Seit Mitte Januar beschäftigen sich nun meine Familie und ich mit der Frage, wie wir auf möglichst viel Plastik verzichten können, weil mein achtjähriger Sohn Paul so schockiert war von den Bildern unserer vermüllten Weltmeere.

Einer meiner Kollegen fragte mich ganz am Anfang, als klar war, dass ich eine Serie für den SÜDKURIER darüber schreiben würde, ob ich künftig nur noch in Hanf und Jute gekleidet sein würde: Es war ein Witz, natürlich. Aber seitdem ich mich mit dem Thema beschäftige, muss ich feststellen, dass ein großer Teil des Mikroplastiks, das in unseren Meeren herumschwimmt, von der Kleidung ins Abwasser gelangt. Mir war das vorher gar nicht so bewusst. Doch es ist ein Thema, das uns wohl in Zukunft noch öfter beschäftigen wird.

Ein Großteil unserer Hosen, T-Shirts, Hemden und Pullis sind aus Kunststoff-Fasern wie Polyester, Nylon oder Polyacryl gemacht. Greenpeace geht davon aus, dass 60 Prozent der Kleidung weltweit Polyester enthält. Die billige Kunstfaser ist auf dem Vormarsch. Einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge stieg die Gesamtproduktion an Chemiefasern weltweit von circa 2,1 Millionen Tonnen im Jahr 1950 auf etwa 49,6 Millionen Tonnen im Jahr 2010 an. Sie stecken in Fleece-Jacken, Stretch-Hosen, Sportklamotten und in vielen, vielen anderen Kleidungsstücken.

Das Problem ist, dass diese Fasern, die übrigens auch aus Erdöl gemacht werden, bei jeder Wäsche fusseln, also mikroskopisch feine Plastikpartikel ans Waschwasser abgeben. Zwischen 80 und 400 Tonnen Mikroplastik kommen allein aus deutschen Waschmaschinen, so eine Rechnung des UBA. Als Mikroplastik werden winzige Kunststoffpartikel bezeichnet, die wenige tausendstel Millimeter bis unter fünf Millimeter groß sind. Auch im Bodensee, im Rhein oder in der Donau fanden Forscher bereits Mikroplastik – in nicht geringen Mengen.

Die kleinen Partikel, die aus den Flüssen in die Meere geschwemmt werden, werden immer mehr zum Problem – selbst in der Arktis haben Forscher des Alfred-Wegener-Instituts Mikroplastik bereits ausgemacht: In einem Liter Meereis steckten teilweise mehr als 12 000 Mikroplastikteilchen.

 

Klein und trotzdem eine Gefahr für die Umwelt

Es ist schwierig, bei der Kleidung auf Kunststoff-Fasern zu verzichten. Ein Kunstfaser-Boykott wäre laut Greenpeace auch keine Lösung, denn er würde die Umweltprobleme nur verlagern. Die Baumwollproduktion etwa verbraucht Unmengen von Wasser. Aber es gibt Einiges, was Sie tun können:
  • Beim nächsten Einkauf aufs Etikett schauen:

    Es gibt viele Anbieter, die Kleidung aus nachhaltiger Produktion und aus Naturfasern anbieten. In „Connis Seidenatelier“ in Bad Säckingen gibt es Damenkleidung aus Seide und Bio-Baumwolle-Bambusfaser-Mix. Andere Firmen, die im Internet verkaufen, heißen etwa Armed Angels, die Firma „Feuerwear“, die aus alten Feuerwehrschläuchen oder Uniformen neue Kleidung macht oder die Firma „Manomama“ aus Augsburg.

  • Überlegen Sie, wie oft Sie waschen müssen:

     Bei jedem Waschgang werden Fasern aus synthetischen Kleidungsstücken gewaschen. Weichspüler verstärkt diesem Effekt übrigens noch. Waschen Sie weniger oft und bei niedrigeren Temperaturen.

