In verkleinertem Rahmen mit geladenen Gästen, aber bei gewohntem „Thomawetter“ hat im Kurpark in Bernau die Verleihung des Hans Thoma-Preises an Künstlerin Ulrike Ottinger stattgefunden. Diese Aufgabe nahm Claudia Rose vom Ministerium für Wissenschaften und Kunst vor.

Ulrike Ottinger präsentiert ein Geflecht von Bezügen ihres Lebenswerks.
Ulrike Ottinger präsentiert ein Geflecht von Bezügen ihres Lebenswerks. | Bild: Karin Steinebrunner

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit der eigens für Bernau komponierten „Hans-Thoma-Fanfare“, gespielt von Musikern der beiden Bernauer Musikvereine unter der Leitung von Stefan Strittmatter. Das Übrige, bei den Vorgängerveranstaltungen übliche musikalische Rahmenprogramm, musste an dieser 47. Preisverleihung im Rahmen des 73. Hans-Thoma-Festtags in ununterbrochener Folge allerdings entfallen.

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Bernaus Bürgermeister Alexander Schönemann gestand, er schätze sich glücklich, bereits während des Entstehungsprozesses der Preisträger-Ausstellung dabei gewesen zu sein, die dem Obergeschoss des Rathauses ein exotisches Leben eingehaucht habe. Gerade in Zeiten, in denen die Corona-Pandemie Grenzen setzt, Menschen auf einen kleinen Radius eingeschränkt sind, sei Ottingers Herausforderung, sich mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen, wertvoller denn je.

Claudia Rose, Leiterin der Kunstabteilung im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, übergab den Preis. Sie merkte an, zwar sei dieser Preis schon für ganz unterschiedliche Genres vergeben, indes seien bislang nur wenige Frauen damit ausgezeichnet worden. Erstmals werde er nun für ein wesentlich von Film und Fotografie gekennzeichnetes Lebenswerk vergeben.

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Ulrike Ottingers Filme gehörten zum Repertoire von Filmfestivals, weltweit sei sie in Ausstellungen vertreten, im Jahr 2011 beispielsweise habe sie das Haus der Kulturen der Welt in Berlin ganz alleine bespielt. Vielfache Auszeichnungen säumten ihren Weg, zuletzt 2020 der Deutsche Dokumentarfilmpreis sowie die Berlinale-Kamera. Ottingers Werke, so Rose, zeugen von geschärfter Auseinandersetzung, sie berühren und erweitern den Horizont, sagte Rose.

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Laudatorin Çagla Ilk, mit ihrem Kollegen Misal Adnan Yildiz Kuratorin der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, erinnerte kurz an Ulrike Ottinger als Malerin. Von der Pop-Art-Repräsentantin habe sie sich mit der Gründung des Konstanzer Filmclub visuell im Jahr 1969 verstärkt dem Metier Film zugewandt. Ihre Filme beleuchteten aktuelle Themen und Geschehnisse, sei es der Feminismus oder der Kolonialismus.

Die Werke

Drei konkrete Beispiele nannte Ilg. Mit „Paris Calligrammes“ von 2019 habe Ulrike Ottinger ein Soziogramm ihres Lebens in Paris von 1962 bis Anfang 1969 erschaffen, geschildert aus heutiger Perspektive; mit „Madame X – Eine absolute Herrscherin“ verweise sie auf die weibliche Standhaftigkeit und „Freak Orlando“ sei eine Auseinandersetzung mit der eigenen Verletzlichkeit.

Abenteuerliche Situationen

In der aktuellen Ausstellung schildere Ulrike Ottinger nicht nur abenteuerliche Situationen, mit einem untrüglichen Auge für Details vermittelten ihre Fotografien den Eindruck, dabei zu sein. Mit der aktuellen Gegenüberstellung von Kulturen eröffne sie den Raum für Austausch, seien die Ergebnisse ihrer Reisen doch von internationaler Signifikanz, selbst für die Forschung. Ihr Ausspruch „Filmemachen ist wie atmen“ sei ein Zeugnis ihrer herausragenden Sensibilität. „Für uns bedeutet Ulrike Ottinger das Atmen“, schloss Ilk ihre Rede und stellte damit klar, wie stark sie von dieser Künstlerin beeinflusst werde.

Lob für die Organisatoren

Ulrike Ottinger selbst erklärte, ihre Aufgabe sei die Ausstellung. Die Worte überließ sie ganz ihren Vorrednern sowie zum Abschluss nochmals Bürgermeister Alexander Schönemann. Er hob das herausragende Engagement von Museumsleiterin Margret Köpfer und Organisator Hannes Honeck und ihrer beider Teams hervor, die „im roten Drehzahlbereich gewirbelt“ hätten, um diese großartige Präsentation zu bewerkstelligen, wie er bei der Feier sagte.