Liebe Maus,

eigentlich wäre es ja schön, dich beim Namen nennen zu können. Allerdings hast du keinen, Generationen von Kindern kennen dich einfach nur als „die Maus“. Und mal ehrlich, wie würdest du als TV-Star Jahrgang 1971 wohl heißen? Die beliebtesten Vornamen damals waren Nicole und Michael. So weit, so gut, aber …

Die Karriere der Erklärmaus der Nation begann am 7. März 1971 – exakt 50 Jahre später, am 7. März 2021, läuft bereits Folge 2309 ihrer Show. Wenn das keine Leistung ist! Zu sehen ist „Die Sendung mit der Maus“ immer sonntags in der ARD und bei Kika. Am 6. März um 20.15 Uhr zeigt die ARD „Frag doch mal die Maus – die große Geburtstagsshow“.
Die Karriere der Erklärmaus der Nation begann am 7. März 1971 – exakt 50 Jahre später, am 7. März 2021, läuft bereits Folge 2309 ihrer Show. Wenn das keine Leistung ist! Zu sehen ist „Die Sendung mit der Maus“ immer sonntags in der ARD und bei Kika. Am 6. März um 20.15 Uhr zeigt die ARD „Frag doch mal die Maus – die große Geburtstagsshow“. | Bild: WDR/Michael Schwettmann

Erstens bist du ja weder Mädchen noch Junge, und zweitens würde selbst ein neutraler Vorname die Sache nur verkomplizieren, weil er ja irgendwann aus der Mode kommt. Dann doch lieber „die Maus“, damit kann jedes Kind zu jeder Zeit was anfangen, und Erwachsene auch.

Danke für 50 Jahre!

Warum du diesen Brief bekommst: Es wird Zeit, Danke zu sagen. Danke für 50 Jahre, in denen du Fragen beantwortet hast, die viele sich noch nie gestellt hatten. Und das so leicht verständlich, dass deine Zuschauer auch Jahre später noch problemlos anderen erklären können, wie die Streifen in die Zahnpasta kommen und die Löcher in den Käse.

In der ersten Folge deiner „Sendung mit der Maus“ haben deine Zuschauer gelernt, wie Löffel und Gabeln hergestellt werden. Gute Frage eigentlich. Ebenso wie jede andere, die in weit mehr als 2000 Sendungen folgte. Dein Name ist zum Synonym für unterhaltsames Kinderfernsehen mit Bildungsanspruch geworden. Ja, das klingt gestelzt, ist aber wahr und absolut positiv gemeint.

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Zwar erklärst du deinen Zuschauern das Leben nicht selbst, schließlich sprichst du ja nicht einmal, aber du lässt erklären und gibst dein Gesicht dafür her. Dafür: Danke! Das darfst du gern auch deinem Regisseur Armin Maiwald und deiner Illustratorin Isolde Schmitt-Menzel ausrichten.

Eigentlich ist es ja erstaunlich, dass du nach 50 Jahren noch nicht im Ruhestand bist. So lange haben es nicht viele Fernsehsendungen ausgehalten. Na gut, der Tatort – aber keiner der Ermittler ist so lange im Geschäft wie du, nicht mal Lena Odenthal.

Veränderung? Nein, danke!

Wie machst du das nur? Ich glaube ja, dein Erfolgsgeheimnis ist, dass du dich einfach nicht veränderst. Selbstoptimierung? Kein Thema für dich. Und trotzdem durftest du mit Alexander Gerst ins Weltall fliegen. Am Südpol hat die „Polarstern“- Besatzung eine Fahne für dich gehisst.

Du hast wirklich überall Fans. Und die vergessen dich auch nicht, bloß weil sie erwachsen werden. Im besten Fall geben sie ihre Begeisterung an ihre eigenen Kinder weiter. Mit diesem Kreislauf kannst du 100 Jahre alt werden, oder wenigstens 80. So hoch liegt die Lebenserwartung in Deutschland. Das gilt offiziell für Menschen, aber vielleicht ja auch für eine Supermaus.

2019 zeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (links) nicht nur „Sendung mit der Maus“-Moderator Ralph Caspers mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus – auch die Maus bekam einen Orden, „weil sie seit so vielen Jahren die Fragen von Kindern und Jugendlichen beantwortet“.
2019 zeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (links) nicht nur „Sendung mit der Maus“-Moderator Ralph Caspers mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus – auch die Maus bekam einen Orden, „weil sie seit so vielen Jahren die Fragen von Kindern und Jugendlichen beantwortet“. | Bild: WDR/BPA/Henning Schacht

Du hast sogar eine Samstagabendshow in der ARD („Frag doch mal die Maus“), um die dich garantiert viele Moderatoren beneiden. Aber das Beste bleiben die 30-Sekunden-Filme in deinen Lach- und Sachgeschichten immer sonntags nach dem Frühstück (oder davor): Darin löst du jedes Problem, weil du nie um eine gute Idee verlegen bist.

Notfalls fährst du deine Beine wie Teleskopstangen aus und machst deinen Schwanz zum Multifunktionswerkzeug. Toll. Und weißt du was? So schön wie niemand anderer zeigst du, dass Maus auch nach 50 Jahren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht angestaubt sein muss. Du hast eine App und bist sogar auf Instagram. Mach weiter so!

Darauf einen Augenaufschlag, Klack-Klack.