Im Februar dieses Jahres bot eine Galerie in Washington ein Spektakel besonderer Art an. Eine sogenannte „Konzept-Künstlerin“ hatte eine Frau verpflichtet, die Donald Trumps Tochter Ivanka täuschend ähnlich sieht. Die Doppelgängerin wurde in ein pinkfarbenes Kleid und Schuhe mit Stiletto-Absätzen gesteckt – und musste mit einem Staubsauger Brotkrumen entfernen, die Zuschauer auf einen ebenfalls pinken Teppich werfen durften.

Es sollte eine Persiflage auf die vielen Rollen von Ivanka Trump – Mutter, Chefberaterin des Präsidenten, Model und Ehefrau – sein und gleichzeitig auch indirekt eine Figur ins Lächerliche ziehen, die zu jener neuen Generation gehört, die in der US-Regierungshauptstadt als „Power-Frauen“ heute die Schlagzeilen und oft auch Direktiven der Politik mitbestimmen.

Die Tochter von Donald Trump (Republikaner), Ivanka, gilt als dessen einflussreichste Beraterin. Sie gehört offiziell keiner Partei an. Bild: AFP
Die Tochter von Donald Trump (Republikaner), Ivanka, gilt als dessen einflussreichste Beraterin. Sie gehört offiziell keiner Partei an. | Bild: Jim Watson

„Sprechpuppe“ des Präsidenten

An Attacken ist Ivanka Trump, wie auch die meisten der anderen Frauen mit Einfluss in Washington, gewohnt. Überraschend ist dabei allerdings, dass die Angriffe gegen die Präsidententochter auch aus dem Lager der Feministinnen kommen, die so gerne von Chancengleichheit reden. So schrieb die linke Frauenrechtlerin Joan Walsh, nachdem Ivanka bei einem G-20-Gipfel in einer Gesprächsrunde ihren Vater vertreten hatte: In „patriarchalischen Gesellschaften“ hätten Töchter einen großen Wert – sie seien „Eigentum“. Es sei „beängstigend“, welche Nachricht Ivanka über ihre Rolle und die von anderen Frauen in der Trump-Verwaltung sende.

Sprich: Ivanka Trump handele lediglich als Marionette ihre Vaters und habe kein Selbstbewusstsein. Den Vorwurf, nur eine Art „Sprechpuppe“ des Präsidenten zu sein, muss sich auch eine andere konservative Frau mit Macht immer wieder anhören. Kellyanne Conway, seit der Amtseinführung Trumps ebenfalls Beraterin und ein nahezu täglicher Gast bei TV-Schaltungen, könnte nach Ansicht von CNN als „ultimative Überlebende“ in einem Weißen Haus gelten, in dem das einzig Beständige der stete Personalwechsel zu sein scheint.

In einem von Unruhe und Chaos geprägten inneren Zirkel um Donald Trump hat Conway weiterhin Macht und das Ohr des Präsidenten, weil ihre Strategie lautet: Immer die Nachricht des Chefs verbreiten und ihm den Rücken decken, unabhängig von der Heftigkeit der Kritik. Das hat Conway übrigens mit Trumps viel angefeindeter Pressesprecherin Sarah Sanders gemeinsam. Über eines schweigt Conway jedoch fast immer eisern: Wie ihr Job ihre Ehe mit dem prominenten konservativen Rechtsanwalt George Conway beeinflusst, der keine Chance auslässt, den Geisteszustand Trumps anzuzweifeln und ihn als mental gestört zu bezeichnen.

Nur ein einziges Mal ließ sich die Beraterin und Mutter von vier Kindern zu einer Aussage zum Ehe-Thema hinreißen: Sie teile die Ansichten ihres Mannes über ihren Arbeitgeber nicht, verkündete sie lapidar auf eine Journalistenfrage. Und auch auf eine andere Frage, der sich auch andere „Power-Frauen“ immer wieder stellen müssen, gab sie eine Antwort: Wie sie denn „das alles“ eigentlich schaffe? Sie konterte mit einer Gegenfrage: Warum müssten sich eigentlich Männer mit Kindern nicht dazu äußern?

Trump-Beraterin Kellyanne Conway (Republikaner) rechtfertigt auch mal die „alternativen Fakten“, die der Präsident so von sich gibt.
Trump-Beraterin Kellyanne Conway (Republikaner) rechtfertigt auch mal die „alternativen Fakten“, die der Präsident so von sich gibt. | Bild: MANDEL NGAN

„Bloß nicht rumschubsen lassen“

Frauen mit Einfluss und Macht finden sich seit den letzten Kongresswahlen aber auch im anderen politischen Spektrum der US-Hauptstadt. Da ist zunächst einmal Nancy Pelosi, die einflussreiche Sprecherin für die Demokraten-Mehrheit im Repräsentantenhaus. Die 79-Jährige aus Kalifornien sitzt seit 1987 als Volksvertreterin im Kapitol – und gibt derzeit die Tonart vor bei der die Opposition spaltenden Frage, ob man denn gegen Trump ein Amtsenthebungs-Verfahren einleiten soll. Sie lehnt dies als unangemessen und Gefahr für die Wahlchancen im Jahr 2020 ab – und verteidigt energisch diese Position.

