Die Schweiz ist für Alice Weidel offenbar keine Alternative mehr zu Deutschland: Die AfD-Fraktionschefin im Bundestag und Abgeordnete des Bodensee-Wahlkreises wird dem schweizerischen Biel den Rücken kehren. Entsprechende Medienberichte von Freitag bestätigte ihr Sprecher Daniel Tapp auf Anfrage gegenüber dem SÜDKURIER.

Sprecher bestätigt Umzug

"Ja, es stimmt, Frau Weidel wird die Wohnung in Biel aufgeben", teilte Tapp gestern mit. Weidel bewohnt in Biel gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin, einer Schweizer Filmemacherin, eine Eigentumswohnung. Gemeinsam ziehen sie zwei Söhne groß. Zuvor hatte der Schweizer Tagesanzeiger berichtet, Weidel ziehe mit ihrer Familie nach Berlin. Dort wohnt die 39-Jährige ohnehin während der Sitzungswochen des Bundestags. Als Fraktionsvorsitzende der AfD hat sie dort eine Dienstwohnung.

Bislang unbekanntes Ziel

Den Umzug der ganzen Familie in die Hauptstadt wollte Weidels Sprecher allerdings gegenüber unserer Zeitung weder dementieren noch bestätigen. Ihren Hauptwohnsitz in Überlingen, wo Weidel ebenfalls gemeldet ist, wird die AfD-Politikerin offenbar beibehalten. "Es ändert sich an der Wohnsitz-Situation von Frau Weidel in Deutschland nichts", teilte Tapp mit. "Weiter möchte sie sich zu der privaten Angelegenheit nicht äußern."

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Zunehmend schwerer Stand

Der Tagesanzeiger berichtet, die Familie habe bei den Einwohnern in Biel schon länger einen zunehmend schweren Stand gehabt. Biel ist als multikulturelle Stadt bekannt, in der eher linksverorteten Kulturszene haben sich Weidel und ihre Partnerin seit Jahren bewegt. Doch dort seien sie zunehmend auf Ablehnung gestoßen. "Seit ich weiß, wo Alice politisch steht, würde ich sie nicht mehr einladen", zitiert die Schweizer Zeitung einen Nachbarn in Biel, der das lesbische Paar früher nach eigener Aussage "total cool" gefunden habe. Nun, da die Nachricht über den Wegzug durchsickere, seien viele erleichtert.

Gelebte Widersprüche

"Sie passt einfach nicht in eine Stadt, in der 130 Sprachen gesprochen werden und Menschen aus allen Ländern zusammenkommen", wird ein Bieler Kulturmanager zitiert. Die gelebten Widersprüche des Paars, das einerseits Kontakt mit syrischen Flüchtlingen pflegte, sich offen zeigte und an guter Nachbarschaft interessiert war, während Weidel an der Spitze der AfD im deutschen Bundestag andererseits gegen Migranten und Ausländer Stimmung macht, gingen in der Nachbarschaft niemandem in den Kopf.

Biel kein Rückzugsort mehr

Auch die "Süddeutsche Zeitung" schildert einen Vorfall auf einem Seefest in Biel im vergangenen Sommer, bei dem Weidel mitgeteilt worden sein soll, dass der Anlass der Feier nicht mit ihren politischen Überzeugungen übereinstimme. Der Darstellung, sie habe das Fest daraufhin fluchtartig verlassen, habe Weidel aber widersprochen, wie die "Bild"-Zeitung berichtet.

Ermittlungen gegen Weidel

Die Schweiz dürfte für Alice Weidel aber auch nach dem Wegzug noch Thema bleiben. Nach dubiosen Wahlkampfspenden aus der Schweiz an den AfD-Kreisverband Bodenseekreis ermittelt die Staatsanwaltschaft Konstanz seit vergangener Woche offiziell gegen Weidel und drei weitere Mitglieder des AfD-Kreisverbands wegen des Anfangsverdachts auf Verstoß gegen das Parteiengesetz. Die AfD hatte bestätigt, dass im vergangenen Jahr rund 130000 Euro von einer Schweizer Pharmafirma an den AfD-Kreisverband Bodensee überwiesen wurden. Als Verwendungszweck sei angegeben gewesen: "Wahlkampfspende Alice Weidel". Das Geld wurde den Angaben zufolge in diesem Frühjahr zurückgezahlt. Kurz darauf wurde eine zweite Großspende bekannt. Spenden von Nicht-EU-Bürgern an deutsche Parteien sind illegal.