Während mancher Präsidentschaftskandidat noch um Aufmerksamkeit ringt, hat sie längst Popstar-Status: Michelle Obama, Ex-First Lady und Ehefrau von Barack Obama, ist derzeit die beliebteste Frau in den Vereinigten Staaten. Wenn sie öffentlich auftritt, jubeln ihr die Größen aus dem Showbusiness zu. Ihre Biografie („Becoming“) war auch in Deutschland wochenlang auf Platz eins der Bestsellerlisten.

Michelle Obama (55) ist ein echter Sympathieträger, volksnah, eine begabte Rednerin, sie hat etwas zu sagen, ist engagiert und äußerst erfolgreich – und als ehemalige Bewohnerin des Weißen Hauses hat man sie noch in bester Erinnerung. Kein Wunder, dass immer wieder Spekulationen aufkommen, ob sie nicht selbst in die Fußstapfen ihres Mannes treten und sich um die Präsidentschaft bewerben könnte.

Church day participants hold up placard reading „Tuck Frump“ and „Michelle Obama 2020“ as they listen to speeches by former US president and the German Chancellor during the Protestant church day (Kirchentag) event at the Brandenburg Gate (Brandenburger Tor) in Berlin on May 25, 2017. ?Former US president Barack Obama attends a panel discussion with German Chancellor Angela Merkel in Berlin before heading to Baden-Baden to receive a German media prize. / AFP PHOTO / John MACDOUGALL
Michelle 2020? Die Gattin des ehemaligen US-Präsidenten ist politisch sehr aktiv, möchte aber nicht slebst für das Amt kandidieren. | Bild: JOHN MACDOUGALL

„Du musst den Job wollen“

„Michelle wäre auf jeden Fall präsidiabel“, sagt Politikwissenschaftler Christoph Haas von der Universität Freiburg. „Es sind sich eigentlich alle einig, dass sie das Zeug dazu hätte – aber sie will nicht“, ist der Amerika-Experte überzeugt. Zumal Michelle die Frage selbst klar verneint hat. Als sie zuletzt Gast in der Oprah Winfrey Show war, sagte sie: „Der Grund, weshalb ich nicht fürs Präsidentenamt kandidieren will – ich kann nicht für Oprah sprechen – aber mein Gefühl ist, dass zuallererst musst du den Job wollen.“

Want the job, den Job wollen – in ihrem Fall weiß sie allerdings, wovon sie spricht: Aktenberge, lange Arbeitstage, stressige Reisen und ein immenser Druck. An der Seite ihres Ehemanns konnte sie hautnah erleben, wie die Tage im Weißen Haus ablaufen. „Mal ehrlich: Man muss schon extrem Lust haben, etwas politisch zu gestalten, um solch ein Leben zu wollen“, sagt Amerika-Experte Haas.

Politisch aktiv ist die gelernte Juristin nach wie vor: Sie setzt sich für gesundes Essen ein, engagiert sich für Frauen und Wohltätigkeitsorganisationen.

Michelle Obama, damalige First Lady, spricht auf einer Veranstaltung. Bild: Afp
Michelle Obama, damalige First Lady, spricht auf einer Veranstaltung. | Bild: Jim Lo Scalzo

Finanziell lukrativer ist das Leben außerhalb der großen Politik ohnehin: Laut „Forbes“ soll Ehemann Obama in seinen acht Jahren an der Staatsspitze zwar stattliche drei Millionen Dollar verdient haben. Schon während seiner Zeit im Amt wurde das Präsidentengehalt allerdings deutlich getoppt von den 7,5 Millionen Dollar, die Obama mit seinen Büchern einnahm. So richtig in der Kasse klingelte es aber ohnehin erst nach der Präsidentschaft: 65 Millionen Dollar sollen die Obamas für zwei Bücher vom Verlag Penguin Random House bekommen, bis zu 400 000 Dollar kassieren sie pro Rede.

Sollte sie wider Erwarten doch noch ihren Hut in den Ring werfen wollen, müsste sie sich ranhalten, ist Haas überzeugt. „Schon Biden war spät dran.“ Der ehemalige Vizepräsident Obamas ist zwar schon 76 Jahre alt, aber nach Haas‚ Ansicht der aussichtsreichste Kandidat im demokratischen Bewerberfeld. Der Freiburger Politikwissenschaftler macht das unter anderem an den Reaktionen seines potenziellen Widersachers fest: US-Präsident Donald Trump hetzt in seinen Twitter-Kommentaren am liebsten gegen Joe Biden. Er weiß, warum: In den Staaten Wisconsin, Pennsylvania und Michigan lag die unterlegene Demokratin Hillary Clinton nur mit insgesamt 170 000 Stimmen hinter Trump. Und auch 2020 dürften diese Staaten eine Schlüsselrolle spielen. „Bei der verunsicherten Arbeiterklientel dort kommt Biden extrem gut an“, sagt Haas, der dem 76-Jährigen im Moment die besten Chancen einräumt, auch wenn es in Sachen Wirtschaft derzeit keine negative Stimmung in den USA gebe. Letztlich gilt es, auch bei den 2020 anstehenden Wahlen die Schlüsselstaaten Wisconsin, Pennsylvania und Michigan zu gewinnen. „Um die drei Staaten geht‘s“, sagt Haas.

Das könnte Sie auch interessieren