In der multikulturellen Stadt Biel im Schweizer Kanton Bern war sie keine gern gesehener Gast. Jetzt versucht die AfD-Politikerin aus Überlingen einen Neustart auf eidgenössischem Boden.

Zuerst hatte das Schweizer Boulevardblatt Blick darüber berichtet, dass die Bundestagsfraktionsvorsitzende ausgerechnet einen der bekanntesten Wallfahrtsorte der Schweiz als neue Zweitheimat auserkoren hat: Einsiedeln im Kanton Schwyz, eine 16 000-Einwohner zählende Gemeinde im Herzen der Schweiz kennen viele wegen seins Barockklosters, dessen Wurzeln bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen.

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Attika-Wohnung im Wallfahrtsort

Das Boulevardblatt berichtet von einer geräumigen „Viereinhalbzimmer-Attika-Wohnung mit Blick auf den Sihlsee“, das Weidel mit ihrer Lebensgefährtin bezogen haben soll. Mit Attika-Wohnung wird in der Schweiz eine Penthouse-Wohnung bezeichnet, also eine Wohnung auf dem Dach eines mehrgeschossigen Gebäudes.

„Die Aufregung um einen angeblich ‚erneuten Umzug‘ ist aus meiner Sicht nicht ganz nachvollziehbar“, sagt Weidels Sprecher Daniel Tapp dem SÜDKURIER auf Anfrage. Am Wohnsitzstatus in Deutschland und der Schweiz habe sich in den vergangenen fünf Jahren nichts geändert: „Der Schweizer Aufenthaltsstatus ergibt sich aus einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit einer Schweizer Staatsbürgerin.“

Weidels Haupt- und Steuerwohnsitz befinde sich nach wie vor in Deutschland: „Es ändert sich auch nichts an ihrer Zugehörigkeit zum AfD Kreisverband Bodenseekreis.“ Die AfD-Bundestagsabgeordnete hat ihren Wohnsitz in Überlingen. Allerdings zahlte Weidel nach Berichten der Neuen Zürcher Zeitung auch in Biel Steuern, als sie dort noch wohnte.

Den Wohnsitz in der Stadt, einer als links geltenden Gemeinde, in der auch viele Muslime leben, hat Alice Weidel schon nach gut anderthalb Jahren im vergangenen November wieder aufgegeben. Die AfD-Fraktionsvorsitzende hatte dort mit ihrer Partnerin, eine Schweizer Filmemacherin, die aus Sri Lanka stammt, eine Eigentumswohnung bezogen.

Unbeliebt in Biel

Doch die Rechtspopulistin sah sich dort zunehmender Ablehnung ausgesetzt – wegen ihrer politischen Haltung. Ein früherer Nachbar zitierte der Schweizer Tagesanzeiger mit den Worten: „Seit ich weiß, wo Alice politisch steht, würde ich sie nicht mehr einladen.“ Das Paar, das seit Jahren in der Bieler Kulturszene unterwegs war, hatte der Mann früher selbst als „total cool“ beschrieben. Doch Weidels rechtspopulistische Partei traf in Biel auf Ablehnung.

Das könnte im Wallfahrtsort Einsiedeln anders werden: Die Wahl des neuen Wohnsitzes erscheint nicht mehr ganz so zufällig, wenn man weiß, dass die ebenfalls populistisch auftretende Schweizer Partei SVP dort stärkste Kraft ist. Weidel dürfte dort also eher auf Gleichgesinnte treffen.

Allerdings, so philosophierte die Neue Züricher Zeitung, könnte dort ihre lesbische Beziehung für Gesprächsstoff sorgen – die Gegend gelte als katholisch geprägt, das Kloster hat das Dorf, auf 800 Metern Höhe gelegen, immerhin berühmt gemacht. Die Gnadenkapelle und die Figur der Schwarzen Madonna genießen unter Katholiken großes Ansehen.

Rechtshilfe aus Zürich

Weidels Verbindungen zur Schweiz waren im vergangenen Jahr durch die Medien gegangen: Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt wegen illegaler Parteispenden, die für Weidels Bundestagswahlkampf 2017 in mehreren Tranchen zunächst von einer Schweizer Pharmafirma an Weidels Kreisverband überwiesen worden waren. Insgesamt mehr als 130 000 Euro flossen so nach Deutschland.

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Parteispenden aus dem Nicht-EU-Ausland über 1000 Euro sind allerdings verboten. Hinzu kommt, dass hinter den Spenden offenbar 14 Gönner steckten. Strohmannspenden sind generell illegal. Von wem das Geld tatsächlich stammt, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Befragungen in der Schweiz

Die Staatsanwaltschaft Konstanz hatte bereits im Winter Rechtshilfe bei den Schweizer Behörden beantragt. Nun bestätigt ein Sprecher dem SÜDKURIER in einem Telefonat: „Die Schweizer haben die Rechtshilfe bewilligt, wir warten derzeit auf die Ausführung der erbetenen Ermittlungsmaßnahmen.“ Ein Sprecher der Zürcher Staatsanwaltschaft bestätigt dies, das Gesuch wurde demnach bereits im Frühjahr bestätigt.

Zu den bereits festgelegten Terminen zu Befragungen in der Schweiz lebender Zeugen oder möglicher Tatverdächtiger wollte sich die Konstanzer Behörde allerdings nicht äußern. Die Amtshilfe war lange als unsicher eingestuft worden, weil Parteispenden ins Ausland in der Schweiz keinen Strafbestand darstellen.