Auftakt in Nevers. In der Hauptstadt des Département Nièvre beginnt die Radreise an den Atlantik.
Auftakt in Nevers. In der Hauptstadt des Département Nièvre beginnt die Radreise an den Atlantik. | Bild: Wallisch, Roland

Mit dem Zug bin ich nach Nevers gereist, um von dort den Eurovelo6 fortzusetzen, nachdem ich vor zwei Jahren den Abschnitt von Montbéliard bis Nevers geradelt war. Jetzt sollte die Loire im Mittelpunkt stehen. Im Prinzip führt der Eurovelo 6 westwärts ab Digoin im Département Saône-et-Loire immer an der Loire entlang. Weil ich es aber in der gegebenen Zeit unbedingt bis ans Meer schaffen wollte, kürzte ich ab. Von Nevers radelte ich nicht den Bogen nach Norden über Orléans immer an der Loire entlang, sondern direkt nach Bourges.

Die Felder sind abgeerntet, am zweiten Tag steigt das Thermometer deutlich über Körpertemperatur.
Die Felder sind abgeerntet, am zweiten Tag steigt das Thermometer deutlich über Körpertemperatur. | Bild: Wallisch, Roland

Das ist vom Raderlebnis her etwas mager, zumal bei Temperaturen, die Ende Juli über die 40 Grad gingen. Bourges selbst ist aber allemal die Abkürzung wert: Ein intaktes Zentrum und eine grandiose Cathédrale St.Etienne aus dem 14. Jahrhundert, die zum Weltkulturerbe zählt.

Die Kathedrale St. Etienne in Bourges. Sie ist Weltkulturerbe und eine Etappe wert.
Die Kathedrale St. Etienne in Bourges. Sie ist Weltkulturerbe und eine Etappe wert. | Bild: Wallisch, Roland

An die Loire stieß ich erst wieder nach Azay-le-Rideau bei Bréhémont, wo die Indre in die Loire mündet.

Endlich. Die Loire ist erreicht bei Bréhémont.
Endlich. Die Loire ist erreicht bei Bréhémont. | Bild: Wallisch, Roland

Aber gemach. Von Bourges nach Vierzon radelte ich noch durch die Hitze, dann stieg ich in den Zug nach Chenonceau und baute mein Zelt in der Nähe des wunderbaren Schlosses auf, beobachtet von einem Wiedehopf, der im recht trockenen Gras herumpickt.

Das Schloss verdankt sein Aussehen und seine Ausstrahlung vor allem Frauen, wie etwa Katharina von Medici. Sie war es, die die Bogenbrücke überbauen ließ und so das Schloss unverwechselbar machte.

Reizender kann ein Schloss kaum liegen. Das Frauenschloss Chenonceau als Brücke über den Cher, der später in die Loire mündet.
Reizender kann ein Schloss kaum liegen. Das Frauenschloss Chenonceau als Brücke über den Cher, der später in die Loire mündet. | Bild: Wallisch, Roland

Azay-le-Rideau – auch da klingelt es in den Ohren der Schlossbewunderer im Loire-Tal.

Azay-le-Rideau ist ein Musterbeispiel für die Renaissance-Architektur. Hier ging es weniger um trutzige Bauwerke, als um richtig schöne.
Azay-le-Rideau ist ein Musterbeispiel für die Renaissance-Architektur. Hier ging es weniger um trutzige Bauwerke, als um richtig schöne. | Bild: Wallisch, Roland

Der wunderbare Renaissance-Bau, der erst vor Kurzem renoviert wurde und seither auch bis zum Dachstuhl besichtigt werden kann, ist vollständig möbliert, die aufschlussreiche Führung ist im Preis inbegriffen.

Wer das Schloss von Azay-le-Rideau an der Indre auf dem Kopf sehen will, braucht keinen Kopfstand zu machen. Das erledigt das Wasser rundherum.
Wer das Schloss von Azay-le-Rideau an der Indre auf dem Kopf sehen will, braucht keinen Kopfstand zu machen. Das erledigt das Wasser rundherum. | Bild: Wallisch, Roland

Dann endlich die Loire. Der naturbelassene Fluss, es ist der längste in Frankreich, mäandert zwischen Sandbänken, bewaldeten Ufern, schafft Inseln und schleift sie wieder, kräuselt sich, strömt ein Stückchen, hält sich in Sackgassen etwas auf, oder heißt Zuflüsse willkommen, wie etwa die Vienne bei Candes St. Martin.

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Wer an der Loire entlangradelt, muss immer wieder Zuflüsse überqueren. Das hier ist die Vienne, die bei Candes St. Martin in die Loire mündet.
Wer an der Loire entlangradelt, muss immer wieder Zuflüsse überqueren. Das hier ist die Vienne, die bei Candes St. Martin in die Loire mündet. | Bild: Wallisch, Roland

Mal führt der Eurovelo 6 am Südufer, mal am Nordufer. Weil die Loire hier von Ost nach West fließt, inszeniert sie sowohl Sonnenauf- wie Sonnenuntergänge zur vollen Freude der Amateurfotografen und liefert ihnen schimmernde Spiegelungen und goldene Sandbänke.

