Niemand schaut sich einen Sexfilm wegen der Handlung an, und mit dieser Haltung sollte man auch „Schatten über dem Bodensee“ konsumieren: Die Geschichte ist völlig zweitrangig und wirkt wie ein Vorwand, um die Sehenswürdigkeiten der Region möglichst eindrucksvoll in Szene zu setzen. Die Verantwortlichen machen auch gar keinen Hehl daraus – in der Werbung wird vor allem „die herrliche Bodenseeregion“ betont.

Ohne Fördergelder entstanden

Der Film ist eine Produktion der Creativ Mediengruppe aus Tettnang und ohne Fernseh- oder Fördergelder entstanden. Regisseure schimpfen gern über die Gremien, weil sich gerade TV-Redakteure oft ins Drehbuch einmischen, aber in diesem Fall hätte das nicht geschadet: „Schatten über dem Bodensee“ hat erhebliche dramaturgische Schwächen, den Dialogen fehlt der Feinschliff, und mit knapp zwei Stunden ist der Film viel zu lang.

Größeres Manko sind allerdings die Darbietungen. Eine Vielzahl der Mitwirkenden sind offenkundig Laien, wobei zu ihrer Ehrenrettung nicht unerwähnt bleiben darf, dass die Unterschiede zwischen Amateuren und Profis hier kaum ins Gewicht fallen.

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Der Handlungskern ist überschaubar: Als aus dem Singener Museum Art & Cars (MAC) fünf teure Sportwagen gestohlen werden, wenden sich die Besitzer nicht an die Polizei, sondern an den Konstanzer Privatdetektiv Max Marek (Hannes Schmid). Kurz drauf verschwindet aus der Stiftsbibliothek St. Gallen ein uraltes und entsprechend wertvolles Buch.

Hinter beiden Verbrechen steckt der Mastermind Canalis (Thomas Sprekelsen), aber sein größter Coup kommt erst noch: Gemeinsam mit seinem Komplizen (David Altman) will er die Betreiber der Bregenzer Festspiele erpressen.

Musiker Matthias Reim spielt in „Schatten über dem Bodensee“ sich selbst.
Musiker Matthias Reim spielt in „Schatten über dem Bodensee“ sich selbst. | Bild: Creativ Mediengruppe

Regie führte laut Vorspann Jean Paul Saron. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der Medienunternehmer und Produzent Hans Günter Grenouillet, der 2001 den TV-Sender Euro 3 Bodenseefernsehen gegründet hat. Er beklagt, dass die verschiedenen TV-Produktionen, die regelmäßig in der Region entstehen, viel zu selten „wiedererkennbare Schauplätze“ zeigten – das wollte er nachholen.

Der „allen Liebhabern der Bodenseeregion“ gewidmete Film lässt erahnen, was ihm vorschwebte: ein flotter Krimi mit charismatischen Schurken, einem sympathischen Helden zwischen zwei schönen Frauen und natürlich prachtvollen Landschaftsaufnahmen (Kamera: Matthias Tschiedel).

Ein Trip durch die Region

Der 500.000 Euro teure Kinofilm wirkt jedoch, als sei eine Folge der einstigen SWR-Reportagereihe „Fahr‘ mal hin“ notdürftig um eine Filmhandlung ergänzt worden: Die Geschichte ist bloß Vorwand für ein Trip durch die Region, Rheinfall und Säntis inklusive. Viele Exkurse dienen zudem offenkundig allein dem Zweck, die Sponsoren ins Bild zu rücken.