  • Kaufen Sie auch mal Second-Hand: 

    Bei meinen Kindern mache ich es schon lange: Ich kaufe auf den Babybasaren gebrauchte Hosen, Shirts und Jacken. Das spart viel Geld und führt dazu, dass nicht immer neue Kleidung gekauft werden muss. Im Netz gibt es viele Tauschbörsen, etwa Ebay-Kleinanzeigen, Kleiderkreisel oder Mamikreisel. Auch auf Kleidertauschpartys oder Flohmärkten lassen sich tolle Schnäppchen machen.

  • Reparieren statt wegwerfen:

    Viele Änderungsschneidereien verbringen zu einem kleinen Preis wahre Wunder. Heute gibt fast die Hälfte der Deutschen an, noch nie ihre Kleidung selbst repariert oder zum Schneider gebracht zu haben, so Greenpeace. Das könnten Sie ändern!

  • Versuchen Sie aus alten Kleidern neue zu machen:

    Wenn Sie ein Händchen für Handarbeit haben, was ich leider gar nicht habe, könnten Sie Ihre alten Sachen auch „Upcyclen“, das heißt den Stoff für neue Dinge nutzen.

  • Weniger ist mehr

    Wer kennt das nicht? Der Kleiderschrank platzt aus allen Nähten – viele Teile liegen schon seit Jahren unbenutzt herum. Sinn macht es ganz sicher, weniger, aber dafür kunststoff-freie und nachhaltige Kleidung zu kaufen.

Beim Blick in unsere Kleiderschränke wurde mir nach diesen Recherchen ganz mulmig. Natürlich haben auch wir Fleece-Jacken, Synthetik-Jacken, T-Shirts mit Nylon. Wir gehen gerne wandern, fahren viel Fahrrad, dementsprechend viel Kunststoff findet sich in unserer Kleidung. Dass eine kuschelige Fleece-Jacke bis zu einer Million Fasern pro Waschgang freisetzen kann, war mir noch nicht bewusst. Die Kläranlagen können in der Regel die kleinen Teilchen nicht herausfiltern. Ist dies doch der Fall, bleiben sie am Ende im Klärschlamm, der dann auch wieder in der Natur landet.

Für meine beiden Kinder versuche ich Anziehsachen zu kaufen, die aus Bio-Baumwolle sind, denn beide haben etwas trockene Haut. Aus plastikpolitischer Sicht bin ich damit auf dem richtigen Weg, doch ich muss offen gestehen, dass der Anteil solcher Kleidung bei uns eher nicht so groß ist. Daher kann ich in diesem Serienteil auch nicht wirklich davon berichten, was wir bisher geleistet haben, sondern Ihnen nur erklären, was derzeit in diesem Bereich getan wird.

Das Outdoor-Unternehmen Vaude näht aus Stoffresten, die in der Produktion entstehen, Taschen. Ein schönes Beispiel für gelungenes Upcycling. Bild: Maskus-Trippel/Vaude
Das Outdoor-Unternehmen Vaude näht aus Stoffresten, die in der Produktion entstehen, Taschen. Ein schönes Beispiel für gelungenes Upcycling. Bild: Maskus-Trippel/Vaude | Bild: Nicole Maskus-Trippel

Der Outdoor-Hersteller Vaude, der in Tettnang-Obereisenbach sitzt, hat sich schon seit Längerem der Nachhaltigkeit verschrieben und wurde dafür schon mit vielen Preisen ausgezeichnet. Nun hat sich das Unternehmen vorgenommen, auch den Kampf gegen Mikroplastik in Outdoor-Kleidung aufzunehmen. In der neuen Herbstkollektion wird es erstmals einen Fleece-Pulli geben, der innen aus Holzfasern statt aus Synthetik gemacht ist. „Auf diese Weise möchten wir auch zur Lösung globaler ökologischer Probleme beitragen“, so Antje von Dewitz, Vaude-Geschäftsführerin. Gemeinsam mit Partnern aus Umweltverbänden, Wissenschaft und der Textilindustrie hat Vaude das Forschungsprojekt „TextileMission“ ins Leben gerufen. So sollen Lösungen gefunden werden, um die Belastung der Umwelt durch Mikroplastikpartikel zu reduzieren, die beim Waschen von Kunstfaserbekleidung frei gesetzt werden.