Westwärts fließt die Loire, der untergehenden Sonne nach.
Westwärts fließt die Loire, der untergehenden Sonne nach. | Bild: Wallisch, Roland

Es ist genau dieses Spiel von Licht, Wasser, Sand und Strömungen, die die Stadt Saumur zur wohl fotogensten Stadt Frankreichs macht.

Früher Abend: Die Loire fließt zwischen Sandbänken und um Inseln herum durch Saumur, überragt von dem Schloss. Bilder: Roland Wallisch
Früher Abend: Die Loire fließt zwischen Sandbänken und um Inseln herum durch Saumur, überragt von dem Schloss. Bilder: Roland Wallisch | Bild: Wallisch, Roland

Das Stadtgebiet erstreckt sich über beide Ufer und einer Insel dazwischen, wo übrigens auch der Zeltplatz liegt. Am Südufer ragt die schlossartige Burg empor und spiegelt sich in der Loire. Eine alte Bogenbrücke verbindet die Ufer.

Links das Schloss von Saumur, unten die Bogenbrücke, die hinüber führt auf eine Insel, von der aus eine weitere Brücke ans Nordufer der Loire reicht.
Links das Schloss von Saumur, unten die Bogenbrücke, die hinüber führt auf eine Insel, von der aus eine weitere Brücke ans Nordufer der Loire reicht. | Bild: Wallisch, Roland

Ob morgens oder abends, diese Stadtsilhouette ist ein Ausbund an Schönheit, die sie der Loire verdankt.

Reichlich Natur bietet die Loire. Aber sie bietet auch viel Kultur. Baukultur beispielsweise. Zu den Schlössern kommen noch etliche Kirchen hinzu, zum Beispiel die von Cunault. Ihre Reliefs an der Nordfassade des Turms erzählen ganze Romane.

Und noch so ein altes Gemäuer: Die Kirche von Cunault.
Und noch so ein altes Gemäuer: Die Kirche von Cunault. | Bild: Wallisch, Roland

Nach Angers mündet die Maine in die Loire. Dort taucht ein aufrecht stehender Fels am Ufer auf. Er ist 15 Meter hoch und dient Kletterern als Übungsfels.

Ganz unvermittelt: Der Bécherelle-Stein. Der Findling diente den Loire-Schiffern als Orientierung.
Ganz unvermittelt: Der Bécherelle-Stein. Der Findling diente den Loire-Schiffern als Orientierung. | Bild: Wallisch, Roland

Ach, ein kleiner Einschub. Ist Frankreich nicht auch für sein gutes Essen bekannt. In Montjean-sur-Loire erlebe ich ein ausgezeichnetes Dreigangmenü mit einem Seehecht im Hauptgang. Einfach lecker.

Auch das sind Sehenswürdigkeiten: Das Essen in Frankreich. Dieser Seehecht mit Gemüse und Beurre Blanc in Montjean-sur-Loire schmeckte hervorragend.
Auch das sind Sehenswürdigkeiten: Das Essen in Frankreich. Dieser Seehecht mit Gemüse und Beurre Blanc in Montjean-sur-Loire schmeckte hervorragend. | Bild: Wallisch, Roland

In Nantes selbst ist die Loire etwas gebändigt. Ehemalige Flussarme sind überbaut, aber eine große Insel ist geblieben. Die Werften sind mittlerweile draußen in St. Nazaire. Die Kreuzfahrtschiffe, die dort gebaut werden, wären viel zu gigantisch für die Insel in Nantes. Auf ihr entstehen eigenartige Fantasiegebilde, wie zum Beispiel ein maschinengetriebener Riesenelefant.

Zu den ganz außergewöhnlichen Besonderheiten von Nantes gehört die Ile de Nantes mit ihren Machines de l‘ile, zu denen dieser Elefant gehört, der Touristen auf der Insel spazieren führt.
Zu den ganz außergewöhnlichen Besonderheiten von Nantes gehört die Ile de Nantes mit ihren Machines de l‘ile, zu denen dieser Elefant gehört, der Touristen auf der Insel spazieren führt. | Bild: wal

Der Radweg führt an der nun schon sehr breiten Loire entlang. Der typische Westwind heißt die Radler nicht unbedingt willkommen. In der Ferne spannt sich die drei Kilometer lange Brücke über die Flussmündung, zu der direkt vor mir am schlickigen Loire-Ufer die wackligen Holzstege, die zu den Fischernetzen führen, im Kontrast stehen.

Kontrastprogramm: Wacklige Stege im Vordergrund führen zu den Fischernetzen, dahinter die (hoffentlich) stabile, drei Kilometer lange Brücke über die Loire-Mündung bei St. Nazaire.
Kontrastprogramm: Wacklige Stege im Vordergrund führen zu den Fischernetzen, dahinter die (hoffentlich) stabile, drei Kilometer lange Brücke über die Loire-Mündung bei St. Nazaire. | Bild: Wallisch, Roland

Dann ist er erreicht, der Kilometer 0 des Eurovelo 6 in St. Brévin. Ein kleines Häuschen steht da, Eric empfängt die Radler, man trägt sich ins Gästebuch ein, markiert auf der Karte, woher man kommt und bekommt noch gute Tipps.

