• So reagieren Freunde und Verwandte: "Du bist verrückt!"

Meine Mutter bricht am Kaffeetisch in ungläubiges Gelächter aus und mein Papa fragt entgeistert: "Und wie stellst du dir das vor?" Diese Reaktionen auf mein Auto-Fasten war ich zu diesem Zeitpunkt schon gewohnt. Freunde und Kollegen reagierten ähnlich, machten sich sogar Sorgen. Am Anfang fand ich das überzogen. Auch ich war mit einer gesunden Portion Skepsis an das Auto-Fasten herangetreten und hatte schnell festgestellt, dass Fahrten in die Heimat Heilbronn mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu bewerkstelligen sind.

Die Fernbusse hatten – wenn überhaupt fährt einer ab Meersburg – allesamt unmögliche Abfahrtzeiten und waren dann eine Ewigkeit unterwegs. Die Bahn wäre sündhaft teuer. Von meiner Wohnung in Uhldingen-Mühlhofen in die Heimat Heilbronn braucht der Zug vier Stunden und 30 Minuten und kostet im Sparpreis etwa 25 Euro. Mit dem Auto bin ich zwei Stunden schneller und der Sprit ist günstiger. Beim täglichen Pendeln zwischen Mühlhofen und dem SÜDKURIER-Medienhaus in Konstanz war ich aber fest entschlossen: Hier wird auf das Auto verzichtet!

  • Meine ersten Tage: Der Schlachtplan fährt Bus

Die erste Lektion lernte ich kurz vor Aschermittwoch: Vorbereitung ist alles. Doch hier stieß ich schon auf die ersten Probleme. Wo finde ich Fahrpläne, woher weiß ich, wo sich die Bushaltestellen befinden, welche Busse welche Strecken fahren und wie viel das dann kostet? Ich war erstaunt, wie schwer diese Informationen zu finden sind. Letztlich konnte ich die Fahrpläne jedoch ausfindig machen.

Das Auto bleibt unverzichtbar: Für Sandor Kipar endete der Selbstversuch in der Fastenzeit mit einem Abbruch.
Das Auto bleibt unverzichtbar: Für Sandor Kipar endete der Selbstversuch in der Fastenzeit mit einem Abbruch. | Bild: Gora, Aldo

Beim Planen wurde ich dann doch etwas nervös. Ich verglich Uhrzeiten, schaute nach Umsteigemöglichkeiten und wann ich am Abend spätestens die Redaktion verlassen muss, um überhaupt wieder nach Hause zu kommen. Was mache ich, wenn der letzte Bus ohne mich abfährt? Fahre ich dann Taxi oder per Anhalter? Kann ich im Notfall vielleicht sogar laufen? Diese Fragen gingen mir auch am Morgen von Aschermittwoch durch den Kopf.

Eine Stunde früher als üblich verließ ich meine Wohnung in Mühlhofen und stapfte durch die Kälte zur Bushaltestelle. Insgesamt drei Mal musste ich umsteigen: am Marktplatz in Oberuhldingen, an der Fähre in Meersburg und auf der anderen Seeseite in Konstanz. Meine Verunsicherung muss man mir angesehen haben. Eine ältere Frau sprach mich beim Umsteigen in Oberuhldingen an: "Suchen Sie denn etwas?" "Ich muss nach Meersburg zur Fähre. Ist das der Bus da drüben?" "Nein, das ist der 7395er." "Aha, danke." Gespräche an Bushaltestellen eben.

  • Die Schwierigkeiten: Mann, ist das teuer!

Morgens früher aufstehen, weil ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln länger unterwegs bin, war für mich kein Problem. Die Strecke an sich hat wunderbar funktioniert: Ich bin nirgends gestrandet und kam auch wohl behalten wieder nach Hause. Nur die Kosten für die Bus-Tickets erstaunten mich: An einem Tag zahlte ich 10,60 Euro für die gesamte Strecke. Da ist die Fähre noch nicht mitgerechnet. Das Problem dabei sind die unterschiedlichen Verkehrsanbieter, Deutsche Bahn und Stadtwerke Konstanz. Ich muss deshalb zwei Tageskarten für meine Strecke kaufen.

Aus diesem Grund hatte ich kurzerhand beschlossen, mit dem Fahrrad zur Fähre zu fahren. Die Kosten halbieren sich und ich mache etwas für meine Gesundheit. Dachte ich. Nachdem ich durch eine Radtour durch eisigen Schneeregen krank im Bett landete, ist mir die Lust am Radeln allerdings vergangen. Seitdem fahre ich wieder mit dem Auto.

  • Die Vorteile: Keine Chance

Viel Geld, viel Zeit und eine ausgewachsene Erkältung haben mich allein eine Woche Fasten gekostet. Der Wille, auf das Auto zu verzichten war da, die Gründe vielfältig. Zum Beispiel etwas für die Umwelt und die eigene Gesundheit tun. Ein ambitioniertes Vorhaben, das gründlich schief gelaufen ist. Einen wirklichen Vorteil kann ich daraus leider nicht ziehen, weshalb ich meine Fastenzeit schon beendet habe.

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