Mit Karrieren in der Unterhaltungsbranche ist das so eine Sache: Wie hart sie auch erarbeitet sein mögen, sie können ganz schnell vorbei sein. Das erlebt gerade Schlagersänger Michael Wendler – auch wenn er dieses Schicksal aus Protest gegen die „angebliche“ Corona-Pandemie selbst gewählt hat. Seine Zukunft sieht er, obwohl jetzt mehr oder weniger arbeitslos, deshalb auch keineswegs in düsteren Farben. Aus Wendlers Sicht kann von Karriere-Knick nicht die Rede sein, im Gegenteil.

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Sein Leben im Rampenlicht als selbsternannter „König des Popschlagers“ hat er jedenfalls aufgegeben. Der Job als Juror bei der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ war für ihn von einem Tag auf den anderen nicht mehr interessant, sein Engagement als Werbeträger einer großen Supermarktkette ging nach Wendlers auf Instagram verbreiteter Kündigung ebenfalls flöten, und dass er weiterhin Geld als Gast in TV-Formaten aller Art verdient, darf bezweifelt werden.

Dabei war der 48-Jährige aus Dinslaken jetzt doch eigentlich dort angekommen, wo er immer hin gewollt hatte: so weit oben auf der Karriereleiter, wie man in seinem Job kommen kann.

Bevor es richtig los ging mit der TV-Karriere: Michael Wendler 2009 in der ARD-Show „Immer wieder sonntags“.
Bevor es richtig los ging mit der TV-Karriere: Michael Wendler 2009 in der ARD-Show „Immer wieder sonntags“. | Bild: Patrick Seeger / dpa

Michael Wendler, geborener Skowronek, verheirateter und geschiedener Norberg, ist gelernter Speditionskaufmann. Seine berufliche Laufbahn verlief von Anfang an holprig. Gerade mal Anfang 20, stieg er in die Spedition seines Vaters ein, Schulden inklusive. Durch Auftritte in Diskotheken und Bierzelten verdiente er zusätzliches Geld, sein Händchen für eingängige Texte und Melodien („Sie liebt den DJ“) blieb nicht lange unentdeckt: 1998 bekam er seinen ersten Plattenvertrag.

Wie das passiert ist, weiß er wahrscheinlich selbst nicht mehr so genau – aber vor ein paar Jahren zahlten sich Wendlers Hartnäckigkeit und sein grenzenloses Selbstbewusstsein aus, er wurde vom Nischenphänomen zur festen Größe im Medienzirkus. Da waren Stefan Raabs „Wok-WM“ und die Doku-Soap „Der Wendler-Clan“, Klassiker wie „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ und „Schlag den Star“. Der ganz große Erfolg blieb aus, aber man konnte ihm nie vorwerfen, er hätte es nicht versucht.

Michael Wendler 2014 mit seiner ersten Frau, Claudia Norberg.
Michael Wendler 2014 mit seiner ersten Frau, Claudia Norberg. | Bild: Daniel Reinhardt / dpa

Bloß eines dürfte ihn immer geärgert haben: dass er nicht wirklich ernst genommen, sondern immer noch belächelt wurde. Trotz sich gut verkaufender Alben fast im Jahresrhythmus. Trotz so mancher Auszeichnung. Da waren eben auch Berichte über Zahlungsunfähigkeit, Insolvenzverschleppung, Rechtsstreitigkeiten. Eine Million Euro Schulden soll Wendler beim Finanzamt haben.

Junge Frau, neues Glück

Zum endgültigen Liebling der Klatschspalten wurde er durch eine Frau. Nicht Claudia Norberg, die er 2009 nach 20 Jahren Beziehung geheiratet und mit der eine erwachsene Tochter hat. Sondern durch Laura Müller aus Tangermünde an der Elbe, heute zarte 20 Jahre alt, die er 2018 kennen und lieben lernte und mit der er seit vier Monaten auch verheiratet ist.

Zusammen gingen Wendler und Laura, die als Beruf Influencerin angibt, ins „Sommerhaus der Stars“ und ließen sich für Doku-Soaps von Kameras begleiten. Ihre kirchliche Hochzeit sollte sogar live im Fernsehen übertragen werden. Bloß: RTL will jetzt nicht mehr.

Wenn‘s um das Coronavirus geht, flüchtet sich Laura Müllers in die Neutralität – ihr Gatte Michael Wendler dagegen macht klar, dass er von den Maßnahmen der Bundesregierung nichts hält.
Wenn‘s um das Coronavirus geht, flüchtet sich Laura Müllers in die Neutralität – ihr Gatte Michael Wendler dagegen macht klar, dass er von den Maßnahmen der Bundesregierung nichts hält. | Bild: Rolf Vennenbernd / dpa

Einer von Wendlers Förderern war lange Zeit auch Comedian Oliver Pocher, der sich erst über ihn und seine junge Freundin lustig gemacht, sich am Ende aber tatsächlich gut mit ihm verstanden hat. Ja, ab da hätte alles so schön sein können: Erfolg, Geld, Beliebtheit.

Er kennt „die ganze Wahrheit“

Doch dann, für jeden außerhalb seines engsten Umfelds völlig überraschend, warf Wendler der Bundesregierung während der „angeblichen“ Corona-Pandemie „grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung und das Grundgesetz“ vor, bezeichnete nahezu alle Fernsehsender als gleichgeschaltet und politisch gesteuert.

Der schlechteste PR-Gag aller Zeiten? Nein, sein Ernst. Seine einseitige Sicht der Dinge – oder: „die ganze Wahrheit“ – verbreitet Wendler von Cape Coral im US-Bundesstaat Florida aus nun „zensurfrei“ auf Telegram, rund 108.000 Menschen, Fans wie Feinde, lesen dort inzwischen mit.

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Auch wenn ihm nachgesagt wird, ein einnehmendes Wesen zu haben, so scheint auch Wendler selbst beeinflussbar zu sein. Vor seiner 180-Grad-Drehung soll er lange mit dem bekannten Vegan-Koch und Verschwörungsprediger Attila Hildmann telefoniert haben, beide waren 2016 Kandidaten in der RTL-Show „Let‘s Dance“.

Wendlers Manager Markus Krampe unterstellte zuerst, der Sänger sei krank. Inzwischen glaubt er, dass der 48-Jährige manches bereut. Mag sein, mag nicht sein – Wendler ignoriert solche Schlagzeilen bestenfalls. Sicher ist im Moment nur eins: Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt.

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