Das ist Eric. Er empfängt in St. Brévin am Kilometer Null des Loire-Radwegs und des Eurovelo 6 die Radfahrer.
Das ist Eric. Er empfängt in St. Brévin am Kilometer Null des Loire-Radwegs und des Eurovelo 6 die Radfahrer. | Bild: Wallisch, Roland

Schluss mit westwärts. Zumindest mit dem Rad. Weiter geht‘s nicht. Höchstens nach Süden. Auf dem Eurovelo 1, der vom Nordkap nach Portugal führt.

Den Radlern des Loireradwegs geht hier der Westen aus. Also wählen sie den Süden. Der Velocéan führt an der Küste entlang und ist Teil des Eurovelo 1 von Hammerfest in Nordnorwegen nach Sagres in Südportugal.
Den Radlern des Loireradwegs geht hier der Westen aus. Also wählen sie den Süden. Der Velocéan führt an der Küste entlang und ist Teil des Eurovelo 1 von Hammerfest in Nordnorwegen nach Sagres in Südportugal. | Bild: Wallisch, Roland

Von da an geht es viel leichter, denn gegen die Südrichtung der Radroute hat der Wind nichts. Und die Fortsetzung lohnt sich. Man radelt vielfach in schön im Schatten der Pinienwälder, das Meer selbst hat auch seine Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel die fünf Felsen, die direkt am Ufer aus dem Meer ragen oder bei Ebbe eben aus dem felsigen Strand.

Les 5 pineaux heißen diese Felsen in Saint-Hilaire-de-Riez.
Les 5 pineaux heißen diese Felsen in Saint-Hilaire-de-Riez. | Bild: Wallisch, Roland

Es geht schon in Richtung der Vendée. Dort kann man natürlich im Meer baden. Aber manche bevorzugen auch den Sprung von kleinen Brücken hinunter in die Kanäle und Becken der Marais Salants, der Salinen.

Wir sind in der Vendée in den Marais Salants. Dort macht das Baden auch viel Spaß.
Wir sind in der Vendée in den Marais Salants. Dort macht das Baden auch viel Spaß. | Bild: Wallisch, Roland

Und dann ist er erreicht, der Sehnsuchtsort für alle Weltumsegler: Les Sables d‘Olonne. Wenn im November 2020 die Vendée Globe startet, dann sind die Ufer brechend voll mit Menschen, die den Seglern Ade sagen. Dann, im Januar 2021, wenn sie wieder zurückkehren, übrigens auch. Egal ob es nachts ist oder tagsüber.

Wow, am Ziel: Les Sables d‘Olonne. Von hier aus starten die Einhand-Weltumsegler zur Vendée Globe alle vier Jahre. Nächster Start ist der 8. November 2020. Mit dabei: Boris Herrmann, der im August Greta Thunberg über den Atlantik gesegelt hat.
Wow, am Ziel: Les Sables d‘Olonne. Von hier aus starten die Einhand-Weltumsegler zur Vendée Globe alle vier Jahre. Nächster Start ist der 8. November 2020. Mit dabei: Boris Herrmann, der im August Greta Thunberg über den Atlantik gesegelt hat. | Bild: Wallisch, Roland

Für mich geht es retour. Mit Regionalzügen portionsweise über Orléans, das ich in der Hinfahrt ausgelassen hatte und wo ich morgens noch der Jeanne d'Arc Grüß Gott sage...

Der Heldin Jeanne d‘Arc ist in Orléans eine entsprechende große Statue gewidmet.
Der Heldin Jeanne d‘Arc ist in Orléans eine entsprechende große Statue gewidmet. | Bild: Wallisch, Roland

...und die schöne Kathedrale mit ihren besonderen Türmen bestaune.

Ganz filigrane Turmarchitektur weist die Kathedrale von Orléans auf.
Ganz filigrane Turmarchitektur weist die Kathedrale von Orléans auf. | Bild: Wallisch, Roland

Der nächste Zug führt mich zurück nach Nevers. Und weil ich noch etwas Zeit habe, genehmige ich mir noch ein Bad in der Loire. Das ist gar nicht selbstverständlich, in der Loire ist das Baden meist verboten.

Meist ist das Baden in der Loire verboten, weil zu gefährlich. Hier in Nevers gibt es immerhin einen kleinen Strand, der durch eine Art Damm geschützt ist.
Meist ist das Baden in der Loire verboten, weil zu gefährlich. Hier in Nevers gibt es immerhin einen kleinen Strand, der durch eine Art Damm geschützt ist. | Bild: Wallisch, Roland

Das war La Loire à vélo. Ein Radtour fast ohne Steigungen. Prädikat: Sehr empfehlenswert. Für Alleinradler, für Paare, für ganze Familien, für Groß und Klein. Bon voyage!