TextileMission wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunktes „Plastik in der Umwelt – Quellen, Senken, Lösungsansätze“ mit rund 1,7 Millionen Euro gefördert. Mit an Bord bei dem wegweisenden Projekt sind Adidas, Polartec, der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie, Henkel, Miele, die Hochschule Niederrhein, die TU Dresden und der WWF Deutschland. „Das Ziel ist die Optimierung der Kläranlagentechnologie mit Filtern und die Entwicklung von Textilien, die einen deutlich geringeren Mikropartikelausstoß aufweisen“, erklärt Hilke Patzwall von Vaude. Auch Adidas setzt auf das Thema Nachhaltigkeit und hat einen Schuh entwickelt, der aus Meeresmüll entsteht. Die Modelle „Adidas x Parley“ kosten allerdings zwischen 100 und 200 Euro.

 

Darauf können Sie beim Kleiderkauf achten

Als Mikroplastik werden Kunststoffpartikel bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie sind in Kosmetikartikeln enthalten, entstehen aber auch durch Reifenabrieb, durch das Waschen von Kunstfasern, durch Stadtstaub oder durch große Kunststoffteile, die im Laufe der Zeit immer kleiner werden.
  • Warum ist Mikroplastik schädlich?

     Solche Mikropartikel sind extrem haltbar und brauchen Hunderte von Jahren, um sich abzubauen. Meerestiere verwechseln sie mit Nahrung – etwa Fisch- und Muschellarven, Kleinkrebse, Wattwürmer, Krabben und andere Bewohner des Meeresgrunds. Sie sind wiederum die Nahrungsgrundlage für größere Meerestiere – von der Miesmuschel bis zum Blauwal. Auch wichtige Speisefische wie Hering oder Makrelen hängen von kleinen Meeresorganismen ab. Laut Umweltschutzorganisation Greenpeace stecken in einem Dutzend Austern durchschnittlich 100 winzige Plastikpartikel.

  • Wie sieht es damit im Bodensee aus?

    Auch in Rhein, Donau und dem Bodensee haben Forscher bereits Mikroplastik nachgewiesen. Das Klärwerk in Seefelden kann Partikel bis zu einer Größe von acht Millimeter aus dem Abwasser filtern. Mikroplastik flutscht also durch – ebenso beim Klärwerk in Konstanz. Beim Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung sieht es dagegen anders aus: Dort durchläuft das Wasser einen Sandfilter, zudem wird Eisen(III)Chlorid zugesetzt, das Partikel an die Sandkörner bindet. So könnten Teilchen ab einem Mikrometer herausgefiltert werden.

  • Welche Fasern enthalten Kunststoff?

    Woraus Kleidung besteht, verrät das Etikett. Synthethische Fasern sind: Aramid (auch Kevlar, Nomex oder Twaron), Polyamid (Nylon, Peron, Dederon und Grilon), Polyester (Diolen oder Trevira), Polyethylen (Dyneema), Polypropylen (Asota), Polyurethan (Elas­than, Spandex, Lycra oder Dorlastan), Acryl. Halbsynthetische Fasern heißen Lyocell, Viskose, Modal, Cupro, Triacetat, Elastodiene, Acetat, und Alginat.

  • Welche Fasern sind plastikfrei?

    Das sind vor allem Naturfasern: Baumwolle, Wolle, Seide, Leinen, Hanf oder Jute. Fasern mit dem Namen Tencel oder Lyocell werden aus Holz hergestellt – deren Fasern, die beim Waschen in den Wasserkreislauf gelangen, können sich im Meerwasser vollständig biologisch abbauen. Es gibt auch Bananenfasern, Sojaseide, Bambus- oder Lenpur-Viskose