Die landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland reduzieren sich seit Jahren. Gleichzeitig steigen die Mengen an Pestiziden, die die Bauern jährlich einsetzen, an. Zuletzt waren das etwa 115.000 Tonnen pro Jahr in Deutschland. Auch die Wirkstoffe und Endprodukte, auf die die Bauern zugreifen können, steigen. Statistisch gesehen wandern jedes Jahr sieben Kilo Pflanzenschutzmittel auf jeden Hektar Feld. Die Macher des Volksbegehrens Artenschutz haben also einen Punkt, wenn sie verlangen, den Spritzmitteleinsatz wirksam zu begrenzen, denn dieser ist tatsächlich zu hoch.

Spritzmitteleinsatz zu hoch

Allerdings schießt das Volksbegehren über das Ziel hinaus, wenn gefordert wird, den Einsatz von Ackerchemie in Schutzgebieten komplett zu verbieten. Diese entsprechen rund einem Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Südwesten. Ein Totalverbot würde bedeuten, große Teile dieser Flächen für die Nahrungsmittelproduktion quasi stillzulegen. Wollen wir das? Würden die fehlenden Waren dann nicht von woanders her kommen? Von weiter weg? Wäre das ökologisch? Und was würde aus den betroffenen Landwirten?

Das könnte Sie auch interessieren

Landwirte kämen in existenzielle Nöte

Eines ist klar. Eine Landwirtschaft ohne Pflanzenschutz ist nur sehr begrenzt möglich. Selbst Vorzeigeinitiativen, von denen es in Baden-Württemberg einige gibt, kommen nicht ganz ohne Spritzmittel aus. Der Öko-Landbau schon gar nicht. Weinbauern oder Obstgärtner beispielsweise würden in feuchten Jahren den Komplettverlust ihrer Kulturen riskieren, könnten sie nicht mit Chemie gegenhalten. Ihnen dies zu verbieten, würde einer Enteignung auf Zeit gleich kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Bauern müssen nachhaltiger werden

Die derzeit zu aufgeregt geführte Pestizid-Debatte ist nur ein Baustein auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft und mehr Biodiversität. Mindestens genauso wichtig wäre es, Biotopvernetzung zu betreiben, Blühstreifen stehen zu lassen, zu alten Sorten und einer besseren Fruchtfolge zurückzukehren und durch klugen Ackerbau die Qualität der arg geschundenen Böden zu verbessern.

Die Bauern könnten all dies bewerkstelligen ohne in existentielle Nöte zu geraten, die bei einem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel drohen würden. Sie sind daher im eigenen Interesse in der Pflicht, auf diesen Feldern zu liefern und nachhaltiger als bisher zu wirtschaften. Gelingt es ihnen nicht, der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass es ihnen mit dem Erhalt unserer Umwelt ernst ist, werden sie bleiben was sie sind: Der Buhmann in einer immer aufgeregteren Öko-Debatte.