• So reagieren Freunde und Verwandte: Viel Zustimmung und Frohe Ostern

Beim morgendlichen Blick auf das Handy-Display herrscht gähnende Stille. Keine Nachricht, kein Vibrieren und kein Piepsen ist zu vernehmen. WhatsApp ruht. Die App ist ausgestellt, sämtliche Mitteilungen über neue Nachrichten sind deaktiviert und das Icon selbst habe ich auf den hintersten Bereich meines Smartphones verbannt. So kommt nichts mehr zu mir durch. Zeitsprung auf den Abend zuvor. Bei WhatsApp gibt es die Funktion "Broadcast", die es einem erlaubt, eine Nachricht an mehrere Empfänger zu schicken – äußerst praktisch dieses WhatsApp, muss man schon sagen. Da verfasste ich also meinen Abschiedstext an alle wichtigen Kontakte. Prompt kamen schon die ersten Reaktionen von Freunden.

Darunter waren überraschend viele Glückwünsche und Zustimmungs-Schreiben für das Messenger-Fasten. Ein Freund wünschte mir jetzt schon "Frohe Ostern!" Die meisten fanden es gut, dass ich auf die App, die inzwischen die Alltagskommunikation eines Großteils der Menschen dominiert, verzichte. Ganz offenbar beobachten viele an sich selbst, dass sie unablässig am Handy schreiben und somit eine Menge Zeit wegkommt und das mit einem fraglichen Nutzen.

Bis Ostern kein WhatsApp lautet die Devise für SÜDKURIER-Redakteur David Bäuerle. Nach dem ersten Tag des Messenger-Verzichts sind noch ...
Bis Ostern kein WhatsApp lautet die Devise für SÜDKURIER-Redakteur David Bäuerle. Nach dem ersten Tag des Messenger-Verzichts sind noch keine Entzugserscheinungen aufgetreten. | Bild: Aldo Gora
  • Meine ersten Tage: Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich

Die ersten Tage gingen an sich problemlos vorbei – auch weil ich einige Verabredungen schon vorab geklärt oder per E-Mail festgezurrt habe. Alles kein Problem also. Der Reflex aufs Handy zu schauen bleibt natürlich konstant stabil. Doch abgesehen von ein paar Eilnachrichten weit und breit tote Hose. Also wieder weg das Ding, verpasse ja sowieso nichts. Doch das mulmige Gefühl, eine wichtige Nachricht unter all den Nichtigkeiten zu verpassen, wird stärker. Auch der Gedanke, jemand über die eigene WhatsApp-Abstinenz versehentlich nicht informiert zu haben, drängt sich auf. Doch was nützt das schon. Jetzt ist es sowieso zu spät.

  • Die Schwierigkeiten: Ich fühle mich ausgeschlossen

Ohne WhatsApp bekomme ich natürlich sämtliche Geschehnisse oder Verabredungen im Freundeskreis nicht mehr mit. Ein leichtes Gefühl der Ausgeschlossenheit beschleicht mich daher natürlich schon. Ist irgendwas für Samstagabend geplant? Oder nicht? Und nicht nur der Austausch mit Freunden findet über den Messenger statt. Auch zum Beispiel der Austausch mit Vermieter oder etwa der Autowerkstatt findet über WhatsApp statt. Was, wenn mich eine wichtige Nachricht nicht erreicht? Keine Ahnung. Ich werde es wohl erst an Ostern erfahren.

  • Die Vorteile: Ich konzentriere mich auf das Wesentliche

Bei mir selbst stellte ich fest, dass die meiste Zeit bei WhatsApp durch das Lesen der vielen Nachrichten in den unterschiedlichen Gruppen verschwendet wird. Da gibt es die Freundes-Gruppen, die Familien-Gruppe, dann natürlich die Event-Gruppen. Diese werden nur zu bestimmten Anlässen gegründet und doch findet sich immer Jemand, der auch dort etwas reinstellt, das mit dem eigentlichen Zweck der Gruppe überhaupt nichts zu tun hat.

In all diesen Gruppen werden neben Uhrzeiten und Treffpunkte für Verabredungen vor allem eines geschickt: Massenhaft Bilder und sagen wir mal mehr oder weniger witzige Videos – wer kennt das nicht? Man weiß eigentlich schon beim Erblicken der Vorschau auf das nächste Gag-Bild, dass sich dahinter nicht die Pointe des Jahrhunderts verbirgt, sondern allenfalls ein laues Witzchen. Dabei ließe sich der wichtige Teil sämtlicher WhatsApp-Nachrichten an einem Tag möglicherweise auf wenige Zeilen zusammenfassen. Aber dann wäre ja auch das ganze Konstrukt WhatsApp überflüssig. Durch meinen Verzicht wird sich meine Kommunikation über das Smartphone so vielleicht wieder auf das Wesentliche beschränken. Und das ist doch wirklich ein Gewinn.

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