Herr Reim, Respekt vor Ihrer darstellerischen Leistung in „Schatten über dem Bodensee“. Sind Sie ein Naturtalent oder hatten Sie irgendwann mal Schauspielunterricht?

Weder noch, ich habe überhaupt keine Ahnung von Schauspielerei.

Haben Sie denn schon mal vor einer Filmkamera gestanden?

Ich durfte tatsächlich vor 20 Jahren mal in einem Fernsehfilm mitwirken, „Ein Mann für gewisse Sekunden“. Ich habe einen abgehalfterten Schlagersänger gespielt und fand meine Leistung ziemlich grauenhaft, deshalb habe ich diese „Karriere“ ganz schnell wieder beendet.

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Warum dann jetzt der Rückfall?

Weil von vornherein klar war, dass ich keine Rolle im klassischen Sinn spiele, sondern im Grunde nur ich selbst sein muss, und das kann ich ziemlich gut. Außerdem fand ich das Filmprojekt auf Anhieb sympathisch. Der Film ist eine Liebeserklärung an den Bodensee, in die ich gern eingestimmt habe.

Wie waren die Dreharbeiten?

Sehr entspannt! Es war zwar glühend heiß zu der Zeit, aber alle waren gut drauf, jeder hatte ständig ein Grinsen im Gesicht, obwohl niemand eine Gage bekommen hat – sogar das Benzin für mein Boot musste ich selbst bezahlen. Der Film ist eine echte Liebhaberei.

Das Motorboot, auf dem die Szenen mit ihnen spielen, ist Ihr eigenes?

Ja, das ist mein Schatz auf dem See. Auf diesem Boot erhole ich mich regelmäßig vom Tourneestress. Leinen los, raus auf den See, ein gutes Buch, einen Cappuccino, zwischendurch eine Runde schwimmen, und ansonsten nichts als Stille: Das ist für mich das Paradies auf Erden.

Es wird Ihre Fans freuen, dass Sie auch kurz als Sänger zu hören sind. Wird das „Bodenseelied“ veröffentlicht?

Nein, das glaube ich nicht. Und um ehrlich zu sein: Ich habe auch keinen nennenswerten musikalischen Beitrag geleistet, dafür fehlte mir einfach die Zeit.

Sie haben ungefähr sechs Dialogsätze, jeder zweite beginnt mit „Verdammt“. War das Ihre Idee?

Das haben wir beim Drehen gemeinsam entwickelt, und irgendwann hat es sich zum selbstironischen Running Gag verselbständigt.

Auch ein Musiker geht nicht ohne Make-up vor die Kamera – hier wird Matthias Reim vor der nächsten Szene geschminkt.
Auch ein Musiker geht nicht ohne Make-up vor die Kamera – hier wird Matthias Reim vor der nächsten Szene geschminkt. | Bild: Creativ Mediengruppe

Nervt es Sie nicht, immer wieder auf Ihren Hit „Verdammt, ich lieb‘ dich“ reduziert zu werden?

Im Gegenteil. So lange ich lebe, wird der Titel in jedem Artikel über mich in Klammern hinter meinem Namen stehen, aber ich finde das überhaupt nicht schlimm. Dieser Song war der Glücksfall meines Lebens. Er verbindet inzwischen so viele Generationen, junge wie alte, und ich stelle bei jedem Konzert immer wieder aufs Neue fest: Das ist die schönste Zugabe der Welt.

Wie finden Sie „Schatten über dem Bodensee“?

Sehr schön! Sehr schön! Ich hoffe sehr, dass ich es schaffe, zur Premiere zu kommen, denn ich bin gerade auf Tournee. Dieses Jahr ist derart voller Termine, wie ich das noch nie erlebt habe. Demnächst beginnen die Proben für die Open-Air-Tour im Sommer, und bis Mitte Juni muss ich auch noch mein neues Album fertigstellen. Deshalb kann ich auch in der geplanten Fortsetzung nicht so mitwirken, wie sich die Produzenten das gewünscht haben. Es reicht leider nur für einen Drehtag und einen entsprechend kurzen Auftritt.

Beschweren Sie sich gerade über Ihren Erfolg?

Nein, auf keinen Fall, ich will damit nur erklären, dass ich natürlich Priorität bei meinem Beruf als Musiker legen muss. Aber streng genommen klingt schon die Bezeichnung „Beruf“ zu streng. Wir sprechen ja nicht ohne Grund davon, heute Abend in dieser oder jener Stadt zu „spielen“.

Im Film helfen Sie einem Ganoven bei der Flucht, werden aber nicht belangt, weil Sie versprechen, ein Konzert für die Polizei zu geben. Ist das bloß ein Filmgag?

Nein, das Versprechen löse ich ein, und zwar im Rahmen meines Konzerts am 13. Juli beim Honberg-Festival in Tuttlingen. Die Zuschauer werden natürlich nicht nur Polizisten sein, aber der Auftritt wird für die Fortsetzung gefilmt.

Sie stehen bei Ihrer aktuellen Tournee gemeinsam mit Florian Silbereisen auf der Bühne. Bei allem Respekt: Wie passen Sie beide musikalisch zusammen?

Sehr gut! Heutzutage ist der Übergang zwischen Pop und Schlager doch viel fließender als früher. Die Show ist toll, ich passe da prima rein, die Stimmung ist großartig, sowohl auf der Bühne wie auch dahinter. Ich singe erst gemeinsam mit meiner bezaubernden früheren Lebensgefährtin Michelle unser Megaduett „Nicht verdient“, dann swinge ich noch ein bisschen mit Florian, und am Schluss sorge ich dafür, dass das Publikum beseelt nach Hause geht.

Gibt es derzeit überhaupt etwas, worüber Sie klagen würden?

Ja, und zwar die Zeit zwischen den Auftritten. Das ist wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“: Du wachst morgens auf und fragst dich erst mal, in welcher Stadt du bist. Die Hotels sehen alle gleich aus, die Autobahnen auch. Mittags bist du am nächsten Ort der Tournee, und dann kommt ein stundenlanger Leerlauf, bis es am Abend endlich auf die Bühne geht.

Wie vertreiben Sie sich diese Stunden?

Das frage ich mich langsam auch. Ich habe mittlerweile alle Netflix-Serien gesehen, die mich interessieren, und alle Bücher gelesen, die ich mitgenommen habe. Die Zeit totzuschlagen ist das eigentlich Zermürbende an solchen Tourneen, das ist viel anstrengender als auf der Bühne zu stehen.

Was ist mit After-Show-Partys?

Keine Chance. Ein Feierabendbier ist okay, doch am nächsten Tag muss die Show ja weitergehen. Abstürze aller Art wären da fatal. Aber das weiß man vorher, und deshalb noch mal: Ich beschwere mich nicht, das gehört dazu, und ich möchte meinen Traumberuf gegen keinen anderen auf der Welt tauschen.