4000 Beschäftigte hat der Betriebsrat am Donnerstag mobilisiert, um einem weiteren Stellenabbau bei Rolls-Royce Power Systems (RRPS) entgegenzutreten. Bis Mittwoch habe die Konzernmutter Rolls-Royce in England intern kommuniziert, RRPS müsse 500 Stellen zusätzlich auf die sanfte Tour – also freiwillig – abbauen, erklärte RRPS-Betriebsratschef Thomas Bittelmeyer vor der versammelten Belegschaft. Am Donnerstag habe er allerdings einen Anruf von Konzernchef Warren East erhalten, wonach das Management in Friedrichshafen das Sagen habe "und sonst niemand".

Zurück zum Job: Rund 4000 Beschäftigte von RRPS in Friedrichshafen und damit gut zwei Drittel der Belegschaft ließen ihre Arbeit am Donnerstagvormittag für eine Stunde ruhen und gingen zur zusätzlichen Betriebsversammlung vor dem Werkstor.
Zurück zum Job: Rund 4000 Beschäftigte von RRPS in Friedrichshafen und damit gut zwei Drittel der Belegschaft ließen ihre Arbeit am Donnerstagvormittag für eine Stunde ruhen und gingen zur zusätzlichen Betriebsversammlung vor dem Werkstor. | Bild: Cuko

Der RRPS-Vorstand positionierte sich am Donnerstag klar und deutlich: "Es gibt derzeit keine Forderungen nach einem weiteren, über den bereits vereinbarten Stellenabbau hinaus", sagte RRPS-Sprecher Christoph Ringwald. Das Unternehmen halte sich an den 2016 vereinbarten Vertrag zur Standort- und Beschäftigungssicherung, der bis April 2020 gilt. Ringwald räumte aber ein, dass es für Rolls Royce derzeit eine "herausfordernde Situation" gebe und der Vorstand von RRPS mit London in "ständiger Diskussion" sei.

Unruhe trotz Rekordumsatz

Im Juni hatte Rolls Royce mitgeteilt, 4600 Stellen im Konzern abbauen zu wollen, vor allem in Großbritannien. 2500 Streich-Stellen habe man dort identifiziert, "das war's", sagte Bittelmeyer. Da bleibe der Konzernmutter nicht mehr viel Spielraum beim Personalabbau als in Deutschland, um das Planziel zu erreichen. "Wir können nicht sagen, was sie vorhaben", sagte der Betriebsratschef, schwor die Belegschaft aber auf Widerstand gegen weitere Stellenstreichungen ein. Und: Bei einem Auftragsvolumen, das RRPS 2018 und wohl auch 2019 Rekordjahre beschere, sei Personalabbau mit teuren Abfindungen betriebswirtschaftlich Nonsens.

Denn 2016 wurde mit der Standortsicherung der freiwillige Abbau von 550 Stellen an allen drei Standorten von RRPS in Deutschland vereinbart. Davon sei ein Drittel ausgeschöpft, erklärte ein Unternehmenssprecher gestern. Wie viele davon in Friedrichshafen, wollte er nicht sagen. Ob und wo weitere Stellen abgebaut werden, liege in der Verantwortung des Managements. Fakt ist, dass die wirtschaftliche Situation des Unternehmens mit seiner Kernmarke MTU vor zwei Jahren sehr viel schlechter war. Heute seien die Auftragsbücher voll. "Diese positive wirtschaftliche Situation führt dazu, dass wir uns derzeit um den optimalen Einsatz bestehender und den notwendigen Aufbau neuer Ressourcen und Arbeitskraft kümmern", sagte Christoph Ringwald. Will heißen: Wenn man nach neuen Mitarbeitern suchen muss, ist der Abschied von Beschäftigten per "goldenem Handschlag" weniger von Interesse. Nach Aussage von Thomas Bittelmeyer ein doppelt teurer Aderlass: Abfindungssummen von 300.000 oder 400.000 Euro seien für Mitarbeiter der unteren Führungsebene keine Seltenheit, wenn bei entsprechend langer Firmenzugehörigkeit 30 Monatsgehälter beim Ausscheiden gezahlt werden. "Aber Geld scheint ja keine Rolle zu spielen", schimpfte er. 

RRPS-Betriebsratschef Thomas Bittelmeyer schwor am Donnerstag rund 4000 Beschäftigte vor dem Werkstor auf den Widerstand gegen weiteren Personalabbau ein.
RRPS-Betriebsratschef Thomas Bittelmeyer schwor am Donnerstag rund 4000 Beschäftigte vor dem Werkstor auf den Widerstand gegen weiteren Personalabbau ein. | Bild: Cuko

Mehr Personal gefordert

Personalabbau trotz erfolgreicher Arbeit? Auch für den Betriebsrat ist die 2016 vereinbarte Streichung von 550 Stellen heute nicht mehr darstellbar. "Wenn Mitarbeiter gehen, müssen andere die Aufgaben zusätzlich übernehmen", beklagte der Betriebsratschef eine enorme Arbeitsverdichtung in manchen Abteilungen. Besonders krass sei die Situation in den Bereichen IT, Controlling und Personal. Hier fordert der Betriebsrat nun 30 Prozent mehr Mitarbeiter. Ein Drittel der IT-Abteilung sei ins Digitalteam gewechselt, erklärt MTU-Mitarbeiter Maik Renn vor dem Werkstor. Seit Jahren sei niemand mehr eingestellt worden. Stattdessen würden Aufgaben extern vergeben, beispielsweise an Inder, womit der Abstimmungsaufwand steige, was widerum der Servicequalität nicht diene. "Bei uns klemmt's massiv", bekräftigt Maik Renn von der IT.

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In knapp vier Wochen, am 13.November, findet die reguläre Betriebsversammlung bei RRPS in Friedrichshafen statt. Bis dahin habe der Vorstand Zeit zu überlegen, wie er sich positioniere. Der Betriebsrat fordert den Stopp des – auch freiwilligen – Stellenabbaus und mehr Personal bei IT, Controlling und Personal. "Wenn nicht, dann gibt es eben länger keine Sonderschichten mehr", sagte Bittelmeyer, was zu empfindlichen Umsatzeinbußen bei RRPS führen könne.

Keine Krise bei RRPS

"Wir haben unseren Preis bezahlt und fordern Sicherheit über 2020 hinaus", sagte Gewerkschaftssekretärin Helene Sommer, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Bodensee-Oberschwaben. Der Vorstand stelle die richtigen Fragen, wie Geschäftsmodelle geändert werden müssten, um erfolgreich zu bleiben. Diesen Wandel gestalte die Gewerkschaft gern mit. Beim Arbeitsplatzwechsel ohne Abfindungen sei man gesprächsbereit, beim Personalabbau mit Geld nicht mehr. RRPS brauche keine Restrukturierung, "die Engländer sollen uns machen lassen." Ähnlich äußerte sich auch David Neumann, Leiter der CGM-Geschäftsstelle: "Wenn die auf der Insel keine gescheiten Triebwerke bauen können, müssen wir nicht die Konsequenzen dafür tragen müssen."