzuzufügen, begrüßte Lazarte ausdrücklich, um bei etwaigen Veränderungen deren mögliche Ursachen besser diagnostizieren zu können.

Ortsgruppe sehr aktiv

Der Tätigkeitsbericht, den Norbert Schäuble zu Versammlungsbeginn vortrug, zeigte, dass hier eine aktive Ortsgruppe am Werke war. Das im vergangenen Jahr neu gewählte Vorstandsteam hatte gemeinsam mit dem landwirtschaftlichen Beraterkreis zu zwei Vorträgen eingeladen, eine Informationsveranstaltung zum Volksantrag als Reaktion auf das Volksbegehren „Pro Biene“ veranstaltet und zahlreiche Unterschriften für diesen Volksantrag gesammelt, unter anderem im Rahmen des Dachsberger Adventsgenusses.

Druck durch Vorschriften

Bürgermeister Stephan Bücheler betonte, die Landwirte betrieben aktiven Naturschutz, gerieten aber gleichzeitig durch immer mehr Vorschriften immer stärker unter Druck. Es sei höchste Zeit, ihrer auf Qualität und Regionalität zielenden Nahrungsproduktion mehr Wertschätzung entgegen zu bringen. Der Kreisvorsitzende Clemens Speicher lobte die Unterschriftenaktion und mahnte die Landwirte an, noch mehr auf die Gesellschaft zuzugehen, denn viele Probleme in der Landwirtschaft seien in der Bevölkerung kaum bekannt, etwa die realen Auswirkungen von Wolfsaufkommen auf Weidewirtschaft und Tourismus. Hierzu lud er zu der bevorstehenden Veranstaltung in Bernau ein.

Überblick über Kartierungshintergründe

Lazarte gab in seinem Vortrag zunächst einen kurzen Überblick über die Kartierungshintergründe. Seit 1982 sind die geschützten Biotope ausgewiesen, analog hierzu wurden seit 1992 von der EU die FFH-Richtlinien für spezielle Lebensraumtypen aufgestellt. Die letzte Kartierung hatte Ende der 1990er Jahre stattgefunden. Die Neukartierung, die auf dem Dachsberg 2018 durchgeführt wurde, umfasst den Lebensraumtyp „Mähwiesen“ sowohl innerhalb als auch außerhalb der FFH-Flächen, was eine starke Ausweitung der so benannten Flächen zur Folge hatte. Lazarte betonte, die Kartierung diene lediglich zur Darstellung dieser Flächen, dokumentiere also deren tatsächlichen Zustand. Allerdings gilt für die kartierten Flächen nun auch deren Erhaltungspflicht. Das bedeutet, dass Landwirte dafür verantwortlich gemacht werden können, wenn bei einer neuen Kartierung eine gravierende Veränderung des Flächenzustandes festgestellt werden sollte.

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Möchte ein Landwirt eine kartierte Fläche von sich aus verändern, muss er vorab eine Ausgleichsfläche zur Verfügung stellen. Auf den Hinweis Bücheles, die amtlichen Bewirtschaftungsvorschläge für die kartierten Mähwiesen seien nicht praktikabel, entgegnete Lazarte, da die Kartierung ja den Istzustand dokumentiere, könne im Prinzip auch die Bewirtschaftung der Fläche weiterhin erfolgen wie bisher. Sei die bei der LUBW hinterlegte Beschreibung aber deutlich anders als der jetzige Zustand der Fläche, etwa aufgrund der Trockenheit während des Kartierungszeitraumes, sollte sich der betreffende Landwirt bei ihm melden. Schließlich sprach Büchele noch den Teufelskreis an, dass sich der Ertrag auf den Flächen aufgrund der Veränderungsverbote nach und nach verringere, andererseits aber immer mehr Flächen von solchen Veränderungsverboten betroffen seien. Inzwischen ist nahezu der gesamte Dachsberg als Schutzgebiet ausgewiesen. Der Landwirt habe damit keine reale Möglichkeit mehr zu reagieren im Sinne der Wiederherstellung seiner Ertragshöhe. Das aber bedeute letztlich den Verlust seiner wirtschaftlichen Grundlage.

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