Eingänge und Ausgänge sind strikt voneinander getrennt, Desinfektionsmittel stehen in jedem Unterrichtsraum – so wie am St.-Ursula-Gymnasium in Villingen sah es diesen Montag an vielen Schulen im Land aus.

Nach fast zwei Monaten sind die Bildungsstätten in Baden-Württemberg wieder geöffnet, vorerst nur für die Jahrgänge, die dieses oder kommendes Jahr ihre Abschlüsse machen.

Wir haben uns an Schulen in der Region umgesehen und gefragt: Wie verläuft der Start nach dem langen Lockdown?

„Relativ ruhig.“ So beschreibt Direktor Stefan Fehrenbach die ersten Stunden seit der Wiedereröffnung der Hohentwiel-Gewerbeschule in Singen. Das ist auch kein Wunder: Statt 1000 Schülern, wie in Vor-Corona-Zeiten, werden hinter den offenen Türen der Klassenzimmer nur 400 junge Menschen unterrichtet.

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In Schichten betreten und verlassen sie das Gebäude, um den Kontakt untereinander zu minimieren.

So geht Desinfektion: Hohentwiel-Gewerbeschulleiter Stefan Fehrenbach.
So geht Desinfektion: Hohentwiel-Gewerbeschulleiter Stefan Fehrenbach. | Bild: Sabine Tesche

Die Sporthalle wird zum Unterrichtsraum

Auch am Villinger St.-Ursula-Gymnasium sind deutlich weniger Schüler unterwegs als vor Corona: 150 statt 600. „Wir könnten vielleicht 300 Schüler gleichzeitig unterrichten und gleichzeitig die Hygienestandards einhalten“, sagt Christoph Käfer, stellvertretender Schulleiter und Abteilungsleiter des Gymnasiums. Dann müsste es aber einen Schichtbetrieb geben.

Mehr Schüler könne man derzeit nicht zulassen, betont Käfer. Für die Realschüler wurde sogar die Sporthalle zu einem Unterrichtsraum umfunktioniert. „Derzeit kann ohnehin kein Sport betrieben werden. Die Halle wird also nicht gebraucht“, erklärt Käfer.

Unterricht in der Sporthallen am St.-Ursula-Gymnasium in Villingen.
Unterricht in der Sporthallen am St.-Ursula-Gymnasium in Villingen. | Bild: Matthias Jundt

Auch Schulen am Hochrhein stoßen an die Grenzen ihrer Raumkapazitäten

So können an der Werner-Kirchhofer-Realschule in Bad Säckingen nicht einmal alle 170 Abschlussschüler gleichzeitig unterrichtet werden, wie Schulleiterin Ricarda Hellmann betont.

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Was Hellman zudem frustriert: Dass das Kultusministerium keine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht erlassen hat. „Denn natürlich wollen auch ältere Kollegen oder junge Eltern einen adäquaten Schutz“, betont die Schulleiterin.

Großer Aufwand für einen reibungslosen Start

Wie viel in den vergangenen Wochen vorbereitet werden musste, damit bei der Wiedereröffnung alles glatt läuft, berichtet Sabine Schuler-Seckinger, Leiterin der St. Elisabeth-Realschule in Friedrichshafen: „Wir haben einen komplett neuen Stundenplan aufgesetzt, an jeder Ecke Desinfektionsmittel aufgestellt und überall Abstandsbegrenzungen an den Boden geklebt.“

An der St. Elisabeth-Realschule in Friedrichshafen gilt: Abstand halten!
An der St. Elisabeth-Realschule in Friedrichshafen gilt: Abstand halten! | Bild: Mona Lippisch

Schüler und Lehrer müssen vor dem Betreten der Schule Mund-Nasen-Masken aufsetzen. „Am Eingang wartet unser Mensa-Team. Die Frauen kontrollieren, ob auch jeder eine Maske dabei hat und reichen das Desinfektionsmittel“, sagt Schuler-Seckinger.

In den Klassenzimmern dürfen Schüler und Lehrer den Mundschutz wieder abnehmen. Hier gelte ausdrücklich der Mindestabstand und häufiges Lüften. „Wenn es möglich ist, lassen wir die Türen der Klassenzimmer offen, damit nicht jeder die Klinke anfassen muss.“

Home-Schooling war auch für Lehrer eine Herausforderung

Was die Schulen in der Region eint: Überall sind Schüler und Lehrer froh, dass sie in die Unterrichtsräume zurück können. „Alle freuen sich, einander wiederzusehen“, sagt der Direktor der Singener Hohentwiel-Gewerbeschule, Stefan Fehrenbach. Und er ergänzt: „Manchmal vielleicht ein klein wenig zu heftig. In solchen Fällen sorgen wir aber schnell dafür, dass die Sicherheitsabstände wieder eingehalten werden.“

„Gerade das praktische Arbeiten und Demonstrieren ist bei uns ja das Salz in der Suppe“, sagt Stefan Fehrenbach, Direktor der Hohentwiel-Gewerbeschule in Singen.
„Gerade das praktische Arbeiten und Demonstrieren ist bei uns ja das Salz in der Suppe“, sagt Stefan Fehrenbach, Direktor der Hohentwiel-Gewerbeschule in Singen. | Bild: Tesche, Sabine

Für die Lehrer der Gewerbeschule sei es nicht unbedingt einfach gewesen, über Home-Schooling Wissen zu vermitteln, findet Fehrenbach: „Gerade das praktische Arbeiten und Demonstrieren ist bei uns ja das Salz in der Suppe.“

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Valentina Bausert konnte die Rückkehr in die Schule ebenfalls kaum abwarten

Sie besucht die 10. Klasse der Friedrichshafener St. Elisabeth-Schule und macht dieses Jahr ihren Realschulabschluss. „In den vergangenen Wochen wurde das Arbeiten und Lernen zuhause immer anstrengender“, sagt Bausert.

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Sie freue sich, dass sie sich wieder mit Klassenkameraden austauschen und den Lehrern direkte Fragen stellen könne. Selbst der ungewohnten Unterrichtssituation kann Valentina Bausert etwas Gutes abgewinnen: „Weil wir weniger Schüler sind, ist es viel ruhiger und wir können uns besser konzentrieren.“

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