Gemäß jener Devise, die sie gerne anderen Frauen mit auf den Weg gibt: „Bloss nicht herumschubsen lassen“. Es ist eine Aufforderung, die sie einer der neugewählten Abgeordneten nicht zweimal sagen muss. Denn die erst 28-jährige Alexandria Ocasio Cortez, die für die Demokraten den rauen New Yorker Stadtteil Bronx vertritt, hat es mit unbeirrbarem Selbstbewusstsein zu einem der „Shooting stars“ in Washington geschafft und sich nahezu unbegrenzte Medien-Aufmerksamkeit gesichert. Sie gehört zu den 102 Frauen im Repräsentantenhaus – dem bisher größten Anteil in der US-Geschichte. Ein Viertel der Volksvertreter ist derzeit weiblich.

Über erhebliche Steherqualitäten verfügt die Sprecherin des US-Repräsentatenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi.
Über erhebliche Steherqualitäten verfügt die Sprecherin des US-Repräsentatenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi. | Bild: AFP

Im politischen Alltag angesichts ihres Doppel-Nachnamens nur „AOC“ genannt, handelte die ehemalige Eckkneipen-Serviererin mit Universitäts-Abschluss, die gerne sozialistische Thesen vertritt und als Extrem-Klimaschützerin sogar vom Ende des kommerziellen Flugreise-Verkehrs träumt, von Tag eins ihrer politischen Karriere nach der Devise: „Du kannst das Establishment schlagen.“

Sie gilt als inoffizielle Sprecherin einer neuen progressiven Bewegung unter den Demokraten – und wenn sie eine Linie wie etwa bei der Kritik der Siedlungspolitik Israels vorgibt, folgt ein Teil der Partei nur allzu willig. An eine Präsidentschaftskandidatur denkt sie offiziellen Angaben zufolge noch lange nicht. Das tun allerdings andere: Unter den bisher knapp 20 Bewerbern der Opposition befinden sich monentan auch sechs Frauen, die es 2020 besser als Hillary Clinton im Jahr 2016 machen wollen.

(COMBO) This combination of pictures created on May 14, 2019 shows,
A file photo taken on March 16, 2019, former US vice president Joe Biden speaks during the First State Democratic Dinner in Dover, Delaware. and
A file photo taken on February 27, 2019 US Congresswoman Alexandria Ocasio-Cortez (D-NY) listens as Michael Cohen, attorney for President Trump, testifies before the House Oversight and Reform Committee in the Rayburn House Office Building on Capitol Hill in Washington, DC. - Democratic 2020 frontrunner Joe Biden was forced into defending his environmental record on May 14, 2019 after a popular progressive in Congress demanded presidential hopefuls abandon a "middle-of-the-road" approach to combatting climate change. "You never heard me say middle of the road. I've never been middle of the road on the environment," the former vice president, 76, said at a campaign stop in New Hampshire, a day after first-term congresswoman Alexandria Ocasio-Cortez implicitly rebuked Biden over the issue. (Photos by SAUL LOEB and MANDEL NGAN / AFP)
Alexandria Ocasio-Cortez ist die neue, junge Stimme der Demokraten. Der jungen Frau aus der Bronx wird eine Menge zugetraut. | Bild: Mandel Ngan

Besser machen als Hillary

Clinton gewann zwar die Mehrheit aller angegebenen Stimmen, doch der ultimative historische Erfolg – die erste Präsidentin der USA zu sein – wurde ihr aus zwei Hauptgründen versagt: Aufgrund des Bundesstaats-Wahlmännersystems, das vor allem von Demokraten gerne kritisiert wird. Und der Unfähigkeit, eine klare Botschaft gerade an Wähler in vom Aufschwung vergessenen Staaten zu senden. Besser machen wollen es nun Bewerberinnen wie die Senatorinnen Kamala Harris, Elizabeth Warren oder Amy Klobuchar.

Doch vor ihnen türmt sich nun erst einmal ein großes Hindernis auf: Dem 76-jährigen Ex-Vizepräsidenten Joe Biden gelten seit der Bekanntgabe seiner Kandidatur die Sympathien der US-Medien, und auch bei den Demoskopen schneidet er als Favorit ab. Führende Zeitungen nannten ihn schnell den „Erwachsenen“ im Bewerberfeld. Was allerdings der prominenten Autorin Leta Fincher gar nicht gefiel. Sie kommentierte auf Twitter, eine solche Klassifizierung Bidens beleidige auch „die fabelhaften Frauen“, die ebenfalls ins Weiße Haus wollten.

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