Die Fans des Hamburger SV sind aus ihrer Schockstarre, die sie nach dem 0:3 gegen Holstein Kiel gepackt hatte, erwacht. Das ist ein gutes Zeichen, denn rein theoretisch hätte die unerwartete Schlappe ja auch der Beginn einer depressiven Phase sein können. So aber haben einige HSVer am Zaun zum Trainingsplatz Sprüche befestigt: „Braucht ihr Hilfe, sind wir laut! Wir sind eure zweite Haut! Wir werden euch durchs Stadion tragen! Gemeinsam können wir jeden schlagen!“ Ab sofort halt – denn gegen Kiel, da ging nicht viel.

Zwei weitere Sätze waren zu lesen: „Wenn jemand drei Schritte zurückgeht, sollte man ihn besonders beachten. Vielleicht nimmt er nur Anlauf!“ Eine Aufmunterung für die HSV-Kicker, gar eine trotzige Drohung an die Konkurrenz oder doch nur zaghaft ausgedrückte Hoffnung auf baldige Besserung? Das „Vielleicht“ klingt nicht nach wahrer Überzeugung!

Und jetzt muss der HSV auch noch nach Sandhausen. Das ist jener Ort, vor dem ein Karlsruher Polizeibeamter die Hamburger 2015 anlässlich des Relegations-Rückspiels beim KSC gewarnt hatte: „Wenn ihr verliert, müsst ihr nach Sandhausen.“ Damals ging’s überglücklich gut, aber am Sonntag steht sie doch an, die Fahrt in die 15 000-Seelen-Gemeinde. Damit der HSV und seine Fans auch tatsächlich ankommen, haben die Sandhäuser schon vor einer Woche im Hamburger Hauptbahnhof acht Plakate platziert, auf denen – schön auf ein Spielfeld skizziert – den Fischköppen erklärt wird, wie sie in die nordbadische Provinz finden: „ICE von Hamburg nach Mannheim/Heidelberg, umsteigen in S-Bahn, mit S3/S4 bis Haltestelle St. Ilgen/Sandhausen, vom Bahnhof dort per Shuttlebus zum Stadion, und dann: Bahn frei für ein geiles Spiel!“ Hoppla, ob da den 0HSV-ern nicht gleich wieder das Herz in die Rothose rutscht?